Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1856. (33)

—  19  —

A.  Ühnlich  verhält  e8  fi  mit  dem  Torfe.  Ex  ift  unter  ben
genannten  Brennitoffen  derjenige,  der  fich  erweislich  immer  noch  fort  und
fort  erzeugt,  und  Den  man  au  zu  dem  Pflanzenreiche  rechnen  fünnte;
denn  er  beiteht  au&  einem  dichten  Kilzge  von  Wurzeln,  der  mit  erbigen
Theilen  vermijcht  it.  Diefe  Wurzeln  erzeugen  fi  in  Mooren  oder
Stmpfen  mit  jolcher  Schnelligkeit,  daß  man  nach  10  6i8  12  Jahren
eine  ausgejtochene  Torfwiefe  aufs  neue  benußen  fann.  Die  Arbeit  in
den  Abzugsgräben,  wie  in  ben  Torflagern  ift  jehr  bejcäwerlih,  da  bie
-Seute  im  Waffer  oder  Sumpf  ftehen  müffen;  allein  fie  Dauert  auch  nur
die  wärmiten  Monate  des  Sjahres  hindurch.  Darnach  müffen  die  ausge
itochenen  Platten  auf  Haufen  gejegt  und  getroefnet  werben.  Die  weniger
fefte  Maffe  muß  man,  gleich  Lehm  beim  Biegeln,  in  Formen  drüden.
Merfwürbig  ift,  daß  Die  beiten  Stüde  am  meiften  zufammenfcfrumpfen,
jo  daß  alfo  Die  Fleiniten  Torfplatten  oder  Torfziegeln  am  meiften
Hibe  geben.

5.  Don  den  übrigen  brennbaren  Mineralien  ift  der  Schwefel
am  befannteften.  Seine  Yarbe  hat  zu  dem  Nusodrude  fehmefelgelb  Veranlafjung
  gegeben.  Das  Täßt  fih  am  Schwefelhölzchen  fehen,  jo  wie
auch),  Daß  er  beim  Gntzünben  eine  bläuliche  Ylamme  giebt.  Dabei  entwickelt
  jich  eine  Luft,  welche  und  am  Athmen  hindert  und  zum  Huften
nöthigt.  Auch  der  Geruch  ift  unangenehm.  Dur  Schwefeldampf  werben
wollene  Kleider  gereinigt,  aber  auch  Thiere,  3.  B.  Bienen  und  Wespen,
getödtet.  Selbit  Menichen  Fönnen  in  ihm  erftiden.  Da  aber  das  euer
die  nämliche  Luft  zum  Wrennen  bedarf,  wie  der  Menjch  zum  Athmen,
jo  läßt  fich  auch  eine  helle  Slamme  dur)  Schwefelbampf  Töfchen.  Brennt
e8  in  einem  Schornfteine,  jo  fan  man  Durch  eine  Darunter  gejeßte
Kohlenpfanne  mit  Schwefel  den  Brand  erftiden.  Auch  die  Eigenjchaft
des  Schmefeld,  daß  er  langjam,  aber  ficher  fortbrennt,  bat  man  benußt,
inden  man  durch  Schmwefelfäden  Pulverminen  anzündet,  und  doc  Zeit
behält,  ftch  zu  retten.  So  gefchieht  e8  in  Steinbrüdhen  und  Bergmwerfen.
Der  Schwefel  wird  meiltens  aus  der  Erde  gegraben,  bejonder8  häufig
im  fächfifchen  Erzgebirge.  Sonft  jammelt  man  ihn  aud)  aus  manchen
Duellen,  wo  er  fih  am  Nanbe  anjegt.  Solche  Waller  werben  gemeiniglich
  ald  Gejfundbrunnen  gebraucht.

6.  Bu  den  brennbaren  Mineralien  gehört  auch  der  Bernflein,
ber  an  ber  preußiichen  Dftjeefüfte  von  der  Größe  einer  Xinfe  513  zur
Fauftdide  gefunden  wird.  Ausnahmsweife  fand  1803  ein  Tagelöhner,
zwijchen  mehreren  Steinen  heruorftehend,  ein  Stüd  Bernftein  von  131/,
Pfund.  Diefes  feltene  Stück  befindet  fich  zu  Berlin  in  der  Mineralienfammlung
  und  fol  8000  Thaler  werth  fein.  Die  Farbe  de8  Bernftein
  ift  entweder  weiß,  oder  machsgelb  biß  rothgeld.  Er  Täpt  fich  mit
einem  Meffer  brödeln,  fehmilzt  in  der  Hike  und  verbreitet  einen  an:
genehmen  Geruch;  an  der  Flamme  verbrennt  er.  Der  Bernitein  hat
die  merfwürdige  Eigenschaft,  Daß  er,  gerieben,  eleftrijch  wird;  Demm
er  zieht  alsdann  Heine  Papierftüdkhen,  Wolle  1.  an  fih.  Gr  beipt
Iateinifch  Electrum,  und  daher  fommt  das  Wort  Electricität.  DBe-