Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1917 (4)

488  Nr.  69.  1917.

(4)  Bekanntmachung  vom  16.  April  1917,  betreffend  den  vaterländischen  Hilfsdienst
  der  Schüler  höherer  Lehranstalten.

Betreffend  die  Ausführung  des  Gesetzes  über  den  vaterländischen  Hilfsdienst  vom
5.  Dezember  1916  (RGBl.  Nr.  276)  wird  in  bezug  auf  die  Schüler  hierdurch
folgendes  bestimmt:

1.  Die  Meldungen  der  Schüler  für  den  vaterländischen  Hilfsdienst  sind  nach
einer  Anordnung  des  Kriegsamtes  nur  bei  den  Direktoren  der  höheren  Lehranstalten
  anzubringen,  die  sich  dabei  gleichzeitig  über  Zweckmäßigkeit  und  Art
der  Verwendung  äußern.  Diese  Meldungen  sind  in  einer  Liste  zu  sammeln.
Im  übrigen  haben  die  Direktoren  die  Mitteilungen  des  stellvertretenden  Generalkommandos
  abzuwarten.  «

2.  Diejenigen  Schüler  der  höheren  Lehranstalten,  welche  durch  Vermittelung
  ihrer  Direktoren  in  den  vaterländischen  Hilfsdienst  eintreten,  werden  zunächst
  ohne  Zeugnis  beurlaubt.  Sie  erhalten  die  Versetzung  in  die  nächsthöhere
Klasse  zu  demselben  Zeitpunkt  wie  bei  weiterem  Besuch  der  Anstalt,  wenn  bei
ihrem  Austritt  mit  Wahrscheinlichkeit  zu  erwarten  war,  daß  sie  die  Versetzung
erreichen  würden,  jedoch  unter  der  Voraussetzung,  daß  sie  nachweislich  bis  zu
diesem  Zeitpunkt  im  vaterländischen  Hilfsdienst  verblieben  sind.  Scheiden  sie
vorher  aus  dem  vaterländischen  Hilfsdienst  aus  und  kehren  sie  zur  Schule  zurück,
so  ist  bei  ihrer  Versetzung  auf  die  besonderen  Umstände  gebührend  Rücksicht  zu
nehmen.  Denjenigen  dieser  Schüler,  welche  nach  Obersekunda  versetzt  werden,
ist  das  Zeugnis  über  die  wissenschaftliche  Befähigung  zum  einjährig-  freiwilligen
Dienst  zugleich  mit  dem  Versetzungszeugnis  auszustellen,  auch  wenn  sie  der
Untersekunda  weniger  als  ein.  Jahr  angehört  haben.

3.  Die  Schüler,  welche  die  regelrechte  Versetzung  nach  Oberprima  erreicht
haben,  sind  vor  Eintritt  in  den  vaterländischen  Hilfsdienst  zur  Notreifeprüfung
äuzulassen.  Sie  erhalten  das  Reifezeugnis  erst  zu  dem  Zeitpunkt,  zu  dem  sie  bei
weiterem  Besuch  der  Anstalt  die  Prüfung  abgelegt  haben  würden'unter  der  Voraussetzung,
  daß  sie  nachweislich  bis  dahin  im  vaterländischen  Hilfsdienst  geblieben
  sind.  Anderenfalls  müssen  sie  zur  Schule  zurückkehren,  und  die  regelmäßige
  Reifeprüfung  ablegen.  Auch  hierbei  ist  auf  die  besonderen  Umstände
Rücksicht  zu  nehmen.

Schwerin,  16.  April  1917.

Großherzoglich  Mecklenburgisches  Minitsterium,  Abteilung  für

Unterrichtsangelegenheiten.
Langfeld.