Full text: Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und demographischer Beziehung.

114 [I. 6. Bekämpfung der Krankheiten. 
menschlichen Malaria. Die bedeutenden Ergebnisse der Tätigkeit dieses so früh 
dahingeschiedenen Gelehrten sind in Band 18 bis 20 der „Arbeiten aus dem Kaiserlichen 
Gesundheitsamte“ niedergelegt. Im Jahre 1906 entsandte das Reich den Geheimen 
Medizinalrat Dr. Robert Koch mit einer Anzahl wissenschaftlicher Hilfskräfte zur 
Erforschung der Schlafkrankheit nach Ostafrika, woselbst noch jetzt diese 
Kommission tätig ist. Mit Unterstützung der Reichsverwaltung betreibt ferner gegen- 
wärtig Geheimer Medizinalrat Professor Pr. Neisser in umfassender Weise die Erfor- 
schung der Syphilis in Batavia, 
Endlich sei noch der Hinweis auf das Hamburgische Institut für 
Schiffs- und Tropenkrankheiten gestattet, das wiederholt Expeditionen 
zur Erforschung des Gelbfiebers nach Brasilien und Westafrika veranstaltet hat. 
Es steht dieses Institut insofern in Beziehungen zum Reiche, als ihm alljährlich Zu- 
schüsse aus Reichsmitteln gewährt werden, und es Regierungsärzten aus den Schutz- 
gebieten, Marineärzten und Sanitätsoffizieren der Kaiserlichen Schutztruppen Gelegen- 
heit zu besonderer Fachausbildung bietet. Ausser als Heilanstalt für Seeleute und 
Tropenkranke dient dieses Institut zugleich als Forschungsstätte für tropische Krank- 
heiten und als Ausbildungsstelle für Schiffs- und Tropenärzte. 
b) Bekämpfung sonstiger übertragbarer Krankheiten. 
Zu denjenigen Krankheiten, die, auch ohne dass ihre Bekämpfung eine reichs- 
gesetzliche Regelung erfahren hat, zu einheitlichen Massnahmen Anlass gegeben haben, 
gehört in erster Linie der Unterleibstyphus. 
A. Unterleibstyphus. 
Wenn auch die Statistik der deutschen Städte in den letzten Jahrzehnten eine 
dauernde Abnahme der ’Typhustodesfälle erkennen lässt!), so zeigte es sich doch im 
Laufe der Zeit immer mehr, dass die Krankheit auf dem flachen Lande im Westen 
des Reichs eine grössere Verbreitung gewonnen hatte, als im allgemeinen angenommen 
worden war. Insbesondere waren es der preussische Regierungsbezirk Trier, die 
bayerische Pfalz, die reichsländischen Bezirke Unter-Elsass und Lothringen, sowie das 
oldenburgische Fürstentum Birkenfeld, wo ein endemisches Vorhandensein des Darm- 
typhus durch besondere Ermittelungen festgestellt wurde. Da die Gefahr drohte, dass 
bei der stark fluktuierenden Arbeiterbevölkerung dieser industriereichen Bezirke eine 
Ausstreuung ‘des Ansteckungsstoffs nach allen Seiten erfolgen könnte, wurde im Jahre 
1904 eine verstärkte Typhusbekämpfung unter Mitwirkung der Reichsverwaltung 
ins Leben gerufen. Leitend war dabei der von Robert Koch und seinen Schülern mit 
Nachdruck betonte Grundsatz, dass der Entstehungsort und zugleich der wichtigste Sitz 
und gefährlichste Verbreiter des Typhusbazillus der infizierte Mensch sei. Um den 
Krankheitserreger hier allerorts aufzusuchen und die Typhusherde ausfindig zu machen 
reichten die durch hygienische Aufgaben der verschiedensten Art in Anspruch 
genommenen beamteten Ärzte nicht aus, vielmehr schien es zweckmässig, hierfür 
besondere bakteriologische Untersuchungsanstalten einzurichten 
Nachdem die preussischerseits erfolgte Schaffung solcher T'yphusstationen in Trier 
und Saarbrücken sich bei der Aufdeckung der Typhusfälle bewährt hatte wurde in 
der Folgezeit das gesamte vorerwähnte Typhusgebiet mit gleichartigen Anstalten 
besetzt, so dass zur Zeit (1907) die nachbezeichneten II Orte bakteriologische Unter- 
suchungsanstalten für die 'Typhusbekämpfung besitzen: Trier, Saarbrücken Saarlouis 
und Neunkirchen im preussischen Regierungsbezirk Trier, Kaiserslautern und Landau 
in der bayerischen Pfalz, Idar im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld, Strassbur 
und Ilagenau im Bezirk Unter-Elsass, sowie Metz und Diedenhofen in "Lothrin en. 
Diese Untersuchungsanstalten sind Landeseinrichtungen. Zur Sicherung Ines 
einheitlichen Vorgehens und gleichmässigen Zusammenwirkens dieser Anstalten ist ein 
N} In deutschen Orten mit 15000 und mehr Einwoh 
nern ist die T i ; . 
wohner berechnet, von 16,15 im Jahre 1890 auf 6,0) im Jahre io „„/phussterblichkeit, auf 100.000 Ein- 
1905 zurückgegangen.