Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

367  klebrig  —  Klee.

ebd.;  Klebestoff,  Gummi,  Baumharz,  besonders  aber  die  im
Mehl  befindliche  eiweißartige,  stark  klebende  Masse.  Auch
Pflanzenname.  —  klebrig,  älter  auch  klebricht,  stark  oder
gern  klebend:  klebrig  brust  (Latz)  Garg.  82;  denkleberigen
sudclkoch  83;  kleberichter  judenleim,  kleberichte
suppe  Stieler;  alle  theile  seines  klebrigen  anzugs
Rosegger  Waldheim.  1,  222;  kleberige  hände,  finger
haben,  auch  übertragen  —  gern  stehlende  Adelung.

Kleck,  m.  Fleck,  auch  fallendes  Klümpchen:  kleck
lehm,  ein  kleckehen  butter;  ein  kleck  von  dinte  Steinbach,
  einen  kleck  mit  tinte  auf  das  papier  machen  Abelung;
  übertragen:  einen  kleck  anhenken  Schuppius
415;  Nebenformen:  kleck,  klack,  klick,  Juculenta  congeries,
  strigmentum,  et  stercorata  colluries  Stieler
(vgl.  auch  klecks),  von  denen  sich  klack  als  mhd.  klac,
Knall,  Krach,  auch  Riß  vorfiudet  (vgl.  unter  klatschen).
—  klecken,  1)  einen  Kleck  machen,  mhd.  klecken:  die  feder
kleckt.  im  schreiben  klecken  Adelung;  —  schmieren,
beim  Malen  oder  Schreiben:  das  ist  nicht  gemahlt,
sondern  gekleckt  ebd.;  die  farben  sind  mehr  unter
einander  gekleckt  als  vertrieben  Lessing  3,  232;  kleckte
ich  in  der  eil  einige  vermeintliche  emendationes  auf
den  rand  der  abschrift  Reiske  an  Lessing  1773;  in  älterer
Spr.  auch  —  spalten:  klecken,  kläck  oder  spält  gewünnen
Maaler,  auch  übertragen:  von  verbunst  (Mißgunst)
klecken  oder  2zerspringen  ebd.  2)  anderes  klecken  —
heranreichen  zu  einem  Ziele,  ansreichen,  langen,  vorwärts
  gehen,  ungewisser  Herkunft  und  wahrscheinlich
nicht  mit  dem  vorigen  zusammenhängend,  schon  ahd.
kleken  Otfrid  5,  7,  52,  mhd.  und  älter  uhd.  als
klecken  häufig;  büezen  wir  den  hunger  baz,  daz  uns
nu  klecke  (daß  es  ausreiche)  Minnes.  3,  3112;  pring
wampenfleck,  das  (daß  es)  etwas  kleck  Garg.  182;  so
wolten  auch  die  pferd  nicht  klecken  oder  gelangen
(zur  Stillung  des  Hungers)  Hulsius  4,  10;  vgl.  erklecken;
  in  neuerer  Spr.,  jetzt  abkommend:  es  kleckt
nicht,  haud  #m/Kert  Steinbach;  klecken  nicht  zwo
stunden  Schiller  1,  349;  da  es  aber  mit  meinen
recepten  nicht  recht  klecken  (vorwärts)  wollte  Immermann
  Münchh.  2,  122;  es  wurde  mit  dem  entwurf  (beratend)
  fortgefahren,  wollte  aber  nicht  recht  klecken
Keller  Werke  8,  141;  sie  teilen  aus  sein  wort,  ..  das
klecket  (wächst,  gedeiht)  fort  und  fort  9,  284.—  Klecks,  m.
Fleck,  Nebensform  zu  kleck,  seit  18.  Ih.,  bei  Stein  bach
zuerst  aufgeführt;  tinten-,  farbenklacks;  einen  klecks
machen,  ein  schreibheft  voller  kleckse;  die  schwarzen
wolken  bleiben  wie  kleckse  in  der  lust  bängen  Wildenbruch
  Nov.  52;  übertragen,  —  Schandfleck:  sucht  ich
dir  .  .  ein  klecksgen  anzuhenken  Günther  499;  das
möchte  doch  ein  klecks  auf  meinem  wappen  sein  Kotzebue
  Freim.  6;  so  nen  hämisch  garstgen  klecks  auf
seiner  reinheit  weiszem  kleid  Grillparzer  7,  5.  —
klecksen,  einen  Klecks  oder  Kleckse  machen:  ich  habe  auf
den  bricf  gekleckst;  verächtlich  für  schreiben:  die  solche
haken  auf  eselshaut  klexen  Scheffel  Etkeh.  196;  oder
für  schlecht  malen:  die  geklecksten  decorationen  Goethe
W.  Meister  2,6.  —  Kleckser,  m.  der  Kleckse  macht;  schlechter
Schreiber  oder  Maler:  der  wirth  war  ein  kleckser  und
nannte  sich  einen  maler  Seume  Spaz.  1,  22.—  Kleckserei,
  k.  schlecht  Geschriebenes  oder  Gemaltes.

