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Wurzeln sind mit Möhren, ihre Samen mit Mohnkörnern verwechselt worden
und haben dadurch Unheil angestiftet. — Ebenso giftig ist der Stechapfel
auf Schutt und angebautem Lande. Er trägt weiße Blütentrichter wie die
weiße Zaunwinde und stachelige Fruchtkapseln wie Roßkastanien, in denen die
giftigen Körner wie Schwarzkümmel liegen. — Der schwarze Nachtschatten
ist gemein auf Schutt und Ackerland. Die radförmigen Blüten sind weiß und
haben in der Mitte ein gelbes Kegelchen, welches durch die 5 stiellosen Staub-
blätter gebildet ist, die sich an den Stempel schmiegen; die erbsengroßen Beeren
werden schwarz. Diese Giftpflanzen muß jedes Kind kennen lernen.
61. Die Haustaube.
1. Die Taube ist das Bild der Sanftmut und Reinheit. „Seid ohne
Falsch wie die Tauben!“ Unsere Haustaube stammt von der wilden Taube mit
schiefergrauem Gefieder und schwarzen Flügelbinden. — 2. Sie wird 30 cm
lang, und das straffe Gefieder zeigt die verschiedenartigste Färbung. Der
Schnabel ist an der Wurzel aufgetrieben und weich. Die Nasenlöcher sind mit
einer Knorpelschuppe bedeckt; die kurzen, roten Füße haben lange Zehen mit
stumpfen Nägeln. Das Flügelpaar ist lang und spitz, der Schwanz breit, der
Flug schnell und gewandt. — 3. Die Tauben leben gesellig in Schlägen, sonnen
sich mit gestreckten Flügeln auf den Dächern oder fliegen futtersuchend im Felde
umher. Das Nest ist kunstlos aus Reisig und Stroh gebaut. Die zwei weißen
Eier werden 14 Tage abwechselnd von Weibchen und Männchen bebrütet. —
4. Das Futter der Tauben besteht in allerlei Körnern. Für die Jungen werden
dieselben im Kropfe, einer sackartigen Erweiterung der Speiseröhre, erweicht.
Sie trinken saugend mit aufgestemmtem Schnabel. — 5. Ihr Fleisch ist wohl-
schmeckend. Die Brieftauben befördern rasch und sicher eine Botschaft an
ferne Orte. Der Aussaat und Ernte schaden große Taubenschwärme. — 6. Der
Taubert umkreist und verfolgt zuweilen mit aufgeblasenem Kropfe und zornigem
Rucksen andere Tauben. Die Stimme der Taube ist gewöhnlich ein sanftes
Girren. Sie leben paarweise, und nur der Tod kann sie trennen.
62. Das Haushuhn.
1. Das Huhn ist seit Menschengedenken ein Hofgeflügel und unser fleißigster
Eierleger. Das männliche Tier heißt Hahn, das weibliche Henne, das junge
Küchlein. — 2. Das Gefieder ist fest und verschiedenfarbig, der Kopf mit zackigem
Fleischkamm und 2 Kinnlappen geziert, die in der Legezeit besonders groß und
rot sind, das Flügelpaar kurz und rund, der Flug deshalb schwerfällig, der
Schwanz dachförmig zu entfalten. Die Schnabelränder des Oberkiefers greifen
über. Die ritzenförmigen Nasenlöcher liegen unter einer harten Schuppe. Der
Hals hat einen Kropf, d. h. eine erweiterte Speiseröhre, zum Erweichen des
Futters, der schuppige Fuß einen langen Lauf mit 3 Vorder= und einer höher-
stehenden Hinterzehe. — 3. Rastlos durchwandert und durchkratzt das Huhn in
Gesellschaft den Hof, die Düngerstätte, die Tenne und den Garten. Nachts
schläft es auf den Stangen des Hühnerhauses. — 4. Es pickt Körner, scharrt
Würmer und Insekten heraus, rupft Gras und frißt allerlei Abfälle des Hauses.
Beim Saufen hebt es nach jedem Schluck den Kopf. — 5. Das Huhn bringt
durch unermüdliches Eierlegen, wohl 150 im Jahre, großen Nutzen und liefert
auch ein wohlschmeckendes Fleisch. — 6. Es badet sich gern im Staube, frißt
Kalk zur Bildung der Eierschalen, brütet 3 Wochen, führt glucksend seine kleinen
Nestflüchter aus und schützt sie sorglich vor dem Habicht u. a. Feinden. Zu-
weilen brütet die Henne Enteneier aus und rennt dann in Verzweiflung um den
Teich, wenn sich die Entlein munter ins Wasser stürzen und nicht auf den Warn-