Full text : Zwang und Freiheit in der Jugendpflege.

78  Dr.  Agnes  v.  Harnack,  Welche  Einrichtung.  sind  f.  d.  Erziehung  usw.
Leitsätze.

I.  Zur  Erziehung  der  heranwachsenden  weiblichen  Jugend  brauchen  wir

zwei  Gruppen  von  gesetzlichen  Einrichtungen:
a)  Eine  Erweiterung  der  sozialpolitischen  Gesetzgebung.
b)  Eine  Erweiterung  der  Unterrichts=  und  Schulgesetzgebung.

II.  Die  Erweiterung  der  sozialpolitischen  Gesetzgebung  für  die  weibliche
Jugend  hat  sich  zu  erstrecken  auf  eine  Verkürzung  der  Arbeitszeit,  auf  die
Sicherung  genügender  Arbeitspausen  und  eines  freien  Nachmittages,  sowie  auf
die  Gewährung  von  Ferien.  Durch  Erweiterung  der  Unterrichts=  und  Schul-Lelebgebung
  soll  der  Eintritt  in  das  Berufsleben  für  die  ülerinnen  der

lisschule  um  mindestens  ein  halbes  Jahr  hinausgeschoben  werden.

III.  Die  Verfügung  über  die  so  gewonnene  Zeit  soll  im  wesentlichen
a)  in  die  Hände  des  Staates  gelegt  werden  und  b)  in  schulmäßiger  Weise
erfolgen  unter  Berücksichtigung  des  Prinzips  der  Arbeitsschule,  des  Werkunterrichts
  und  der  konstitutionellen  Schulverfassung.

IV.  Es  ergibt  sich  somit  a)  eine  Verlängerung  der  Schulzeit  um  mindestens
ein  halbes  Jahr,  b)  ein  dreijähriger  Pflichtfortbildungsunterricht  mit  gcht  besn.
sechs  Wochenstunden  und  starker  Berücksichtigung  der  körperlichen  Ertüchtigung.

V.  Die  Verlängerung  der  Schulzeit  diene  ausschließlich  der  Vorbereitung
der  Mädchen  auf  ihren  hausmütterlichen  Beruf;  wünschenswert  wäre  die  Unterbringung
  der  Schülerinnen  in  Internaten.

VI.  Die  Vortbildungeschule  hat  künftig  alle  aus  der  Volksschule
entlassenen  Mädchen  zu  um  132  sie  ist  in  gewerbliche  Klassen,  in  kaufmännische
  Klassen  und  in  Klassen  für  ungelernte  Arbeiterinnen  zu  gliedern.

VII.  Für  die  an  Fortbildungsschulen  tätigen  Lehrkräfte  ist  neben  dem
achlichen  Können  eine  gründliche  seziapadagois  Ausbildung  zu  fordern,
e  sie  zu  einer  Erfassung  ihrer  Aufgabe  im  volkspflegerischen  Sinne  befähigt.