Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1870. (54)

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8.  12.
Straflosigkeit  in  Nothfällen.

Die  Entnehmung  oder  Beschädigung  von  Holz,  welche  zur  Abhülfe  in  augenblicklichen
  Nothfällen  geschehen  ist  (z.  B.  von  Fuhrleuten,  deren  Geschirr  umgeworfen,
zerbrochen  ist  rc.),  ist  straflos,  wenn  der  Thäter  dem  Eigenthümer  oder  dessen  Stellvertreter
  oder  auch  dem  Gemeindevorstande  des  nächsten  inländischen  Orts  bei  erster
Gelegenheit,  längstens  aber  binnen  drei  Tagen,  unter  Darbietung  baarer  Vergütung
des  Schadens,  Anzeige  davon  gemacht  hat.

Die  Unterlassung  dieser  Anzeige  wird  mit  Geldstrafe  bis  zu  fünf  Thalern
bestraft.

§.  13.
Begünstigung  und  Hehlerei.

Die  Begünstigung  und  Hehlerei  in  Bezug  auf  einen  Holz=  (Forst-)  Diebstahl
unterliegt  der  Bestrafung  nach  Maaßgabe  der  §§.  257  und  259  des  Strafgesetzbuchs.
  Die  Strafe  darf  jedoch  in  keinem  Falle  der  Art  oder  dem  Maaße  nach
eine  schwerere  sein,  als  die  auf  die  Handlung  selbst  angedrohte.

S.  14.
Diebstahl  an  anderen  Bodenerzeugnissen.

Die  Strafbarkeit  des  Diebstahls  an  anderen,  als  den  in  §.  9  dieses  Gesetzes
begriffenen  Erzeugnissen  des  Bodens  ist  nach  den  Vorschriften  des  Strafgesetzbuchs
zu  beurtheilen.

S.  15.
Unbefugtes  Weiden.

Wer  vorsätzlich  Vieh  auf  Grundstücken  hütet  oder  weiden  läßt,  die  mit  dem
Vieh  zu  behüten  er  kein  Recht  hat,  wird  mit  Gefängniß  bis  zu  zwei  Jahren  bestraft.

Wer  durch  Fahrlässigkeit  verschuldet,  daß  Vieh,  welches  von  ihm  zu  beaufsichtigen
  ist,  auf  Grundstücke  geht,  die  mit  dem  Vieh  zu  behüten  er  kein  Recht  hat,
ist  mit  Geldstrafe  bis  zu  zwanzig  Thalern  zu  belegen.

8.  16.
Unerlaubte  Nachlese.

Wer  unbefugter  Weise  oder  mit  Ueberschreitung  der  verordnungsmäßigen  oder
sonst  festgesetzten  Grenzen  einer  bestehenden  Befugniß  in  Gärten,  Obstanlagen,
Weinbergen  oder  auf  Feldern  oder  Wiesen  eine  Nachlese  hält,  ist  mit  Geldstrafe
bis  zu  zehn  Thalern  oder  mit  Gefängniß  bis  zu  vierzehn  Tagen  zu  bestrafen.