Klee,  m.  Name  einer  Pflanzenart  mit  dreispaltigen
Blättern;  ahd.  chleo,  chlè,  kle,  mhd.  kle,  im  Sächsischen
in  erweiterter  Form:  mud.  klever,  klaveren,  altengl.
cle  fre,  engl.  clover,  übrigens  ohne  weitere  Beziehungen
und  dunkler  Herkunft:  7-/0##cm#ce,  lehe,  cleb  Dief.;
als  einzelne  Pflanze:  ein  ärybletterig  elee  ebd.,  sonst  kleeblatt
  (s.  d.);  als  Viehfutter:  klee  sücen,  hauen,  schneiden,
klee  füttern;  (der  Boden  gefüllt)  von  saftigem  klee  und
lucerne  Voß  Idpll.  4,  13;  gern  in  älterer  und  bis  in  die
neuere  Spr.  aus  Klee  bestehender  Wieswachs:  da  grüener
kle  und  ander  wase  müge  sin  Wolfram  Milleh.
326,  18;  sprang  Grandgoschier  ausz  dem  klee  Garg.

Kleeacker  —  Kleid.  3608

194;  wie  sie  (die  Erde  im  Frühling)  mit  gras  und  klee
dic  fette  flüche  fullet  Brockes  1,  9;  leichtgekleidet  sasz
sie  neben  mir  auf  klec  und  gras  Voß  4,  88;  sprichwörtlich:
  einen  über  den  grünen  klee  loben.  ganz  ausnehmend.
  —  Zufammensetzungen:  Kleeacker,  m.  Acker
mit  Klee  bestanden.  —  Klechan,  m.  Anbau  des  Klees
als  Futter.  —  Kleeblatt,  n.  Blatt  des  Klees,  aus  drei
Blättern  zusammengesetzt;  Bild  für  eine  eng  verbundene
Dreiheit:  treues  kleeblat  dreier  birten  Schwieger  geharn.
  Venus  29;  du  rosig  kind,  der  blütenbaum  und
dieser  brunnen,  frisch  und  rein  —  ein  schönres  kleeblatt
  giebt  es  kaum  Keller  Werke  9,  35;  selten  und  glückverheißend
  ist  ein  vierblättriges  kleeblatt:  ein  vierblättrig
kleeblatt.  dicsen  seltnen  schmuck  der  fluren  Rückert
Liebesfr.  5,  63;  fiel  von  selber  mir  ein  vierblättrig  kleeblatt
  in  die  hand  Geibel3,  113.—  Kleeseld,  u.  Feld  mit
Klee  bestanden;  Bild  für  Geringes:ich  habe  niemalsirgend
jemandem  die  abtretung  auch  nur  eines  dorfes  oder  auch
nur  eines  klecfeldes  zugesichert  Bismarck  Reden  7,  127.
—  Kleesutter,  n.  Futter  aus  Klee  bestehend.  —  Kleesalz,  n.
kleesaures  Kali.  —  Kleesäure,  k.  Pflanzensäure,  die  besonders
  aus  dem  Sauerklee  gewonnen  wird;  dazu  das
Adj.  kleesauer.  —  Kleewiese,  k.  Wiese  mit  Klee  bestanden.

