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Normales Kälberserum, intravenös oder intraperitoneal in Mengen von
80 bezw. 220 cem einverleibt, ließ den Verlauf der 4 Stunden später erfolgten Impfung
unberührt. Die entstandenen Pocken erreichten bei vollkommen normaler Entwickelung zur
Durchschnittszeit (spätestens am Ende des 5. Tages) ihre Reife.
Gewöhnliches Immunserum, subkutan in kleinen Mengen (75 cem) angewendet,
beeinflußte die 24 Stunden später vorgenommene Impfung nicht. Große Mengen (1020 cem)
nach und nach im Verlaufe mehrerer Tage beigebracht, gestalteten den Verlauf der 48
Stunden nach der letzten Einspritzung stattgehabten Impfung vollkommen abortiv. Der
letztere Versuch bestätigte die von den genannten französischen Forschern im Jahre 1896
veröffentlichten Erfahrungen.
Hochwertiges Immunserum, intravenös beigebracht, verzögerte bei 2 Kälbern
in der kleineren (50 cem) wie in der größeren Menge (100 cem) die 24 wie Zmal 24
Stunden nach der Einspritzung vorgenommene Impfung der Art, daß die Pocken die Höhe
ihrer Entwickelung erst nach nahezu 6 Tagen erreichten. Es machte dies in Anbetracht der
warmen Jahreszeit, während der die Versuche stattfanden, mindestens einen Tag aus. Denn
die durchschnittliche Reifezeit stellte sich im Jahre 1903 auf 5 /8 Tage und dabei waren
38 von den 44 zur Lymphegewinnung verwendeten Kälbern in der kälteren Jahreszeit
(Ende Februar bis Mitte April) geimpft.
Hochwertiges Immunserum, intraperitoneal in kleineren (190 cem) wie
größeren Mengen (500 cem) angewendet, hemmte die 4 bezw. 18 Stunden nach der Einspritzung
vorgenommene Impfung in gleicher Weise, indem sie das Reifen der Pocken ebenfalls
um mindestens einen Tag hinausschoben. Bei der größeren Menge trat dieser Erfolg
ganz unzweifelhaft hervor. Es erschien dies um so mehr von Bedeutung, als es bei dem
mit der kleineren Menge behandelten Kalbe zweifelhaft ist, ob nicht auch die untergelaufene
leichte Verdauungsstörung zu der beobachteten Verzögerung beigetragen hat.
Es wurde während der Versuche die Erfahrung gemacht, daß Kälber von etwa 55 kg
Gewicht zwar die Entziehung von 1 1 Blut ausnahmslos sehr gut vertragen, aber auf die
Einspritzung von Kälberserum jeder Art, mag sie intravenös oder intraperitoneal geschehen,
außerordentlich ungleich reagieren. Während einzelne Tiere nach der Einspritzung in ihrem
Befinden keine Störung zeigten, boten andere die schwersten Erscheinungen. Kann schon
das Normalserum letztere herbeiführen, so scheint dies von dem Immunserum in noch
höherem Maße zu gelten. Bei einem Kalbe riefen 50 cem hochwertiges Immunserum, mit
aller Vorsicht intravenös eingespritzt, die bedrohlichsten Zeichen von Lungenödem hervor,
dem ein anderes Kalb 10 Minuten nach ebenfalls intravenöser Einverleibung derselben
Menge erlag. Das Lungenödem trat so heftig auf, daß schon die kurz vor dem Tode aus
dem Maule hervortretende Odemflüssigkeit blutig gefärbt war. Dennoch gelang es bei der
sorgfältigen Untersuchung des Kadavers nicht, das mindeste von abnormen Gerinnselbildungen,
Infarkten oder gar Lufteintritt in die Gefäße der Lunge nachzuweisen. Abgesehen von dem
Lungenödem waren alle inneren Organe gesund, nur die außerhalb der Bauchhöhle gelegenen
ziemlich blutleer.
Ausführlichere Mitteilung verdienen die in dieser Beziehung bei einem Holländer Kalb
von 86 kg gemachten Erfahrungen. Bei ihm mußte die intravenöse Einspritzung von
Normalserum bei 50 cem abgebrochen werden, da Lungenödem in bedenklicher Weise sich
einstellte, worauf das Tier bis zum späten Abend kraftlos und kurzatmig blieb und Nahrung
nicht annahm. Vom nächsten Morgen an vollkommenes und weiterhin ununterbrochenes
Wohlbefinden. Am 8. Tage nach der intravenösen Einspritzung wurden dem Tiere 400 cem
hochwertiges Immunserum intraperitoneal einverleibt. Danach war es ziemlich matt, soff