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ruf der Mutter hören. — Der Hahn ist größer als die Henne, hat einen
stärkeren Kamm, Sporen an den Füßen, einen Sichelschwanz, Metallschimmer
auf dem Gefieder und als Stimme ein durchdringendes Krähen. Er ist ein
Wetterprophet und das Bild der Wachsamkeit. Herrisch führt er das Hennen—
volk. Kampfesmutig fällt er den Gegner an. Wachsam verkündet er früh den
Tag. Großmütig ruft er die Hennen zu einem gefundenen guten Bissen.
Hahnenkämpfe sind ein besonderes Vergnügen der Engländer. — Das Ei besteht
aus einer harten Kalkschale, dem Eiweiß und dem Dotter. Die Schale ist in—
wendig mit einer feinen Haut gepolstert. Am stumpfen Ende des Eis tritt die
Haut etwas zurück und läßt hier einen freien Luftraum. Hier hinein ragt später
der Schnabel des jungen Vogels und atmet die Luft. Durch die Körperwärme
der Bruthenne entwickelt sich aus dem Keimflecken am Dotter der junge Vogel.
Seine Nahrung ist das Eiweiß. Ist er entwickelt, so pickt er mit der Kalkspitze
des kleinen Schnabels, die später abfällt, ein Loch in die Schale und zwängt sich
endlich heraus. Der Leib der Küchlein ist mit Härchen bedeckt und naß. Unter
den Flügeln der Henne trocknen sie.
Der Pfauhahn hat verlängerte Schwanzfedern mit schönen Augenflecken
und kann damit ein Rad schlagen. Der kleine Kopf trägt einen Federbusch;
die Stimme klingt häßlich. Der Puter oder Truthahn hat einen nackten,
warzigen Kopf, einen roten Fleischklunker über der Nase, über der Brust ein
Büschel pferdehaarähnlicher Federschäfte, schlägt ein Rad, kollert mit der Stimme
und wird wütend über rote Tücher.
63. Die großöhrige Fledermäus.
1. Der Name bezeichnet eine Maus mit Fledern, d. h. Flügeln, und langen
Ohrmuscheln. — 2. Die Flugweite des Tieres beträgt etwa 24 cm; der Pelz ist
graubraun. Die Ohren bewegen sich bei jedem Geräusch, spitzen sich wie bei
horchenden Pferden, krümmen ch wie Widderhörner und legen sich in der Ruhe
an den Kopf. Die Augen funkeln, die Nase wittert umher, und die Zunge leckt
gern das Haar. Die spitzen . ·-
ZähneverrateneinNaubtier.» 9
Die nackte, braune Haut sieht
wie ein Mantel aus, auf den?
das Tier gespannt ist. Beine
und Schwanz sind hineinge-
wachsen; nur die Hinterfüße
und die Daumen der Vorder-
gliedmaßen sind frei. — 3. Die
Fledermaus scheut die Sonne und verbirgt sich tagsüber an dunkeln Orten, z. B.
hinter Fensterläden, in Mauern und hohlen Bäumen. Im Winter schlägt sie
die Flughaut als Mantel um sich, so daß sie wie ein Fetzen Spinngewebe aus-
sieht, hakt sich mit den Krallen der Hinterfüße ein, so daß sie mit dem Kopfe ab-
wärts hängt, und hält in Gesellschaft von ihresgleichen einen Winterschlaf. —
4. Sie frißt allerlei Nachtinsekten, die sie auf ihrem geräuschlosen Fluge in der
Morgen= und Abenddämmerung fängt, höhlt aber niemals Speckseiten aus, wie
man ihr schuld giebt. 5. Durch Vertilgung schädlicher Insekten bringt sie
großen Nutzen, und es ist darum ein Frevel, sie zu töten. — 6. Die Fledermäuse
haben den feinsten Tastsinn; selbst geblendet stoßen sie beim Fliegen an kein
Hindernis. Mit den Daumenkrallen klettern sie an den Wänden umher, lassen
sich aber niemals zur Erde nieder, weil sie von derselben nicht auffliegen
können. Den Pelz fetten sie aus Drüsen und schützen sich so bei Regen
56. Ohrenfledermaus (18 nat. Größe).