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Zeitungen haben sich bemüht, die französisch-japanische Übereinkunft
als einen neuen Erfolg des vom Könige von England persönlich zur Isolierung
Deutschlands geführten Feldzuges hinzustellen. Seit Jahren
sprechen die führenden englischen Blätter unaufhörlich von den Angriffsabsichten
Deutschlands. Diese These muß wohl ihren Lesern gefallen,
da sie sie trotz ihrer Unwahrscheinlichkeit immer wieder entwickeln.
In Wirklichkeit wird die ganze innere und äußere Politik des Reiches
durch die Furcht vor einem Angriffe beherrscht.‘
Will man in Greindis Äußerungen hier — wie es die Entente wiederholt
getan hat, um die Tragweite der ihr äußerst unbequemen belgischen
Diplomatenberichte abzuschwächen — von einer unbegreiflichen Voreingenommenheit
des Barons Greindl für Deutschland sprechen, so dürfte
ein vom Grafen Lalaing in London am 24. Mai 1907 erstatteter Bericht!)
jeden Zweifel darüber beseitigen, wer an der Vergiftung der englischdeutschen
Beziehungen in der geschilderten Zeitspanne die Schuld trug,
„Es ist klar,‘ berichtet Graf Lalaing, „daß das amtliche England im
stillen eine deutschlandfeindliche Politik befolgt, die auf eine Isolierung
Deutschlands abzielt, und daß König Eduard es nicht verschmäht hat,
seinen persönlichen Einfluß in den Dienst dieser Idee zu stellen; aber es
ist sicher sehr gefährlich, die öffentliche Meinung in so offenkundiger Weise
zu vergiften, wie es die unverantwortliche Presse tut, von der hier die
Rede ist.‘
Als das Brüsseler Außenministerium diesen auf den Ton schärfster
Kritik gestimmten Bericht am 6. Juni in einem Rundschreiben an die
anderen Gesandten weitergab?), ließ es das ganz persönlich auf König
Eduard zugeschnittene Urteil stehen, daß er es nicht verschmäht habe,
seinen großen eigenen Einfluß in den Dienst dieser Idee zu stellen. Es
milderte nur den scharfen Satz: „Es ist klar, daß das amtliche England
im stillen eine deutschlandfeindliche Politik befolgt,“ in die Fassung:
„Die Sympathien des amtlichen Englands neigen zu einer Politik, die auf
eine Isolierung Deutschlands abzielt.‘“
Keiner dialektischen Kunst kann es gelingen, dieses unzweideutige
Zeugnis nicht eines einzelnen belgischen Diplomaten, sondern des belgischen
Außenministeriums selbst, in seiner Deutschland entlastenden Bedeutung
zu erschüttern.
In Deutschland blieb kaum ein Mittel unversucht, den Beziehungen
zu England die Schärfe zu nehmen, wenn man sich auch nicht dazu entschloß,
auf den Ausbau der deutschen Flotte zu verzichten. In Erwiderung
des deutschen Journalistenbesuches in England kam im Mai 1907 eine
Abordnung englischer Journalisten nach Deutschland und wurde in
Bremen, Hamburg und Berlin auf das herzlichste empfangen. Greindl
geht bei diesem Anlasse ineinem Berichte vom 30. Mai?) ausführlich auf die
1) Beig. Akt. Nr. 30.
2) Bd. Il, S. 161/162.
3) Beig. Akt. Nr. 31.
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