Full text : Illustriertes Realienbuch.

III  —  81  —

ständiger  Drehung
des  Kopfes  aus
einem  Spinnstoffe  S
ihres  Leibes  in
einem  3—900  m
langen  Faden.  Dies  ——
Puppenkleid,  Coron—
(spr.  Kokong)  genannt,
  ist  so  groß  #.  Seidenspinner.  Matürliche  Größe.)  88.  Cocon.

wie  ein  Taubenei

und  gelblichweiß.  Nach  3  Wochen  ist  der  Schmetterling  entwickelt,  erweicht
durch  einen  scharfen  Saft  den  Cocon  und  arbeitet  sich  ins  Freie.  Doch  so  weit
läßt  man  es  nicht  kommen,  weil  sonst  die  Seide  zerstört  würde.  Nur  eine  Anzahl
  Schmetterlinge,  die  zum  Eierlegen  bestimmt  sind,  läßt  man  ausschlüpfen,
die  übrigen  tötet  man  in  einem  heißen  Backofen.  Die  Cocons  bestehen  aus  der
äußeren  lockeren  Florettseide,  der  darunter  liegenden  feinen  Seide  und  der
inneren  geleimten  Seidenwatte.  Die  Cocons  werden  in  heißes  Wasser  geworfen
  und  mit  kleinen  Besen  gepeitscht.  Die  feine  Seide  wird  mit  einer  Haspel
abgewunden;  an  einem  Pfunde  müssen  3000  Raupen  spinnen.  Zu  einem
seidenen  Kleide  sind  mindestens  12000  Cocons  nötig.  Ein  Schmetterling  legt
im  Juli  bis  500  Eier  wie  Stecknadelköpfe.  Aus  den  zarten,  festen  Fäden
werden  Tücher  und  Kleiderstoffe  in  den  schönsten  Farben  verfertigt.

Aufgaben:  Welche  Naturerzeugnisse  kommen  aus  Asien  zu  uns?  Wie  werden  Reis,
Baumwolle,  Sago,  Kaffee,  Thee,  Seide,  Pfeffer,  Zimt,  Gewürze  gewonnen?
Naturlehre:  Der  Kompaß  als  Führer  durch  Meere  und  Wüsten.  Magnetismus.

XIII.  Amerikanisches  Tandschaftsbild.  (Im  Februar.)

Wir  versetzen  uns  in  ein  Flußthal  am  Ostfuß  der  Anden.  Westlich  ist
das  Gebirge,  östlich  eine  mit  Urwald  bedeckte  Ebene.  An  Kakaobäumen
rankt  sich  die  Vanille  empor.  An  den  Verghängen  wachsen  Kautschuk-,
Mahagoni=  und  Chinarindenbäume.  Um  den  Ast  eines  Mahagonibaumes
schlingt  sich  eine  Riesenschlange  und  wartet  auf  Beute,  vielleicht  auf  ein
junges  Lama  oder  einen  Brüllaffen.  Im  Gebüsch  lauert  gleichfalls  auf
Beute  der  Jaguar.  In  der  Luft  zieht  der  Kondor  seine  Kreise.  Unter  Laub
und  Wurzeln  verbirgt  Sh  die  gisti  e  Klapperschlange.  Durch  das  Gebüsch
huschen  wie  fliegende  Blumen  die  schillernden  Kolibri.

93.  Amerikanische  Gewächse.

Die  Chinarindenbäume  auf  den  Anden  Süd-Amerikas  liefern  die  heilkrüftige
  Fieberrinde.  Alle  zeigen  schlanken  Wuchs,  immergrüne,  lederartige
Blätter,  stattliche  und  wohlriechende  Blütenrispen  und  vielsamige  Kapseln  mit
geflügelten  Samen.  Sie  lieben  Sonnenschein,  Regenschauer,  Nebel  und  Sturm
im  Wechsel,  wie  sie's  in  den  Urwäldern  auf  den  Andenhöhen  finden.  Die  Rinde
unter  der  rauhen  Borke  wird  von  Stämmen,  Asten,  Zweigen  und  Wurzeln  abgeschält,
  über  Feuer  getrocknet  und  als  kostbares  Arzneimittel  in  den  Handel  gebracht.
  Der  Name  hat  nichts  mit  dem  Lande  China  zu  thun,  sondern  bedeutet
in  der  Inkasprache  Rinde  und  erinnert  an  die  Gräfin  von  Chinchon,  die  Gemahlin
  des  Vicekönigs  von  Pern,  die  durch  die  Chinarinde  vom  Wechselfieber  geheilt
  wurde  und  das  Heilmittel  in  Ruf  brachte.

Die  Vanille  ist  ein  strauchartiges  Orchisgewächs,  das  besonders  in  den
feuchtwarmen  Wäldern  des  östlichen  Mexikos  als  Schmarotzer  mittelst  seiner
Luftwurzeln  an  den  Bäumen  hoch  hinauf  klettert.  Der  Stamm  ist  grün  und

Polack,  Naturbeschreibung  und  Naturlehre.  6