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Eingelebtsein in verkommene Zustände. Lediglich durch Gesetze,
Lehre und Mahnung war eine hinreichende Umwandlung in ab—
sehbarer Zeit nicht zu erreichen, es bedurfte durchgreifenderer und
schneller wirkender Maßregeln. In einer gleich bei Beginn des
Werkes an Domhardt gerichteten Ordre (1. April 1772) sagt der
König: „Ich glaube, daß die Einwohner, besonders in Pommerellen,
meist polnischer Nation, die ihnen zugedachte Wohltat nicht nach
ihrem wahren Wert einsehen und erkennen werden. Das sicherste
Mittel, um diesen slawischen Leuten bessere Begriffe und Sitten
beizuringen, wird immer sein, solche mit Deutschen zu melieren,
und wenn es auch nur anfänglich mit 2 oder 3 in jedem Orte
geschehen kann.“ „Der polnische Mann sollte zu deutscher Landesart“
gebracht werden, denn über die „polnische Wirtschaft und
Ungeschicklichkeit“ war er höchst erbittert. Noch 1779 klagte er:
„wird das Volk nicht in einen anderen Schlender gebracht, kann
die Provinz nie in einen besseren Wohlstand kommen.“ Die früheren,
für die übrigen Provinzen und die ganze Monarchie erlassenen
Kolonistenedikte wurden sofort auf Westpreußen ausgedehnt.
Schon im Februar 1773 richtete Friedrich an die westpreußische
Kammer die Anfrage, ob sie eine Anzahl junger Burschen als Handwerksgesellen
und Bauernknechte unterzubringen vermöge. Die Antwort
lautete verneinend, da das Handwerk tief darniederliege und
auch die Verschiedenheit der Sprache und Religion, sowie der Mangel
an Schulen dem Fortkommen solcher jungen Leute hinderlich sei.
Dagegen gelang die Einführung ganzer bäuerlicher Kolonistenfamilien.
Im September 1775 waren bereits 133 Familien eingewandert.
Jährlich zweimal, am 15. März und 15. September,
mußte dem König über den Fortgang des Kolonisationswerkes
berichtet werden. In erster Linie waren es Pfälzer und Schwaben,
die in das Land kamen; aber auch Schlesier, Thüringer,
Mecklenburger und Deutschpolen (namentlich Dissidenten) befanden
sich unter den Einwanderern; nur National-Polen wollte der
König nicht dulden, ebenso wenig Inländer, um den alten Provinzen
nicht Kräfte zu entziehen. Gärtner sollten aus dem Dessauischen,
in der Butter= und Käsebereitung erfahrene Leute aus dem
Mecklenburgischen und Holsteinischen herbeigezogen werden. Von
1775 bis 1786 siedelten sich 2200 Kolonisten-Familien mit etwe
11,000 Seelen an. Die Neueinwandernden wurden überall als