Inhaltsverzeichnis : Europäischer Geschichtskalender. Fünfter Jahrgang. 1864. (5)

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Deutschland.

den  Bund  heran,  ob  nicht  seine  Betheiligung  am  Kriege  für  ihn  unter  den
von  Oesterreich  und  Preußen  hervorgehobenen  Umständen  durch  Pflicht  und
Ehre  geboten  sei  und  will  es  den  genannten  Regierungen  anheimgeben,  diese
Frage  zur  Entscheidung  zu  bringen  und,  werde  sie  bejaht,  so  werde  auch  die
Unterordnung  der  Bundestruppen  unter  den  vorgeschlagenen  Oberbefehl  keiner
Schwierigkeit  begegnen."      

Darmstadt  meint,  daß  genügende  „Gründe  ohne  Zweifel  dafür  sprechen,
an  der  ohnehin  nicht  mehr  gebotenen  bisherigen  Trennung  des  factischen  Vorgehens
  in  Holstein  und  in  Schleswig  nicht  länger  festzuhalten,  sondern  die
Maßregeln  des  Bundes  in  Holstein  mit  denjenigen  der  beiden  deutschen  Großmächte
  in  Schleswig  zu  einer  die  beiden  Herzogthümer  umfassenden  einheitlichen
  Action  zu  verschmelzen“  und  trägt  demgemäß  darauf  an,  Bundestruppen,
die  unter  den  Oberbefehl  Wrangels  gestellt  werden  sollen,  als  Theilnehmer  an
den  Operationen  gegen  Dänemark  zu  senden,  auch  den  Oberbefehl  der  Bundestruppen
  in  Holstein  an  Wrangel  zu  übergeben  und  zwei  weitere  (österr.  und
preuß.)  Bundescommissäre  in  Holstein  unter  der  Bedingung  zuzulassen,  daß
sich  die  Bundesverwaltung  auch  über  Schleswig  erstrecke,  alles  „unter  fortwährender
  Offenhaltung  der  Erbfolgefrage.“  Die  großh.  Regierung  hofft,
daß  „die  patriotischen  Motive,  von  welchen  sie  hiebei  geleitet  werde,  Seitens
ihrer  Bundesgenossen,  namentlich  auch  Seitens  der  h.  Regierungen  von  Oesterreich
  und  Preußen  vollständig  werden  gewürdigt  werden.“

Hannover  trägt  darauf  an,  an  Dänemark  von  Seite  des  Bundes  den
Krieg  zu  erklären,  falls  dieses  nicht  die  mit  Beschlag  belegten  deutschen  Schiffe
herausgebe  (wobei  selbstverständlich  der  Oberbefehl  über  die  Bundestruppen
ebenfalls  an  Wrangel  fallen  und  den  Forderungen  Oesterreichs  und  Preußens
entsprochen  würde).

2.  März.  (Württemberg).  Die  democratische  Fraction  tritt  in  Stutt-



gart  aus  dem  schleswig-holsteinischen  Vereine  aus  und  veröffentlicht
ein  eigenes  „Programm  der  Volkspartei“:

„1)  Da  die  schleswig-holsteinische  Frage  nichts  anderes  als  die  deutsche,
und  diese  wieder  die  politische  Frage  jedes  einzelnen  deutschen  Landes  ist,  so
kann  den  deutschen  Herzogthümern  nur  durch  Verbesserung  der  staatlichen
Zustände  in  ganz  Deutschland  geholfen  werden,  und  hier  sind  es  hauptsächlich
drei  Punkte,  auf  welche  die  Bestrebungen  der  Volkspartei  gerichtet  sein  müssen;
2)  ein  Parlament  mit  Centralgewalt,  die  im  Hinblick  auf  die  gegenwärtige
Lage  vorerst  durch  eine  Coalition  der  Mittelstaaten  zu  bilden  wäre;
3)  die  aufrichtige  Durchführung  des  constitutionellen  Princips,  also  für  Würtemberg:
  Rückkehr  auf  den  gesetzlichen  Boden  der  deutschen  Grundrechte,  Wiederherstellung
  des  auf  Grund  des  §  89  der  Verfassungsurkunde  beseitigten  Wahlgesetzes
  vom  1.  Juli  1849  und  Verfassungsrevision;  4)  eine  unser  Militärwesen
  ergänzende  volksthümliche  Wehrverfassung;  5)  die  Volkspartei  wählt
aus  ihrer  Mitte  ein  Schleswig-Holstein-Comité,  welches  die  Aufgabe  hat,  das
Interesse  für  das  unglückliche  Bruderland  immer  lebendig  zu  erhalten,  und

in  dem  angegebenen  Sinne  nach  Kräften  für  dessen  Vereinigung  mit  Deutschland
  zu  wirken.“

3.  „  (Hamburg).  Erklärung  der  Majorität  der  Bürgerschaft  gegen

die  bisherige  Haltung  des  Senats  in  der  schleswig-holsteinischen  Frage:
„Die  Bürgerschaft  hat  am  11.  December  den  Senat  ersucht,  die  alt  hergebrachte
  und  verfassungsmäßige  unzertrennliche  Verbindung  der  Herzogthümer

Schleswig-Holstein,  die  Selbständigkeit  dieser  Herzogthümer  und  ihre  vollständige

  Trennung  von  Dänemark,  sowie  die  gesetzliche  Erbfolge  mit  allen  ihm  zu
Gebot  stehenden  Mitteln  schützen  und  stützen  zu  wollen,  und  hat  sich  ihrerseits
  zur  Hergabe  dieser  Mittel,  soweit  sie  von  ihr  abhängen,  bereit  erklärt.
Die  Bürgerschaft  hat  ferner  am  6.  Januar  dem  Senat  gegenüber  die  zuversichtliche
  Erwartung  ausgesprochen,  daß  derselbe  bei  der  am  Bundestage  be-