Kleiben,  kleben;  1)  starkes  Verb,  ahd.  klidan,  ehlipan,
  mhd.  kliben,  altsächs.  kliban,  Eins  mit  dem  altnord.
  klifa,  steigen,  klimmen,  aber  mit  der  verschiedenen,
und  wohl  ursprünglicheren  Bed.  haften;  dunkler  Herkunft,
  das  Durativ  dazu  ist  kleben  (s.  d.);  also  bleibt
dem  wucherer  sein  namen  auch  kleiben  Schade  Sat.
2,  75;  noch  in  bekleiben  geblieben  (s.  d.).  2)  schwaches
Verb,  Thätigkeitsbildung  zu  dem  Vorigen,  —  hasten,
kleben  machen,  ahd.  mhd.  kleiben;  in  neuerer  Spr.  selten,
weil  durch  transitives  kleben  verdrängt:  ein  bild  an
die  wand  kleiben,  zwei  blätter  papier  zusammen  kleiben
Adelung  als  selten;  dasz  man  mit  blut  zerbrochne
fenster  kleibe  (:  scheibe)  Freiligrath  3,  142;  Bezeichnung
  einer  jetzt  sehr  zurückgegangenen  Technik  des  Hausbaues,
  =  Bleichwände  von  Lehm  machen:  häuser,  wünde
kleiben;  eine  wand  kleiben  Stieler;  sprichwörtlich:  wo
man  keinen  kalk  hat,  musz  man  mit  drecke  kleiben  ebd.

Kleid,  n.  das  zur  Bedeckung  des  Körpers  Angezogene;
ein  dem  hoch=  und  niederdeutschen  Sprachgebiete  ursprünglich
  fremdes  Wort,  das  zufrühen  im  Altnord.
als  kleedi  Zeugstoff,  Decke,  Kleid,  dann  im  Altengl.
als  elaö  Zeug,  Tuch,  Kleid  auftritt,  und  sich  vom
Norden  nach  dem  Süden  verbreitet  haben  muß,  wo  es
altfrief.  als  kläth  und  klẽth,  mud.  als  klet  (auch  in
der  Bed.  Kleiderstoff),  mhd.  feit  12.  Ih.  als  kleit  erscheint;
  die  Geschichte  dieser  Ausbreitung  und  die  Herkunft
  des  Wortes  ist  dunkel.  Plur.  in  der  älteren  Spr.
auch  in  der  Form  des  Sing.:  richiu  kleit  arm.  Heinr.
1022,  häufiger,  später  einzig,  kleider.  Anwendung
eigentlich  und  bildlichz  im  Sing.  vom  Gewande  des
Mannes:  xureis  er  sein  kleid  1.  Mos.  37,  29;  sie  erwischt
in  bei  seinem  kleid  39,  12;  keme  ein  man  mwit
einem  herrlichen  kleide,  es  keme  aber  auch  ein  armer
in  einem  unsaubern  kleide  Jac.  2,  2;  wenn  der  sohn
zum  erstenmal  ein  kleid  mit  rabatten  anlegte  Möser
Phant.  1,  23;  gewöhnlich  nur  dann,  wenn  besondere
Tracht  oder  Abzeichen  eines  Standes  hervorgehoben  wird:
Johannes  hatte  ein  kleid  von  kamelharen  Matth.  3,  4;
hatte  kein  hochzeitlich  kleid  an  22,  11;  der  doctor
im  langen  kleide,  der  uns  vom  katheder  herab  belehrt
Goethe  39,  113;  im  burgerlichen  kleid  oder  in  der
uniform;  in  Zusammensetzungen  wie  bauern-,  bürger-,
ordens-,  soldaten  -,  staatskleid  u.  a.;  ordenskleid  der
fahrenden  scholaren  Schessel  Gaud.  54;  außerdem  in
beinkleid,  als  feinerer  Ausdruck  für  Hose  im  18.  Ih.
erfunden;  sprichwörtlich:  das  kleid  macht  den  mann;
nicmand  flickt  ein  alt  kleid  mit  einem  lappen  von
newen  tuch  Matth.  9,  16;  vom  weiblichen  Gewande:
weisze  seiden  und  purpur  ist  jr  kleid  Spr.  Sal.  31,  22;