Lautliche
Anpassung
der Fremdwörter.
Franz.
Endungen
im
Deutschen.
— 120 —
wörter wurden entlehnt, teils mit der deutschen Infinitivendung,
teils mit der aus dem Französischen
und Deutschen zusammengesetzten Endung -ieren:
velen = faillir ‚fehlen‘; birsen — afrz. bercer ‚mit
dem Pfeil jagen“ -: dirschen, pürschen; kosten —
afrz. coster, coüter; pruoven = prouver — Prüfen;
galvppieren; parelieren —= frz. parler; turnieren;
visieren u. Ss. w. Auch unser Ade, Adien ist schon
im Mhd. im Gebrauch.
Das Mittelhochdeutsche nahm in der Regel die
französischen Fremdwörter nicht sklavisch herüber,
sondern passte sie der deutschen Redeweise an,
wenn auch nicht in der weitgehenden Art, wie das
Ahd. und Urgermanische mit den lateinischen Lehnwörtern
verfahren war. So wird der altfranzösische
Doppellaut äi, der äi mit stärker hervortretendem
a gesprochen wurde, zu a in palas = frz. palais;
in gleicher Weise wird afrz. francois zu mhd. frantzöis
— Franzose (für älteres Franze, vgl. Franzmınn);
das frz. e vor einem s :- Konsonant lässt das
deutsche Lehnwort wegen seiner Tonlosigkeit ganz
fallen: standart aus afrz. estandart — e&tandard =
Standarte.
Ausser den Fremdwörtern hat das Mhd. dem
Französischen auch verschiedene Wortbildungselemente
entlehnt, die bis auf den heutigen Tag fruchtbar
geblieben sind. Die Infinitivendung -ieren, die
wohl auf einer Verschmelzung der französischen Infinitivendung
-ir mit der entsprechenden deutschen
Endung -en berulit, war im Mhd. in ungefähr 160
Verben französischen Ursprungs vertreten, von denen
die meisten längst wieder untergegangen sind. Indes
hängte man schon im Mhd. die fremdländische
Endung an deutsche Stämme wie halbieren, stolzieren,