Full text : Europäischer Geschichtskalender. Erster Jahrgang. 1860. (1)

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an,  die  Verfassung  von  1852  sei  in  ihrer  jetzigen  Form  nicht  zu  garantiren,
vielmehr  forderten  die  Ständeanträge  wegen  der  Verfassung  von  1831  Be—
achtung:  die  Garantie  für  die  nicht  von  den  Ständen  genehmigten  Bestimmungen
  sei  auszusetzen.  Preußen  behält  sich  sein  Votum  vor.

I.  März.  Der  Antrag  der  vereinigten  Ausschüsse  vom  18.  Februar,  betreffend

Holstein,  wird  vom  Bundestag  mit  allen  Stimmen  gegen  Holstein  und
Luxemburg  angenommen.

März.  Die  Ständeversammlung  von  Schleswig  lehnt  eine  von  der  Minderheit
vorgeschlagene  Loyalitätsadresse  an  den  König  mit  28  gegen  12  Stimmen  ab.

März.  Versammlung  des  Ausschusses  des  Nationalvereins  in  Berlin.
Großes  Bankett  zu  Ehren  desselben.

März.  Oeffentliche  Erklärung  des  Ausschusses  des  Nationalvereins  bezüglich
  der  italienischen  Bewegung  und  der  Savoyerfrage:

„...  Millionen  Deutsche  sind  der  nationalen  Bewegung  in  Italien  mit
warmer  Theilnahme  gefolgt.  Aber  diese  Theilnahme  an  den  Geschicken
Italiens,  von  gleichem  Bedürfniß  und  gleichem  Interesse  getragen,  gerieth  in
Widerspruch  mit  ernsten  politischen  Erwägungen  anderer  Art.  Die
italienische  Bewegung  stützt  sich  auf  einen  Bundesgenossen,  dessen  Haltung
ganz  Europa  und  in  erster  Linie  Deutschland  mit  unüberwindlichem  Mißtrauen
  erfüllt.  Daß  Italien  dieses  Bündniß  nicht  zurückwies,  das  einzige,
welches  sich  ihm  darbot,  ist  begreiflich:  nur  eine  energisch  liberale  Politik
  der  deutschen  Mächte,  die  auf  jedes  gerechte  Begehren  rückhaltlos
  einging,  konnte  Italien  den  Umschlingungen  der  französischen
Allianz  entziehen..  Italien  hat  den  Kaufpreis  des  französischen  Bedürfnisses
  kennen  gelernt.  Die  Auslieferung  der  westlichen  Alpenpässe  an
Frankreich  ist  eine  Bürgschaft  für  das  Uebergewicht  des  französischen  Einflusses
in  Ilalien.  Die  erste  Gebietserweiterung  des  französischen  Kaiserstaats  ist  ein
erster  Angriff  auf  das  Gleichgewicht  der  Machtverhältnisse.  Das  Vordringen
französischer  Herrschaft  an  die  Ufer  des  Genfersees  bedroht  überdies  die  Integrität
  der  Schweiz,  die  nicht  ohne  den  triftigsten  Grund  Europa  unter
seinen  Schutz  genommen  hat.  Keinen  Quadratschuh  Landes  sollte  Frankreich
  —  im  Besitz  jener  deutschen  Provinzen,  deren  gewaltsame  Aneignung
die  militärischen  und  ökonomischen  Kräfte  dieses  Staats  zu  ihrem  heutigen
Umfang  gesteigert  hat  —  fernerhin  auf  europäischem  Boden  gewinnen
Wir  wissen  nicht,  wie  viel  oder  wie  wenig  es  dem  französischen  Kaiser  Ernst
sein  mag  mit  dem  Gedanken,  zur  Befriedigung  seines  Ehrgeizes  und  zur
Befestigung  seiner  Dynastie  ein  solches  Spiel  um  den  höchsten  Einsatz  zu
wagen.  Aber  diese  Ungewißheit  darf  uns  Deutschen  kein  Hinderniß  sein,
gegenüber  der  Andeutung  des  französischen  Gedankens  allerwärts  und
bei  jedem  Anlaß  den  deutschen  Gedanken  in  klare  und  unzweideutige
Worte  zu  fassen:  die  Abtretung  Savoyens,  jede  Gebietserweiterung  Frankreichs
  ist  ein  die  deutschen  Interessen  gefährdender  Akt,  dessen  Vollzug  zu
hindern  unter  die  Aufgaben  einer  nationalen  Politik  gehört.  Ferner:
jedes  Attentat  auf  deutsches  Gebiet  wird  dem  Widerstand  einer  Nation  begegnen,
  die  einmüthig  gesonnen  ist,  mit  dem  letzten  Blutstropfen  für  ihr
Recht  und  ihre  Ehre  einzustehen.  Keine  Spekulation  auf  dynastische  Verblendung
  noch  auf  die  Spaltung  der  politischen  Parteien  wird  hier  gelingen;
ja  man  soll  wissen,  falls  man  in  Frankreich  es  noch  nicht  weiß,  daß  Tausende
  bei  uns  den  Moment  eines  solchen  Angriffs  als  den  wirksamsten
  Zauber  zur  Schlichtung  des  innern  Haders,  zur  endlichen  Lösung
der  deutschen  Verfassungsnoth  fast  ungeduldig  herbeisehnen“.

März.  Die  Ständeversammlung  von  Schleswig  nimmt  mit  29  gegen  12
Stimmen  den  Antrag  der  mittelschleswig'schen  Abgeordneten  gegen  die  Sprachrescripte
  an.  Der  kgl.  Commissär  erklärt  dagegen  wiederholt,  das  Streben
der  Majorität,  eine  Veränderung  der  Sprachrescripte  herbeizuführen,  werde
durchaus  erfolglos  sein.