Volltext : Großherzoglich Sachsen Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt aufs Jahr 1817. (1)

nalgesesbuches,  füc  nothwemdig  anerkennen.  Auch  erscheint
  den  getreuen  Ständen  der?  ihnen  durch  das
höchste  Decret  vom  7.  dieses  Monats  zugekommene,
Plan  über  die  Einrichtung  einer  Festungsanstalt,  auf
dem  Schlosse  zu  Kreuzburg  ganz  angemessen.  Dagegen
  können  sse  sich  nicht  von  der  Nothwendigkeit  überzeugen,
  daß,  neben  jenen  drei  Anstalten,  noch  eine  desendere
  Anstalt  lediglich  zu  polizeilichen  ZJwecken,  und
inebesondere  zu  Abdüßung  polizeilich  r  Vergehen  eingerichtet
  werde;  sie  glauben  vielmehr  barauf  antragen  zu
mussen,  daß  für  das  gesammte  Grosherzogthum,  nebey
  der  Festungsanstalt  zu  Kreuzburg,  nur  Ein  Zuchthaus
  für  die  schweren  Verbrecher  und  ein  Strafarbeitshaus
  beslehe.

Nach  dem  zuleht  mitgetheilten  Mane,  wird  als
Strafarbeitshaus  das  Juchthaus  zu  Eisenach  sehr  gut
eingerichtet  werden  können,  und  dem  Bedücfnisse  für
bas  ganze  Grosherzogthum  entsprechen,  indem  es  kür
6  bis  80  Köpfe  eingerichtet  werden  kann.  Es  bleidt
sonach  nur  noch  zu  bestimmen  ubrig,  wo  das  für  das
sesammte  Grosherzogthum  gemeinschaftliche  Zuchthaus
Eingerichtet  werden  soll.

Obgleich  dae  Schlot  zu  Vlankenhain  an  sich  zu  einer
  solchen  Anstalt  sehr  passend  erscheinen  mag,  so
würde  doch  die  Verlegung  des  Zuchthauses  von  hier  nach
Vlankenhapn  mit  einem  zu  großen  Kostenaufwande  verbunden
  seyn,  um  dieselbe  nicht  von  der  unrermeidlichen
Nothwendigkeit  abhängis  zu  machen.  Eine  solche  Nothwendigkeit
  scheint  hier  nicht  einzutreten,  auch  solltewobl
  das  hier  in  Weimar  schon  eingerichtete  Local,
nicht  ganz  unbenutt  gelassen  werden.  Ueberdieß  hat  dle
Verlegung  des  hiesigen  Zuchthauses  nach  Blankenhain
den  getreuen  Ständen  um  deswillen  bedenklich  geschienen,
  weil.  die  allgemeine  Sicherheit  dadurch  geföhrdet
werden  könnte.  In  Weimar  stehen  mehrere  und  kräftigere
  Mittel  zu  Gebote,  um  einem,  unter  den  schwerern
  Verbrechern  entstehenden-Complott  zu  begesnen,
und  die  Entsprungenen  zu  versolgen,  als  in  Blankenhain
  ,  ja  es  würbe  die  Lage  dieses  Ortes  durch  die  angrenzenden
  Waldungen,  und  durch  die  Nähe  verschiedermr
  fremder  Territorien  die  Habhaftwerdung  der  entsprungenen

  Verbrecher  sehr  erschweren,  oft  unmöglich-Auch
  moöchte  sich  zu  einer  zweckmiáßigen  Bemachen.


schäftigung  der  Verbrecher  in  Blankendain  weniger  Geugenheit
  sinden,  als  hier,  wo  sie  bei  der  Möglichkeit
zu  schnellen  und  wirksamen  Mitteln  der  Verfolgung
auf  den  Fall  des  Entspringens,  außer  dem  Hause  beschéftiget
  werden  können.

Wollee  man  die  Verbrecher  nur  im  Hause  beschaftigen
  so  würden  neue  kosilpielige  Einrichtungen  nothwendig
  werden.

