Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1914 (1)

770  Nr.  144.  1914.

Mannschaften,  welche  infolge  der  kriegerischen  Ereignisse  nicht  mehr  in  der
Lage  waren,  in  die  Heimat  zurückzukehren,  sind  im  Falle  der  Bedürftigkeit
Unterstützungen  zu  gewähren,  sofern  glaubhaft  gemacht  wird,  daß  sie  als  Gefangene
  im  feindlichen  Auslande  zurückgehalten  werden,  wobei  kein  Unterschied
zu  machen  ist,  ob  sie  vom  Feinde  als  Kriegsgefangene  oder  Zivilgefangene
behandelt  werden.

Das  gleiche  gilt  bezüglich  solcher  Mannschaften,  von  denen  glaubhaft
gemacht  wird,  daß  sie  im  Ausland  bei  einem  Marine=  oder  Truppenteile  zur
Einstellung  gelangt  sind.

3.  Gemäß  §  10  Abs.  5  des  Reichsgesetzes  vom  28.  Februar  1888  werden
die  Unterstützungen,  falls  der  in  den  Dienst  Eingetretene  vor  seiner  Rückkehr
verstirbt  oder  vermißt  wird,  solange  gewährt,  bis  die  Formation,  welcher  er
angehört,  auf  den  Friedensfuß  zurückgeführt  oder  aufgelöst  wird,  insoweit  jedoch
den  Hinterbliebenen  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  17.  Mai  1907  Bewilligungen
gewährt  werden,  fallen  die  durch  das  Gesetz  geregelten  Unterstützungen  fort.
Diese  Bestimmung  ist  so  auszulegen,  daß  zwischen  dem  Fortfall  der  Familienunterstützung
  und  dem  wirklichen  Bezuge  der  Hinterbliebenenrente  eine  Unterbrechung
  nicht  eintreten  soll.

Das  gleiche  gilt,  wenn  der  in  den  Dienst  Eingetretene  infolge  einer
Verwundung  oder  Krankheit  als  felddienst-  oder  garnisondienstunfähig  zur
Entlassung  kommt  und  ihm  eine  Kriegsinvalidenrente  zugesprochen  wird.

Schwerin,  den  28.  Dezember  1914.

Großherzoglich  Mecklenburgisches  Ministerium  des  Innern.
L.  v.  Meerheimb.