458 Deutsches Reich. (April) 26.
nicht eine Verminderung, sondern nur eine Erhöhung der Widerstandskraft
Deutschlands uns einen baldigen Frieden bringen kann.
Wo diese politische Erkenntnis nicht vorhanden ist, sollte zum mindesten
das Mitgefühl mit unseren an den Fronten ihr Leben einsetzenden Söhnen
und Brüdern die Arbeitnehmerschaft von Handlungen fernhalten, die geeignet
sind, die Kraft der Kämpfenden zu lähmen. Seit Jahresfrist haben
England und Frankreich, unterstützt von den Ver. Staaten Nordamerikas,
ungeheure Massen von Geschützen und Munition an der französisch-belgischen
Front aufgehäuft. Das Ungeheuerlichste, was Menschenhirn sich auszumalen
vermag, ist über unsere dort kämpfenden VBolksgenossen hereingebrochen.
Nur ein herzloser, gewissenloser Mensch kann dazu raten, diesen
die erforderlichen Verteidigungsmittel zu versagen. Diese Auffassung beherrscht
nach unserer innersten Ueberzeugung auch die Bevölkerungskreise,
die durch unsere Organisationen vertreten werden. Unserseits wird alles
geschehen, sie nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken und zu erweitern.
Von unverantwortlichen Leuten ist, glücklicherweise mit ganz vereinzeltem
Erfolg, versucht worden, die Arbeitseinstellungen der
Waffen= und Munitionsarbeiter politischen Zwecken dienstbar zu
machen. Der Wunsch nach baldiger Beendigung des blutigen Völkerringens
ist, ebenso wie in anderen kriegführenden Ländern, auch im deutschen Volke
groß; er ist menschlich erklärlich und verständlich. Das Bestreben, ein
Mittel zu finden, die Beendigung des Krieges herbeizuführen, beherrscht
auch die arbeitende Bevölkerung. Bedauerlich ist, daß einige, wenn auch
unbedeutende Kreise, dieses Mittel in einer Verweigerung der Herstellung
der zur Landesverteidigung erforderlichen Waffen erblicken.
Solche Ideen hätten jedoch die beklagten Arbeitseinstellungen in dem
eingetretenen Umfang nicht herbeiführen können, wenn nicht bestimmte
Voraussetzungen für die Mißstimmung in der arbeitenden Bevölkerung
vorhanden wären. Die wesentlichste Ursache, die die Stimmung
für die Arbeitsniederlegungen schuf, ist in den unzureichenden Maßnahmen
auf dem Gebiete der Ernährungspolitik zu erblicken. Den Arbeitern
und Angestellten ist bekannt, unk die Tatsache läßt sich nicht bestreiten,
daß immer noch verhältnismäßig große Mengen wichtiger Nahrungsmittel
außerhalb der Rationierung, jedoch nur zu Preisen, die von der erwerbstätigen
Bevölkerung nicht gezahlt werden können, erhältlich sind. Diese
Nahrungsmittel werden gerade vielfach von Kreisen konsumiert, die nicht
ihre volle Arbeitskraft in den Dienst der Landesverteidigung zu stellen genötigt
sind. Das Verlangen, Maßnahmen zu restloser Erfassung und gerechter
Verteilung der vorhandenen Nahrungsmittel schleunigst herbeizuführen,
hat im wesentlichen den Anlaß zu den Arbeitseinstellungen gegeben.
Deshalb erwarten wir bestimmt, daß die in Aussicht gestellten und zum
Teil in Angriff genommenen Maßnahmen zur Sicherung der Ernährung
der Bevölkerung der Städte und Industriegebiete mit der nötigen Schärfe
und Rücksichtslosigkeit und dem dann zu erwartenden Erfolge durchgeführt
werden. Damit würde der wesentlichste Grund zur Beunruhigung der
arbeitenden Bevölkerung genommen sein. Des weiteren muß alles vermieden
werden, was geeignet ist, bei den Arbeitern und Angestellten das
Gefühl aufkommen zu lassen, daß sie nicht die volle Beachtung und Wertschätzung
ihrer Leistungen finden. Unzureichende Entlohnung, die Weigerung
vieler Unternehmer, die Arbeitsleistung unter Berücksichtigung der für den
Lebensunterhalt erforderlichen Aufwendungen zu bezahlen, unnötige Härten
bei der Durchführung des Hilfsdienstgesetzes, die vielfachen Versuche, die
durch das Gesetz der Arbeitnehmerschaft zustehenden Rechte einzuschränken
oder zu beseitigen, sind geeignet, eine große Mißstimmung und steten Kon-