J. Der Friede zu Tilsit. 411
den König berieten, keine Bürgschaft dafür gaben, daß Preußen
ausharren und sich auf einen Separatfrieden nicht einlassen
werde. Mochte der König noch so feierlich versichern, seine
Interessen seien mit denen Rußlands unlöslich verknüpft, und
er werde die Waffen nur mit des Zaren Zustimmung nieder—
legen: die Entlassung Steins, welche die Hoffnung auf eine
große Kraftanstrengung Preußens vereitelte, und die Berufung
eines Zastrow hatte tief verstimmt: man versah sich von Preußen
eines plötzlichen Rückfalls in die Neutralitäts= und Friedenspolitik.
So blieb Preußen zunächst ohne Hilfe. Neue Unglücksbotschaften
kamen von allen Seiten. Schon näherten sich die
Franzosen Königsberg. Am 3. Januar floh die königliche Familie
von dort nach Memel. Der König und die Königin
machten sich am 6. dorthin auf den Weg, die Königin, kaum
von schwerer Krankheit genesen, in eiliger Wagenfahrt über
die kurische Nehrung. Ein Teil der noch vorhandenen Gelder
und Kostbarkeiten wurde zu Schiff nach Kopenhagen geschickt,
andere zum Transport nach Riga bereit gestellt, wohin der
König selbst im Notfall gehen wollte. Inzwischen wurde auch
Schlesien fast ganz okkupiert, nicht ohne daß neue Schmach die
preußische Waffenehre befleckte. Ohne Schwertstreich ergab sich
(2. Dezember) Glogan. Nach anfänglichem Widerstand, dem
die Entschlossenheit der Bürgerschaft auch Erfolg verhieß, öffnete
Breslau (5. Jannar 1807) doch vorzeitig die Thore. Noch übereilter
verzichtete Brieg (16. Januar) auf die Verteidigung.
Unter ganz besonders schimpflichen Umständen aber nahm
Schweidnitz (8. Februar) den Feind auf. Kosel, Glatz und
Neisse retteten zwar die Ehre des preußischen Namens: das
Verhängnis abzuwenden vermochten sie nicht. Mit einem kleinen
Freiwilligencorps bereitete Graf Goetzen eine Volkserhebung
vor, die zum Ausbruch kommen sollte, sobald Oesterreich sich
für Preußen erklärte. In Pommern hielt sich, alten Nuhmes
eingedenk, Kolberg. Auf die Bitte der Bürgerschaft um einen
zum Aeußersten entschlossenen Kommandanten dorthin geschickt,
zeigte Major v. Gneisenau, was vom rechten Geiste beseelt und
von dem rechten Mann gelenkt, eine kleine Schar zu leisten