Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1895. (86)

Bayern  unter  Maximilian  III  Joseph.  307

Truppen  in  die  Oberpfalz  den  Bewohnern  dieses  Gebietesgeschlagen
  hatte.  Nach  dem  kinderlosen  Hinsterben  des  Herzogs
Clemens  Franz  de  Paula  (16.  August  1770),  Geschwisterkindes
  Max  III,  erbte  dieser  des  Erblassers  Güter  in  Böhmen,
darunter  die  Besitzung  Reichstadt,  welche  dem  Herzog  Clemens
von  seiner  Großmutter  mütterlicher  Seits,  Anna  Maria,  Prinzessin
  von  Sachsen-Lauenburg,  angefallen  waren  (Max  III  vermachte
  diese  Güter  bei  seinem  Tode  dem  Herzoge  Karl  von
Zweibrücken,  von  dem  sie  an  seinen  Bruder  Mar  Joseph
und  später  an  Oesterreich  übergingen  und  dem  Sohne  des
Kaisers  Napoleon  den  Titel  eines  „Herzogs  von  Reichstadt“  gaben).

Da  Max  III  von  seiner  Gemahlin  Maria  Anna  Sophie
keine  Kinder  erhalten  und  alle  Kinder  des  Herzogs  Clemens
Franz  de  Paula  vor  ihrem  Vater  gestorben  waren,  so  erneuerte
  Max  III  zur  Verhütung  eines  bayerischen  Erbfolgestreites
mit  den  pfälzischen  Wittelsbachern  (1766,  1771  und  1774)
die  schon  längst  bestehenden  Verträge  bezüglich  deren  Nachfolge
im  Kurfürstenthum  Bayern,  setzte  aber  dabei  ausdrücklich
in  einer  Klausel  fest,  daß  München  die  Haupt=  und  Residenzstadt
  der  gesammten  Wittelsbachischen  Erblande  sein  solle
und  daß  in  derselben  der  jeweilige  Kurfürst  seinen  Hof  zu  halten
habe.  Großen  Antheil  an  der  Erneuerung  dieser  Verträge  hatte
die  Herzogin  Maria  Anna  Charlotte,  des  Herzogs  Clemens
Franz  de  Paula  Wittwe,  eine  Tochter  des  Pfalzgrafen  Joseph
Karl  von  Pfalz-Sulzbach,  deren  Schwester  Elisabeth  Auguste
an  den  Kurfürsten  Karl  Theodor  von  der  Pfalz-Sulzbach
vermählt  war.

Die  Verhandlungen  mit  Karl  Theodor  von  der  Pfalz
über  die  Erbfolge  in  Bayern  waren  noch  in  vollem  Gange,  da
erkrankte  plötzlich  der  Kurfürst  Maximilian  III  Joseph.
Der  Leibarzt  Sänftel  hielt  dafür,  daß  der  Kurfürst  von  den
Rötheln  (Masern)  befallen  sei,  während  andere  Aerzte  erklärten,
daß  er  an  den  Kinderpocken  darniederliege.  Die  Meinung  der
Letzteren  fand  bald  ihre  Bestätigung.  Die  Lage  des  Kranken
wurde  täglich  mißlicher  und  nach  drei  leidensvollen  Wochen  verschied
  der  Kurfürst  am  30.  Dezember  1777  im  51.  Jahre  seines
Lebens.  (Die  drei  Siebner,  1727  Geburts-,  1747  Vermählungsund
  1777  Todesjahr.)  Der  am  Sterbebette  anwesende  Kanzler

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