Volltext : Zentralblatt für das Deutsche Reich. Herausgegeben im Reichsamt des Innern. Einundvierzigster Jahrgang. 1913. (41)

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und  der  Universität  beteuerten  ihm  wetteifernd  ihre  Ergebenheit;  denn
die  preußische  Regierung  hatte  kürzlich  die  Torheit  begangen,  ihren  Unter—
tanen  den  Besuch  der  Heidelberger  Hochschule  zu  verbieten,  und  die  Preußen
bildeten  den  Stamm  der  studierenden  „Ausländer“,  von  denen  die  liebliche
Neckarstadt  damals  noch  lebte.“)

Die  Verdienste  der  Regierung  ließen  sich  nicht  in  Abrede  stellen.  Die
Ablösung  der  bäuerlichen  Lasten  gelang  zur  Befriedigung  der  Pflichtigen,
ein  verständiges  Volksschulgesetz  ordnete  den  Elementarunterricht;  die  neue
große  Polytechnische  Anstalt  in  Karlsruhe  erlangte  rasch  einen  guten  Ruf;
Mannheim  erhielt  seinen  Rheinhafen,  ein  unschätzbares  Geschenk  eben
jetzt,  da  die  Stadt  in  den  großen  Verkehr  des  Zollvereins  eintrat;  die  schon
im  letzten  Jahrzehnt  nach  den  kühnen  Plänen  des  Obersten  Tulla  begonnene
  Korrektion  des  Rheines  schritt  rüstig  vorwärts,  obgleich  die  Bauern
der  Uferdörfer  sich  zuweilen  tätlich  widersetzten;  auch  die  wilden  Schwarzwaldflüsse
  Elz  und  Dreisam  wurden  gebändigt.  Die  Verwaltung  erwarb
sich  durch  ihre  einsichtige  Tätigkeit  so  allgemeines  Vertrauen,  daß  Winter
sogar  eine  Abänderung  des  neuen  allzu  radikalen  Gemeindegesetzes  beim
Landtage  durchsetzen  konnte.

Seit  dem  Herbste  1835  begann  man  jedoch  schon  zu  fürchten,  daß
dieser  Waffenstillstand  der  Parteien  nicht  lange  dauern  werde.  Freiherr
von  Türckheim  forderte  seine  Entlassung.  Er  hatte  sich  allezeit  als  treuer
Patriot  gezeigt  und  noch  kürzlich  dem  Tuilerienhofe  mutig  die  Zähne  gewiesen,
  als  dieser  während  der  Schweizer  Wirren  den  Karlsruher  Hof  zu
bedrohen  wagte;  zuletzt  ward  ihm  die  peinliche  Mittelstellung  zwischen  dem
Bundestage  und  den  Kammern  doch  verleidet.  Sein  Nachfolger  wurde
Blittersdorff,  weil  sich  niemand  sonst  fand,  und  weil  Minister  Reizenstein,
  der  sich  mit  den  Jahren  den  Liberalen  immer  mehr  entfremdete,  der
Hofburg  einen  unzweideutigen  Beweis  badischer  Bundestreue  geben  wollte.
Graf  Münch,  Blittersdorffs  Frankfurter  Gönner,  und  der  Gesandte  in
Wien,  General  Tettenborn  hatten  insgeheim  nachgeholfen.*)  An  Feindseligkeiten
  gegen  Preußen  dachte  der  Großherzog  sicherlich  nicht;  er  bewahrte
dem  alten  Könige  treue  Ergebenheit  und  vergoß  Tränen  der  Rührung,
als  er  zum  Chef  eines  preußischen  Regiments  ernannt  wurde.  **)  Indes
zeigten  sich  bald  die  Hintergedanken  des  neuen  Ministers.  Sein  Ideal
war  eine  starke,  durch  Osterreich  geleitete  Bundesgewalt,  die  den  Landtagen
  unerbittlich  den  Daumen  aufs  Auge  setzen  sollte.  In  der  Stille
näherte  sich  der  ungläubige  Weltmann  schon  den  Klerikalen,  denn  sie  waren
in  Süddeutschland  die  einzig  mögliche  Stütze  des  Absolutismus,  und  der
Wiener  Hof  hatte  mit  ihnen  bereits  seinen  Frieden  geschlossen.  Neben

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*)  Otterstedts  Bericht,  26.  Nov.  1833.
*“)  Dönhoffs  Bericht,  9.  Nov.  1835.
v’*.  )  Otterstedts  Bericht,  8.  Jan.  1833.