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deutung in dieser Beziehung nach derjenigen des Heiligen richtet. Am
wertvollsten sind natürlich diejenigen, die mit Christus, und nächst
diesen diejenigen, die mit den Aposteln in Berührung gewesen sind.
Der Ablaßwert dieser Reliquien findet darin seine Begründung, daß
daß am Kreuze vergossene Blut Christi allein so kostbar war, daß es
nicht nur seinen Zweck, die Gläubigen von der Sünde zu erlösen, erfüllen
kann, sondern daß es weit darüber hinaus reicht. Dazu kommt noch
die Heilstätigkeit der Apostel und der Heiligen, so daß ein großer
berschuß von Verdienst vorhanden ist, über den die Kirche das Recht
und die Macht der Verfügung für die Sündenvergebung ihrer Gläubigen
hat. Dieser Verdienst ist gewissermaßen in den Reliquien der
Kirche vergegenständlicht und konnte daher mit diesen je nach Bedarf
und Bezahlung erworben werden.
Der Handel mit Ablaß und mit Reliquien ist dann auch ein einträgliches
Geschäft gewesen, zumal es ohne Konkurrenz war, denn nur
die Kirche hatte das Recht, Gegenstände zu Reliquien zu machen und
sie zu veräußern. Die Päpste und Bischöfe haben dann auch, je nach
ihrer Bedürftigkeit und ihren Ansprüchen, von diesem Geschäft den ausgiebigsten
Gebrauch gemacht. Sie gingen dabei sogar so weit, daß sie
das Geschäft nicht nur mit dem Kirchendienst vereinten, sondern daß
ste den Ablaß mit marktschreierischer Reklame bei jeder Gelegenheit, wo
sich Leute ansammelten, anpreisen und anbieten ließen. Dieses ging
schließlich soweit, daß es in Deutschland, wo man die Angelegenheit
etwas gründlicher nahm, einen Skandal zeitigte, der in Anbetracht auch
der anderen Mißstände zu einer Reformation der Kirche an Haupt und
Gliedern geradezu drängte.
Mit den Einnahmen wuchs auch die Verschwendung und mit ihr
die Sittenlosigkeit der niederen als auch hohen Geistlichkeit, die in Rom
zeitweilig solchen Umfang angenommen hatte, daß die ärgste Zeit des
römischen Kaisertums dagegen verblassen mußte. Auch mit dem Leben
Unschuldiger wurde mit Hilfe der Inquisition genau so leichtfertig und
so grausam umgegangen als zur Zeit der römischen Cäsaren.
Unter den Germanen waren die Westgoten die ersten, bei denen
das Christentum Eingang gefunden hat und zwar hatten diese die Bekehrung
nach der Lehre des Arius, die die Wesensgleichheit des Logos
mit Gott nicht anerkannte, ihrem Bischof Ulfilas (341—381) zu verdanken,
der ihnen auch gleich die Bibel in ihre Muttersprache übersetzt hat.
Später ging die Bekehrung von den Frankenkönigen aus, von denen
als erster Chlodwig nach einem Sieg über die Alemannen im Jahre
496 das Christentum angenommen hatte. Chlodwig hatte in einem
bedenklichen Moment der Schlacht sich von seinen heidnischen Göttern
verlassen geglaubt und den Christengott, zu dem sich seine Gemahlin
ge