Der militärische Verlauf des Krieges: Westen November 1914 bis Herbst 1915
streckten sich die deutschen Stellungen durch das Vorfeld
der Stadt Reims, von hier in ungefähr östlicher
Richtung quer durch die Argonnen bis nördlich von
Verdun zur Maas, umfaßten die Festung in weitem
Bogen und wendeten sich aus der Ebene von Woevre
quer durch die Hochebene der Maashöhen nach St.
Mihiel auf dem linken Maasufer. Dann sprang die
Linie über den Fluß nach Croix des Carmes an der
Mosel zurück, lief von hier aus zwischen der lothringischen
Grenze und der Meurthe über die westlichen
Hänge der Vogesen, trat in der Gegend des Schluchtpasses
auf deutsches Gebiet über u. erreichte, Gebweiler
und Sennheim streifend, durch den Sundgau, südlich
von Autkkirch die Grenze der Schweiz. Bis auf einen
kleinen Rest von kaum 800 ckm war ganz Belgien erobert,
ein ausgedehnter und durch seine Bedeutung als
Industriezentrum wichtiger Teil von Nordfrankreich
besetzt. dagegen nur ein verschwindend kleiner Teil
deutschen Bodens im Oberelsaß dem Feinde überlassen.
Seitdem die Absicht der französischen und englischen
Heeresleitung, die deutsche Schlachtlinie von
Norden zu umfassen, durch deren Ausdehnung bis
zum Meer vereitelt worden war, lagen sich die beiden
Heere auf ziemlich geringe Entfernung frontal gegenüber,
was die Aussichten auf einen erfolgreichen Angriff
beiderseits verringerte. Den rechten Flügel hatte
die Heeresabteilung des Thronfolgers von Württemberg;
an sie schloß sich im Süden die des Kronprinzen
von Bayern an bis in die Gegend südlich von Arras;
dann folgte die Heeresabteilung des deutschen Kronprinzen
bis zum Reichsland; den linken Flügel bil.
dete die Armeeabteilung Falkenhausen. In bester
Ausnutzung der gegebenen Verhältnisse beschränkte
sich die deutsche Heeresleitung auf der Westfront zunächst
auf eine kraftvolle Verteidigung, um inzwischen
gegen den Feind im Osten angriffsweise vorzugehen
und die Entscheidung zu suchen. So wurde von nun
an auf der Westfrontder Schützengraben zu einem wichtigen
Kriegsmittel, der, mit rückwärtigen Deckungsgräben
durch Laufgräben verbunden und mit Unterkünften
reichlich versehen, durch Hindernisgürtel geschützt,
sich zu vollständigen Systemen auswuchs, die
an das der Angriffsarbeiten beim Festungsangriff
erinnerten. Nur auf solche Weise konnte einiger Schutz
gegen die sich immer mehr steigernde Wirkung der Artillerie
geschaffen werden. Bei ihren Kriegsvorbereitungen
hatten die Franzosen der Uusbildung dieser
Wass= große Aufmerksamkeit zugewandt und leisteten
namentlich mit der leichten Feldartillerie Vorzügliches,
während die deutsche Armee ihnen weit überlegen
war in der schweren Artillerie des Feldheeres. Dies
wurde jedoch sehr bald durch die amerikan. Massenlieserungen,
zumal an schweren Rohren, ausgeglichen.
Die Ereignisse in Flandern und im Artoist.
Der Feind unternahm auf dem nördlich von Nieuport
an der Küste trocken gebliebenen Streifen vom
4. November an Vorstöße, deren einer am 11. bis nach
Lombardzyde, einer nordwestlichen Vorstadt Nieuports,
hineinführte. Noch am selben Tag zurückgeschlagen,
wurde der Gegner hier von nun an durch
deutsche Marinetruppen dauernd abgewehrt, und
auch das Feuer eines zum ersten Male Ende Oktober,
dann am 22. und 23. November und hier und da
noch im Dezember eingreifenden englischen Geschwaders
verpuffte wirkungslos.
