Full text : Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

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liche  Gleichstellung)  gesprochen  und  auch  später  ging  es  mir
manchmal  gegen  den  Strich,  wenn  ich  mich  mit  Juden  einlassen
  mußte.  Aber  der  Staatsmann  muß  manchmal  persönliche
Empfindungen  und  frühere  Urteile  wegen  einer  unabwendbaren
Notwendigkeit  überwinden.  So  ist  es  auch  mir  gegangen!

Mit  einem  hochgebildeten  Manne  wie  Lassalle  war  freilich
  noch  ein  Auskommen;  er  verstand  mich  und  hatte  den  Mut,
in  der  Konfliktszeit  die  Arbeitermassen  zum  Selbst=  und
Klassenbewußtsein  zu  bringen.  Lassalle  war  ein  äußerst
fähiger  Kopf,  allerdings  maßlos  ehrgeizig  und  eitel.  Niemand
  kann  eben  aus  seiner  Haut  hinausfahren;  sein  eifriger
Verkehr  mit  aristokratischen  Kreisen,  der  ihn  in  die  unangenehme
  Geschichte  mit  der  Gräfin  Hatzfeldt  brachte,  entsprang
  den  gleichen  angeborenen  jüdischen  Eigenschaften,  die
Sie  auch  an  Max  Kayuser,  dem  Satrapen  des  Kolonialamts,
wahrnehmen  können.

Als  ich  Max  Kaiser  zum  vortragenden  Rat  vorschlug,
war  der  alte  Kaiser  etwas  ungehalten;  er  wollte  ihn  niemals
bei  sich  sehen.  Er  war  ihm  unsympathisch  und  ich  muß  sagen,
daß  der  alte  Herr  wie  manchesmal,  so  auch  hier,  einen  besseren
Instinkt  hatte  als  ich  selber.  Wenn  der  Jude  in  eine  hohe
Stelle  aufrückt,  dann  erwacht  bei  ihm  der  bisher  mit  Not
zurückgehaltene  Hochmut,  jenes  hochfahrende  Bewusßtsein  und
jener  widrige  Strebergeist,  den  schon  Jesus  und  lange  vor  ihm
die  Propheten  so  gegeißelt  haben.  Um  seine  Ehrsucht  zu  befriedigen,
  entsagt  er  aller  Rücksicht  und  das  hat  auch  dieser
Kayser  getan;  er  ist  mit  allen  Vieren  in  den  neuen  Kurs
hineingesprungen  und  hat  den  alten  Kurs  für  trefah  (unrein)
erklärt.  Auch  Simson  soll  eine  Aeußerung  beim  Kaiser  gegen
mich  gemacht  haben,  die  ich  gerade  von  diesem  ernsten  Manne
nicht  erwartet  hätte.  Aber  ich  kann  es  kaum  für  möglich
halten,  daß  auch  dieser  sonst  vornehme  und  ehrliche  Mann,
den  ich  schon  im  Jahre  1848  kenmen  gelernt,  den  ich  hochgeschätzt
  und  ausgezeichnet,  den  ich  zum  Präsidenten  des  Reichs-