Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1915 (2)

106  Nr.  19.  1915.

Bekanntmachung,
betreffend

Prüfung  von  Kandidaten  der  Medizin,  Zahnheilkunde,  Tierheilkunde  und
Pharmazie.

Auf  Grund  des  5  29  der  Gewerbeordnung  hat  der  Bundesrat  beschlossen:

1.  Die  nach  den  Beschlüssen  vom  6.  August  1914  —  Zentralblatt  für  das  Deutsche
  Reich  S.  461  —  den  ärztlichen,  zahnärztlichen,  tierärztlichen  und  pharmazeutischen
  Prüfungskommissionen  erteilte  Ermächtigung,  Kandidaten  der
Medizin,  der  Zahnheilkunde,  der  Tierheilkunde  und  der  Pharmazie,  die
sich  zu  den  Prüfungen  melden,  zu  einer  Notprüfung  zuzulassen,  wird  aufehoben.



*  Ausnahmsweise  können  Kandidaten,  die  bereits  mit  Ablauf  des
Sommerhalbjahrs  1914  die  Zulassungsbedingungen  erfüllt  haben,  vom
Reichskanzler  im  Einvernehmen  mit  der  zuständigen  Landeszentralbehörde
zu  einer  Notprüfung  nach  Maßgabe  der  bisherigen  Bestimmungen  zugelassen
werden,  falls  sie  durch  besondere  aus  der  Kriegslage  sich  ergebende  Umstände
an  der  rechtzeitigen  Ablegung  dieser  Prüfung  verhindert  worden  sind.

2.  Kandidaten  der  Medizin,  die  mit  Ablauf  des  Winterhalbjahrs.  1914/15  alle
Zulassungsbedingungen  erfüllt  haben,  können  zu  einer  außerordentlichen
ärztlichen  Prüfung  (Kriegsprüfung)  zugelassen  werden.  Vor  der  Zulassung
hat  der  Kandidat  den  Nachweis  zu  erbringen,  daß  er  im  Falle  des  Bestehens
der  Prüfung  von  der  Militärverwaltung  oder  von  einer  Landeszentralbehörde
  zur  Leistung  ärztlicher  Dienste  angenommen  ist  und  diesen  Stellen
für  die  Dauer  des  Krieges  zur  Verfügung  steht.

Im  übrigen  gelten  für  die  Ablegung  der  Prüfung  die  in  der  Anlage
beigefügten  „Bestimmungen  über  eine  außerordentliche  ärztliche  Prüfung
(Kriegsprüfung)“.

Berlin,  den  28.  Januar  1915.

 

Der  Stellvertreter  des  Reichskanzlers.
Delbrück.

 

Bestimmungen  über  eine  außerordentliche  ärztliche  Prüfung  (Kriegsprüfung).

Die  außerordentliche  ärztliche  Prüfung  (Kriegsprüfung)  soll  alle  Abschnitte  der
Prüfungsordnung  für  Arzte  vom  28.  Mai  1901  (§  28)  umfassen.  Die  Prüfungskommission
  wird  von  der  Landeszentralbehörde  nach  Anhörung  der  Medizinischen  Fakultät