– 56 — III
gegen das Naßwerden. Die Weibchen tragen ihre Jungen im Fluge an der
rust umher.
Der Vampir ist eine braune, blutsaugende Fledermaus in Südamerika
von Eichhorngröße. Man hat ihm schuld gegeben, daß er schlafenden Menschen
das Blut aussauge; es ist aber kein Wörtchen davon wahr. Der fliegende
Hund in Ostindien ist eine schwarzbraune, obstfressende Fledermaus fast von
Katzengröße, mit hundeartigem Kopfe und bellender Stimme. Die Malayen
auf den großen Sundainseln essen ihn.
64. Der Hund.
1. Der Hund gehört zu den Zehengängern unter den Raubtieren. Durch
Zähmung ist er zum treuesten Wächter des Hauses und zum liebsten Begleiter
des Menschen geworden. Man unterscheidet viele Spielarten, z. B. den schlanken
Windhund, den dickschnäuzigen Bullenbeißer, die gewandte Dogge, den kraus-
haarigen und gelehrigen Pudel, den häßlichen Affenpintscher, den krummbeinigen
Dächsel, den fetten Mops, den kläffenden Spitz, den treuen Schäferhund, den
klugen Hühnerhund u. v. a. — 2. Die Größe ist sehr verschieden, vom zierlichen
Schoßhündchen bis zur riesigen Dogge. Die Körperbedeckung besteht meist aus
kurzen, straffen, glatt anliegenden Haaren von verschiedener Farbe. Der Kopf
ist klein und hat eine spitze Schnauze, mit kalter, feuchter Nase. Die Augen mit
runder Pupille stehen seitlich; die Ohren sind entweder spitz und aufgerichtet
oder lappig und hängend; die Zunge ist glatt, das Raubtiergebiß vollständig.
Der Rumpf erscheint mager und ist in den Weichen in die Höhe gezogen. Die
Beine sind lang und schlank und haben vorn 5, hinten 4 Zehen mit stumpfen,
nicht einziehbaren Krallen. Der Schwanz wird meist aufrecht und nach links
getrummt getragen. — 3. Der Hund folgt dem Menschen in das ewige Eis des
'Nordens wie unter den senkrechten Sonnenstrahl des Südens. Entweder be-
gleitet er seine Schritte auf Berufswegen, oder schreitet als Wächter hofauf und
hofab, oder liegt angekettet in seiner Hütte, oder umkreist die Herden. — 4. Er
frißt alles, was vom Tische des Menschen abfällt; doch giebt er Fleisch, Blut
und Knochen den Vorzug. Er säuft schlappend und frißt zu manchen Zeiten
Gras. — 5. Er bewacht das Haus gegen Diebe, regiert mit Eifer und Umsicht
die Herden, spürt das Wild auf, zieht Schlitten und Wagen, sucht das Ver-
lorene, ergötzt durch seine Kunststücke u. s. w. Die St. Bernhardshunde in den
Alpen haben schon vielen Menschen das Leben gerettet. — 6. Die Hunde sind
die klügsten und bildungsfähigsten Tiere. Ihr Geruchssinn ist, besonders bei
Blut= und Jagdhunden, außerordentlich scharf. Sie laufen gewandt, geraten
aber selten in Schweiß. Bei Hitze lassen sie jappend die Zunge aus dem Maule
hängen. Beim Sitzen ruhen sie auf dem Hinterteil und stehen auf den Vorder-
beinen. Beim Liegen rollen sie sich zusammen und stecken den Kopf zwischen die
Hinterbeine, oder sie legen sich auf den Bauch und lassen den Kopf auf den
Vorderbeinen ruhen. Wunden heilen sie durch Lecken. Ihrem Herrn schmeicheln
sie, aber bei Vergehen und Tadel ziehen sie den Schwanz ein und schleichen bei
Seite. Sie träumen und knurren in ihrem kurzen und leisen Schlafe. Ihre
Stimme heißt Bellen; viele heulen, wenn sie Musik oder Glockengeläut hören.
Sie sind der schrecklichen Tollwut unterworfen, die sich durch den Biß auf den
Menschen fortpflanzt. Ursachen der Krankheit sind: schneller Wechsel von Hitze
und Kälte, Mangel an Wasser, Aufreizungen; Kennzeichent Scheu vor dem
eigenen Herrn, trübe Augen, heraushängende, bleifarbige Zunge, eingezogener
Schwanz, schwankender Lauf, Geifern und Beißen nach allem; Gegenmittel beim
Biß: Unterbinden, Ausschneiden, Ausbrennen, Auswaschen der Wunde mit
ätzenden Mitteln, schleunige Hilfe des Arztes.