Full text : Beiträge zur Medizinal-Statistik.

146  Zuelzer,

Neben  diesem  Theil  der  Alkalien  aber  treten  in  die  Exkrete
auch  die  Chloralkalien  über.  Wenn  es  sich  darum  handelt,
die  Ursprungsstellen  desjenigen  Theils  von  Natrium  und  Kalium
zu  ermitteln,  weiche  im  Urin  allein  gefunden  werden,  so
bietet  diese  Untersuchung  nicht  bloss  desshalb  eine  besondere
Schwierigkeit,  weil  die  Vertheilung  des  Chlors  zwischen  beide
Alkalimetalle  nicht  ohne  eine  gewisse  Willkür  vorgenommen
werden  kann,  sondern  besonders  auch  desshalb,  weil  ausser
durch  den  Urin  auch  durch  die  übrigen  Exkrete  Alkalien  und
Chlor  in  nicht  unerheblicher  Menge  ausgeschieden  werden.

Nach  den  Analysen  von  Schottin  und  Funke  (eit.  bei  Gorup-Besanez)
  enthält  der  menschliche  Schweiss  4—7  p.  M.  anorganische
Salze,  die  bis  auf  Spuren  von  Erdphosphaten  aus  Chloriden,  Phosphaten
und  Sulfaten  der  Alkalien  bestehen,  wobei  die  Natriumsalze  in  überwiegender
  Menge  vorkommen.

Im  normalen  Schleim  der  Lungen  und  Trachea  findet  Nasse  (l.  c.)
8  p.  M.  anorganische  Salze,  die  ebenso  fast  ausschliesslich  aus  Chloriden,
Phosphaten  und  Carbonaten  der  Alkalien  bestehen.  Eine  ähnliche  Zusammensetzung
  zeigt  nach  Jacubowitsch  die  Asche  des  Speichels  (gemischtes
  Sekret  der  verschiedenen  Speicheldrüsen),  dessen  gesammten
Gehalt  an  anorg.  Salzen  Frerichs  auf  2,19  p.  M.  bestimmt.  Salkowski*)
ermittelte,  dass  in  diesem  Exkret  während  des  Bestehens  einer  starken
Salivation  in  Folge  von  Stomatitis  innerhalb  24  Stunden  im  Ganzen  0,697
Gramm  Kali  und  0,116  Grm.  Natron  ausgeschieden  wurden,  während  der
Urin  desselben  Tages  1,36  Grm.  Kali  und  2,84  Grm.  Natron  enthielt.

Derselbe  Forscher  fand  in  den  Sputis  einer  in  der  Heilung  begriffenen
Lungengangrän  durchschnittlich  in  24  Stunden  (nach  einer  3tägigen  Beobachtung)
  sogar  1,26  Grm.  Kali  und  2,2  Grin.  Natron,  dagegen  in  einem
andern  Falle  von  Pneumonie  im  24stünd.  Sputum  (nach  einem  Ötägigen
Durchschnitt)  nur  0,046  Grm.  Kali  und  0,148  Natron  und  in  einem  3.  Falle
(ebenfalls  nach  6täg.  Durchschnitt)  0,026  Grm.  Kali  und  0,123  Natron.

Sehr  reich  an  Alkalien  sind  die  Fäces  in  allen  Fällen  von  Diarrhoe.
Bei  der  asiatischen  Cholera  beohachtete  C.  Schmidt  **)  7,5—8,8  p.  M.
anorganische  Bestandtheile  in  den  Fäkalmassen.  ktwa  dieselbe  Menge
(8,5  p.  M.)  enthielten  sie  auch  in  einem  Falle,  wo  künstliche  Diarrhoe
durch  ein  Senna-Inf.  erzielt  wurde;  im  Ganzen  wurden  hierbei  in  24  Stunden
  durch  den  Stuhl  entleert:  5,04  Grm.  Chlor,  3,4  Kalium  und  4,9  Natrium.
  —  In  dysenterischen  Dejektionen  stieg  die  in  24  Stunden  enthaltene
Menge  anorg.  Bestandtheile  noch  höher.

*)  Salkowski,  Virchow’s  Archiv  Bd,  53,  p.  209.
**)  (,  Schmidt,  Charakteristik  der  epid,  Cholera,  1850,  p.  75  fi.