1 Ug. die Karte Bd. 1, S. 217.
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Unterdessen hatte der 10. November reichen Gewinn
gebracht, indem als Ausklang der Schlacht bei
Mern, die am 2. November durch neue Angriffsbewegungen
der Deutschen wieder aufflackerte, Dixmuiden
genommen wurde. Gegen Langemarckstießen
neu ausgebildete, zum größten Teil aus Kriegsfreiwilligen
bestehende Regimenter vor, die ersten feindlichen
Stellungen wurden durchbrochen und 2000 Gefangene
gemacht; auch drangen am 11. November
deutsche Truppen nach längerem erbitterten Ringen
in das südlich von Ypern gelegene St. Eloi ein. In
den nächsten Wochen wurde die Gefechtstätigkeit in
diesem Abschnitt durch die überschwemmung, unsichtiges
Wetter und Schneestürme behindert, die Schlacht
in Flandern schlief ein.
In der südwestlich sich an Flandern anschließen.
den Provinz Artois fanden zwischen dem 20. Oktober
und 14. November heiße Känipfe statt, bei denen
die Deutschen sich den mit Indern untermischten
Engländern überlegen deigten und nach und nach in
der Richtung auf La Bassée und Armentieres vordrangen.
Am 1. November konnie Messines besetzt,
ein zwischen dem 4. und 13. wiederholter englischer
Angriff bei La Bassée abgewiesen und die Höhenkette
nördlich von Armentières behauptet werden.
Auch Ende November und im ersten Drittel des Deember
unternommene feindliche Angriffe aus Dpern
zeraus wurden abgewiesen.
Zu deutschen Ersolgen führten auch die gleichzeitig
im Zentrum der Gesamtfront stattfindenden
Kämpfe zwischen Gise und Maas.
Im September 1914 war es den Franzosen bei
ihrem Vorgehen von der Marne aus gelungen, in
dem Winkel zwischen Oise und Aisnemündung sowie
auch zwischen Soissons und Craonne das rechte
Aisne-Ufer zu gewinnen. Dem deutscherseits erstrebten
Ziel, sie von dort wieder zu vertreiben, brachte
der am 30. Oktober unternommene, glänzend ausgeführte
Sturm auf Vailly näher. Der Ort sowie
ein ihm vorgelagerter Berg, von den Franzosen mit
gtagenformig angelegten Schützengräben und Drahthindernissen
versehen, wurden kräftig verteidigt;
aber das mustergültige Zusammenarbeiten von Artillerie,
Pionieren und Infanterie führte zum vollen
Siege des von General v. Lochow befehligten III. Armeekorps.
Der an diesem Abschnitt seit sieben Wochen
eführte Stellungskampf gegen einen Überlegenen
Feind hatte die ngrissektaft der Brandenburger
nicht gebrochen, und die Ausnutzung des Erfolges
führte am 2. November auch zur Besitznahme von
Chavonne und Soupir; dieses wurde allerdings am
6. November wieder aufgegeben, da es durch die
Franzosen von den Höhen bei Craonne aus unter
Feuer genommen werden konnte. Hingegen wurde
dem Feind am 13. November eine beherrschende Höhe
bei Berry au Bac entrissen, am 16. Dezember der
Versuch eines Brückenschlages Über die Aisne in der
Gegend von Soissons vereitelt.
n der Champagne unternahmen die Franzosen
am 25. November mit starken Kräften einen Angriff
zwischen Souain und St. Hilaire, doch fehlte ihm die
eigentliche Stoßkraft. und unter großen Verlusten
brach er im Feuer der Verteidiger zusammen. Diese
sowie weitere am 8. Dezember bei Souain, am 11.
zwischen Souain und Perthes, am 14. nordöstlich
1 Sal. die Karten Bd. I, S. 172/3 u. 208.