Aus  biesen  Gründen,  umter  welchen  die  bedemende
Kostenersparniß  einer  der  wlchtigsten  bleidt,  hoffen  die
getreuen  Landstaͤnde,  daß  Ihro  Königl.  Hoheit  gerus

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ken  werden,  Vie  Juchthausanffalt  ferner  hier  besteben
#lassen,  und  zwar  als  solche  für  das  gesammte  Grosherzosthum,
  während  sämmtliche  geringere  Verbrecher,
so  wie  die  polizeilich  zu  detinirenden  Individuen  ausallen
  Theilen  des  Grosherzogthums,  in  das  Steafarbeitsbaus
  zu  Eisenach  gebracht  werden  müßten.

Erwäágt  man,  das  nach  den  in  Vorschlag  gebrachten
  Besitmmungen  des  neuen  Criminalgesihbuchs  die
eigentliche  Zuchthausstrafe  nicht  unter  acht  (sechs)  Jahren
  erkannt  werden  kann,  so  wird  sich  die  Jahl  der  hier
aufzunehmenden  Verbrecher  bedeutend  mindern,  und  das
hiesige  Zuchthaus  wird  zu  diesem  Zwecke  hinlänglichen
Raum  darbieten.

Hiernach  glauben  die  getreuen  Stände  die  Verwilli-Kungen
  zu  diesen,  verschiedenen  Anslallen  folgendermaßen
bestimmen  zu  können:  3600  Thlr.  zu  der  Einrichtung
der  Criminalgerichtsstelle  zu  Dermbach,  gooo  Thlr.  zu
der  Festungsanstalt  zu  Kreuzburg,  21400  Thlr.  zu.Erweiterung
  und  Einrichtung  des  Strafarbeitshauses  zu
Eisenach,  inel.,  des  anzuschaffenden  und  noch  nicht  in
Anschlag,  gebrachten  Mobtliars;  yooo  Thlr.  zur  Einrichtung
  des  Criminalgerichts  im  Neustädter  Kreise,  in
Summe  Funfzehntausend  Thaler,  welche  Summe  in
jedem  Falle  das  Aeußerste  ist,  was  die  Kräfte  der
Hauptlandschaftscasse  für  dieses  Jahr  erlauben,  und
wobei  vielleicht  in  Hinsicht  der  Einrichtung  im  Neustädter
  Kreise  noch  einige  Minderung  eintreten  könnte.

Die  getreuen  Landstände  10%

Weimar,  den  14.  März  1877.

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Beilage  V.

Se.  Konigl.  Hoheit.  der  Grosherzos  haben  aus  der
umterthänigsten  Erklärungsschrift  vom  14.  Mäcz  gern
ersehen,  daß  die  getreuen  Stände,  die  Nothwendigkeit
der  Einführung  einev,  den  Anforderungen  der  Zeit  entsprechenden,
  Strafgesegebung  und  die  Vorzäge  des
Ksnigs.  Beierschen  Strafgesebbuches  erkennend,  im
Allgemeinen  über  dessen  Annahme,  so  wie  über  die
Einrichtung  der  vavon  unzertrennlichen  Strafünstalten,
auch  über  die  Errichtung  zwei  neuer  Criminalzerichts--=stellen
  mit  Höchstihren  landesvterlichen  Absichten  eimstimmig
  sind.

Se.  Koͤnigl.  Hoheit  genehmigen  und  arceptiren  zus
gleich  die  zur  Ausfuͤhrung  dieser  Beschluͤsse  fuͤr  das  laufende
  Jahr  patriotisch  verwilligten  Summen,  wegen:
deren  zweckgemaͤßen  Verwendung  Hoͤchstdieselben  Verfügung
  tressen  lassen  werden.

Einverstanden,  daß  es  für  das  gesammte  Grosher".
zogthum  an  Einem  ZJuchthause  und  Einer  Anstalt  für
Festungsgefangene  genuge,  hegen  Se.  Königl.  Hoheier
jedoch  Zweisel,  ob  auch  nur  Ein  Stcafrbeitsdaus  för.
die  Berdrecher  geringeren  Grades  und  für  polizeiliche
Zwecke  auslängend  sep.  Die  Unannebmlschkeiten  und
Kosten  eines  10  bis  12  Meilen  weiten  Transports.