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wird auch Haarweide genannt, weil die Blätter unten figis behaart sind,
nicht selten auch die graue Rinde. Palmweide heißt sie, weil man am Palm-
sonntag mit ihren Zweigen die Stube schmückt. — 2. Die langrunden Blätter
kommen erst nach den Blüten aus den dicken, kahlen Knospen. Die Staubblüten
sind gelbe, hoartge Kätzchen; unter jeder Deckschuppe schauen 2 gelbe Staub-
blätter mit dunkler Spitze hervor. Die grünen Samenblüten sind länger und
haben unter jeder Deckschuppe einen Stempel. Die Frucht wird eine einsamige,
weilappige Kapsel. Der Same liegt in weicher Haarwolle und wird bei der
Reise samt dem Bettchen wie Schneeflocken vom Winde davon getragen. —
3. Die Sahlweide wächst an Ufern und in Wäldern. — 4. Sie giebt ihr
weiches, zähes Holz zu Sieben und Körben, ihre Schale zu Bast, ihr Laub zu
Schaffutter her. — 5. Es giebt sehr viele Weidenarten. Die Korbweide be-
festigt durch ihr Wurzelgeflecht die Ufer und liefert ihre Schößlinge zu allerlei
Geflechten. Man zieht die Weiden auch als Bäume und köpft sie alle 4—5 Jahre.
Sie sehen dann wie grämliche Bachhüter mit struppigen Köpfen und hohlen
Leibern aus. Die hängende Trauerweide beschattet die Gräber. In Gärten
findet sich die Purpurweide mit roter Rinde und roten Staubkölbchen als
Zierstrauch. Der Gärtner zieht in seinem Garten auch die Bandweide, mit
deren Zweigen er seine verkauften Waren verschnürt. Aus Weidenrinde kocht der
Apotheker das heilkräftige Salicyl, ein weißes Salz. Es läßt sich auflösen in
Wasser, und Watte wird damit getränkt. Sieheilt schwere Wunden schnell und sicher.
4. Die Birke oder Maie.
iI1. Die Birke ist ein Baum, d. h. ein Holzgewächs mit einem Stamm.
Sie gehört zu den einhäusigen Pflanzen. Ihr schlanker Wuchs und ihr weißes
Kleid machen sie gleichsam zur Braut des Waldes, die zum Pfingstfeste ge-
schmückt dasteht. — 2. Der Stamm wächst in Jahresringen, nach denen man
das Alter eines Baumes bestimmt. Sie legen sich wie hölzerne Röcklein nach
außen um das Mark in der Mitte. Die Rinde setzt nach innen jedes Thr
eine Schicht an. Die älteste äußere sieht rauh und rissig aus und heißt Borke.
Jüngere Birken haben glatte, weiße Rinden, die sich in Gürteln abblättern.
Die Zweige sind rotbraun und hängend, die Blätter dreieckig und duftend. Die
Staubkätzchen sitzen paarweise am Ende der Zweige, die kürzeren Samenkätzchen
einzeln in den Blattwinkeln. Unter den Schuppen der Samenblüten reifen
kleine Nüßchen mit Flügeln. — 3. Die Birken gedeihen auch in kälteren Ländern
und klettern bis in die Bergwälder der nördlichen Länder. Häufig umziehen sie
als lichter Saum die düsteren Kieferwälder. — 4. Das Holz giebt Möbel, die
Aste Faßreifen, die Zweige Besen, die Blätter Farben, die Büsche einen Pfingst-
schmuck. — 5. Im Frühling bohrt man die Birken oft an, um den süßen, er-
quickenden Birkensaft abzuzapfen. Die Saftströmung geht so zu: Die Wurzeln
saugen Wasser auf. Teses steigt in den Zellen auf in Zweige und Blätter.
Durch die Spaltöffnungen tritt die Kohlensäure der Luft hinzu. Durch die Ein-
wirkung des Lichtes entwickeln sich verschiedene Stoffe im Safte, besonders Stärke.
Diese verwandelt sich in Zucker, wandert mit dem Zellensafte durch den ganzen
Baum und giebt allen Teilen Nahrung und neuen Baustoff.
5. Das Scharbocks= oder Feigwarzenkraut.
1. Dieses Kraut war ein Mittel gegen den Scharbock oder Skorbut, eine
Krankheit, die Seeleute nach langem Genusse von Salzfleisch befiel und wobei
das Zahnfleisch faulte und die Kräfte schwanden. Heute gehört diese Krankheit
zu den Seltenheiten, denn unsere Schiffe versehen sich mit Mundvorrat, der nicht
verderben kann, weil er in luftdichten Gefäßen eingeschlossen ist. So eingemachte