Full text : Illustriertes Realienbuch.

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den  sechs  staufischen  Kaisern  (1137—1254)  brach  für  deutsche  Sitte,  Poesie,
Baukunst  und  Bildung  die  schönste  Zeit  an.

Der  erste  Staufer  war  Konrad  III.  Bei  der  Belagerung  von  Weinsberg
  kam  zwischen  päpstlich  und  kaiserlich  Gesinnten  das  Feldgeschrei:  „Hie
Welf,  hie  Waibling  (Ghibelline)“  auf;  die  treuen  Weiber  sollen  als  ihr
„bestes  Gut“  ihre  Männer  vor  dem  Zorne  des  Kaisers  gerettet,  und  Konrad
soll  das  Wort  gesprochen  haben:  „Ein  Kaiser  muß  Wort  halten,  und  eines
Kaisers  Wort  soll  man  nicht  drehen  und  deuteln!“

2.  Der  edle  Staufer  Friedrich  I.  Wegen  seines
rötlichen  Bartes  nannten  ihn  die  Italiener  Barbarossa.
Seine  Gestalt  war  mittelgroß,  wohlgebildet  und  von
edler  Haltung,  das  Haar  blond,  die  Haut  weiß,  die
Wange  rot,  das  Auge  blau  und  heiter,  jedoch  im
Zorne  flammengleich.  Er  war  in  allen  ritterlichen
Künsten  Meister  und  noch  im  Alter  gewandt  und
kräftig  wie  ein  Jüngling.  Sein  Geist  war  gebildet,
sein  Urteil  scharf,  sein  Gedächtnis  untrüglich.  Gegen
Feinde  war  er  streng,  gegen  Reuige  versöhnlich,  gegen;  1.
Hilfsbedürftige  mild  und  wohlthätig,  gegen  alle  ge  —
recht.  Das  Streben  seines  Lebens  war  auf  die  Wieder.

  

herstellung  der  vollen  Kaisergewalt  gerichtet.  —2  5ß644  +l
3.  Seine  Züge  nach  Italien.  Nachdem  Fridmde  5%
rich  in  Deutschland  Ordnung  geschafft,  viele  Raubo..e.
burgen  gebrochen  und  selbst  fürstliche  Räuber  durb.l#
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die  Strafe  des  „Hundetragens“  beschimpft  hatte,  ogg
er  nach  Italien,  um  dort  die  reichen,  unabhängigen.  .
Städte,  voran  das  hochmütige  Mailand,  seiner  Bot=  17  öriedrich  Barbaroffa.
mäßigkeit  zu  unterwerfen.  Nach  manchen  Wechselfällen  des  Glückes  wurde
Mailand  zerstört  und  die  trotzige  Bürgerschaft  gezwungen,  barfuß,  mit  Stricken
um  den  Hals,  Asche  auf  den  Häuptern  und  Kreuzen  in  den  Händen  am
Throne  des  Kaisers  Unterwerfung  zu  geloben.  Während  jedoch  Friedrich  in
Deutschland  seine  Regentenpflichten  übte,  wurde  Mailand  wieder  aufgebaut
und  unter  Leitung  des  klugen  und  streitkundigen  Papstes  Alexander  III.  ein
großer  Städtebund  gegen  ihn  zustande  gebracht.  Friedrich  eilte  mit  Kriegsmacht
  nach  Italien.  Da  versagte  sein  Jugendfreund,  der  übermächtige  Welfe
Herzog  Heinrich  der  Löwe,  seine  Hilfe,  „weil  er  den  Bann  fürchte  und  die
Gebrechen  des  Alters  spüre“.  Friedrich  bat  und  beschwor  ihn,  seine  Ehre
und  des  Reiches  Heil  zu  bedenken,  ja  er  soll  vor  ihm  auf  die  Kniee  gefallen
sein,  aber  Heinrich  blieb  unbewegt.  Die  edle  Kaiserin  Beatrix  soll  ihren
Gemahl  aufgehoben  und  gesagt  haben:  „Stehet  auf,  lieber  Herr,  und  gedenket
dieses  Tages  und  dieses  Hochmutes,  und  Gott  wird  euch  helfen!“  Als  der  Welfe
mit  seinen  Scharen  dem  Reichsheere  fehlte,  gelang  es  der  todesmutigen  Tapferkeit
  der  Städter,  das  geschwächte  Heer  des  Kaisers  bei  Legnano  gänzlich  zu  besiegen
  (1176).  Sogar  der  Kaiser  stürzte  mit  seinem  Rosse  und  verschwand  im
Getümmel.  Erst  nach  vier  Tagen,  als  die  Kaiserin  schon  Trauerkleider  angelegt
hatte,  erschien  er,  wie  durch  ein  Wunder  gerettet,  bei  den  Seinen.  Hierauf  wurde
in  Venedig  Waffenstillstand  und  später  Frieden  geschlossen,  worin  zwar  des
Kaisers  Oberhoheit  anerkannt,  den  Städtern  aber  ihre  Freiheiten  gelassen  wurden.
Dem  Papste  Alexander  hielt  Friedrich  den  Steigbügel  und  küßte  seine  Füße.
4.  Bestrafung  des  Ungetreuen.  Durch  den  Spruch  der  Reichsfürsten
wurde  Heinrich  der  Löwe  nach  viermaliger  Vorladung  in  die  Acht  gethan
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