Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1916 (3)

Nr.  150.  1916.  917

bezw.  dem  Kommissar  des  ritterschaftlichen  Bezirks  Anzeige  zu  erstatten.  Die
Ortsobrigkeit  bezw.  der  Kommissar  hat  die  Tiere  vorläufig  zu  beschlagnahmen
und  für  ihre  Unterbringung  zu  sorgen  Der  Eigentümer  hat  die  beschlagnahmten
  Tiere  auf  Verlangen  der  Ortsobrigkeit  bezw.  dem  Kommissar  käuflich
  zu  überlassen.  Die  Ortsobrigkeiten  bezw.  Kommissare  haben  sich  bei  Verwertung
  der  Tiere  der  Kreisvertrauensmä  zu  bedienen.

Fleisch  von  Schlachttieren,  die  ohne  Vorlage  und  Abgabe  des  Schlachtscheines
  an  den  Fleischbeschauer  oder  von  unberechtigten  Personen  geschlachtet
sind,  ist  nach  Bestimmung  der  Kreisbehörde  für  Volksernährung  zugunsten  der
Gemeinde  oder  des  Kommunalverbandes  des  Schlachtortes  einzuziehen,  ein
Entgelt  ist  hierfür  nicht  zu  bezahlen.

Die  Bestimmungen  gelten  auch  bei  Schlachtungen,  die  im  Auftrage  der
Heeresverwaltung  vorgenommen  werden.  Die  Ausstellung  des  Schlachtscheines
für  solche  Schlachtungen  erfolgt  nach  Anweisung  des  Königlich  Preußischen
Kriegsministeriums  von  der  für  den  Schlachtort  zuständigen  militärischen
Dienststekle.  Auch  diese  Schlachtscheine  sind  von  dem  Fleischbeschauer  mit  den
erforderlichen  Gewichtsangaben  zu  versehen  und  an  die  für  den  Schlachtort  zuihige
  Ortsobrigkeit  bezw.  den  Kommissar  des  ritterschaftlichen  Bezirks  einzusenden.


 

III.  Vertrieb  des  Fleisches.

3.

Für  eine  planmäßige  Bewirtschaftung  des  zur  Schlachtung  zugewiesenen
Viehs  ist  zu  sorgen.  Das  bei  den  Schlachtungen  gewonnene  Fleisch  und  Fett
haben  die  Gemeindevorstände,  soweit  es  nicht  für  die  Massenspeisung  oder  zur
Versorgung  der  Gast=  und  Schankwirtschaften,  Kantinen  usw.  verwendet  wird,
entweder  in  eigener  Regie  in  Fleischhallen  und  besonderen  Läden  zum  Verkauf
zu  stellen  oder  in  angemessen  verteilten  Mengen  den  Ladenfleischern  unmittelbar
zur  Abgabe  an  den  Verbraucher  zu  überweisen.  Im  letzteren  Falle  sind  im  allgemeinen
  nur  Fleischer,  die  das  Gewerbe  bereits  in  Friedenszeiten  betrieben
haben,  zu  berücksichtigen.  Die  Zahl  der  zuziehenden  Fleischer  ist  so  zu  begrenzen,
daß  eine  genügende  Überwachung  möglich  und  eine  wirtschaftliche  Behandlung
der  verfügbaren  geringen  Fleischmengen  gesichert  bleibt.  Fleischer,  denen  nicht
ausreichende  Kühleinrichtungen  zur  Verfügung  stehen,  um  das  Fleisch  auch  in  der
warmen  Jahreszeit  vor  dem  Verderben  bewahren  zu  können,  sind  in  der  Regel
an  dem  Vertrieb  des  Fleisches  nicht  zu  beteiligen.  Der  Geschäftsbetrieb  der
Fleischer  ist  von  den  Gemeindevorständen  streng  zu  überwachen.  Bei  Verstößen

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