Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1916 (3)

JNr.  143.  1916.  885

Id.  Nr.  118  051.  Nr.  2125.  10.  9.  16.
Bekanntmachung.

Auf  Grund  des  Gesetzes  über  den  Belagerungszustand  vom  4.  Juni  1851  in  Verbindung
  mit  dem  Gesetze  vom  11.  Dezember  1915  wird  hiermit  im  Interesse  der  öffentlichen
  Sicherheit  folgendes  verordnet:

1  Für  folgende  Gebiete  oder  Orte  im  Bezirke  des  IX.  Armeekorps  gelten  die
unter  den  Nummern  2  bis  6  aufgeführten  Beschränkungen  für  den  inländischen  Post-,
Telegraphen=  und  Fernsprechverkehr:

a)  Von  Schleswig  das  Gebiet  nördlich  der  Eisenbahnstrecke  Tondern—
Tingles—Sonderburg  einschließlich  der  Insel  Alsen  und  der  Nebenstrecke
bis  Schelde  und  der  an  diesen  Strecken  liegenden  Orte,  ferner  das  Gebier
westlich  und  nördlich  der  Strecke  Tondern—MNiebüll—  Dagebüll  einschließlich
  der  an  dieser  Strecke  gelegenen  Orte  und  die  Inseln  Röm,  Sylt,  Föhr
und  Amrum.

b)  Von  Mecklenburg  das  Gebiet  nördlich  der  Eisenbahnstrecke  Wismar
  —  Doberan  —Rostock—  Ribnitz  einschließlich  der  an  dieser
Strecke  liegenden  Orte,  sowie  die  Orte  an  den  Eisenbahnstrecken  Rostock
—  Sülze  (ausschl.),  Rostock—Laage  (ausschl.)  und  Rostock  —
Bützow  (ausschl.).

2.  Alle  aus  diesen  genannten  Gebieten  oder  Orten  ausgehenden  Briefe  des
inneren  deutschen  Verkehrs  müssen  offen  aufgeliefert  werden.  Diese  Briefe  dürfen
nur  in  deutscher,  dänischer,  schwedischer  oder  norwegischer  Sprache  gehalten  sein.  Verschlossene
  Sendungen  oder  solche  in  unzulässiger  Sprache  werden  nicht  befördert,  sondern
  den  Absendern  zurückgegeben  oder,  wenn  diese  nicht  bekannt  sind,  nach  den  Vorschriften
  für  unbestellbare  Sendungen  behandelt.

Verschlossen  dürfen  nur  aufgeliefert  werden:

a)  die  Postsendungen  der  regierenden  Bundesfürsten  und  der  Mitglieder  ihrer
Familien,  sowie  der  Mitglieder  der  fürstlichen  Familie  Hohenzollern;

b)  die  von  Militär-,  Marine-,  Reichs-,  Staats-,  Provinzial-,  Kreis=  und  städtischen
  Behörden  aufgegebenen  und  mit  Dienststempel  verschlossenen  Briefe;

c)  die  Postsendungen  der  im  Deutschen  Reiche  bestehenden  Botschaften,  Gesandtschaften
  und  Ministerresidenturen  nichtfeindlicher  Mächte;

4)  Briefe  nach  dem  Orts=  oder  Landbestellbezirk  der  Aufgabepostanstalt.

Die  Sendungen  zu  a  bis  c  müssen  äußerlich  durch  das  Siegel  der  absendenden
Stelle  kenntlich  sein.

3.  Verboten  sind  private  Briefe  in  geheimer  Schreibart  (Stenographie,  Blindenschrift,
  verabredeter  Sprache  zla  ferner  solche  über  Rüstungen,  Truppen=  oder  Schiffsbewegungen
  und  andere  militärische  Maßnahmen  und  Einrichtungen.

Werlbriefe  sowie  Postaufträge  sind  entweder  bei  den  Überwachungskommissionen

  oder  bei  den  Postämtern  offen  aufzuliefern.  Sie  werden  nach  Prüfung  mit  dem
Siegelabdruck  des  Absenders  verschlossen  weiterbefördert.  Die  bei  den  Postämtern  auf-