Contents : Demokratie und Kaisertum.

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den  Ostmarken.  Wo  sie  nicht  waren,  da  galt  von  ihnen:  der  Himmel
ist  hoch  und  der  Sar  ist  weit!  Noch  Napoleon  I.  hatte  trotz  seines  bewundernswerten
  Kurierdienstes  doch  eine  sehr  lokale  Art  der  Einwirkung,
denn  Tilsit  und  der  Ebro  waren  damals  ferner  als  heute  irgendwelche
Punkte  der  bewohnten  Srde.  Man  liest  Napoleons  Lebensgeschichte  immer
mit  dem  Gefühl:  was  hätte  dieser  irdische  Allgegenwärtige  getan,  wenn
er  hätte  telegraphieren  und  in  48  Stunden  von  Haris  nach  der  russischen
Grenze  fahren  können!  Er  würde  auf  allen  Schlachtfeldern  selber  gewesen
  sein,  eine  fliegende  Kraft  fabelhafter  Wucht.  Napoleon  III.  war
der  erste  Staatsmann,  der  den  Telegraphen  zu  handhaben  verstand,
Bismarck  hat  ihn  sehr  benutzt,  Wilhelm  II.  ist  geradezu  der  erste  Dirtuos
des  modernen  Derkehrszeitalters.  Er  lebt  überall  das  Leben  mit,  telegraphisch
  hörend  und  redend.  Wenn  in  Norwegen  ein  Unglück  eintritt,
ist  er  der  erste,  der  hilft,  wenn  irgendwo  ein  Gelehrter  von  Zuf  stirbt,
telegraphiert  er  der  Mitwe,  wenn  irgendwo  in  der  Welt  gekämpft  wird,
ist  er  so  schnell  orientiert  als  es  das  Kabel  zuläßt,  die  Reichstagsverhandlungen
  gehen  in  telegraphischem  Auszug  in  seine  Dände,  will
er  etwas  wissen,  so  spielen  alle  Drähte.  Auf  einem  Schiff,  das  22  Knoten
in  der  Stunde  zurücklegt,  durchfurcht  er  die  Meere  Europas,  und  im
Schnellzug,  80  km  die  Stunde  oder  mehr,  durcheilt  er  das  Land.
Kein  Mensch  größter  Geschäfte  hat  die  Derkehrsmittel  so  in  der  Gewalt
als  ein  Souverän,  der  es  versteht  mit  ihnen  zu  arbeiten.  Und  daß
Wilhelm  II.  dies  versteht,  weckt  in  diesem  verkehrsdurstigen,  verkehrsbegeisterten
  Seitalter  ein  Gefühl,  daß  er  eine  Derkörperung  der  in  uns
allen  wirksamen  elektrischen  Tendenzen  sei.  Wenn  man  im  Eisenbahnzuge
sitzt  und  auf  der  Nebenschiene  rast  der  Kaiserwagen  vorüber,  dann  denkt
man  an  Wuotan  und  sein  Heer,  nur  daß  es  kein  mythischer  Spuk  ist,
sondern  eine  Wirklichkeit:  es  fährt  die  moderne  Sentralperson!

Als  das  moderne  Leben  anfing,  dachte  man  wohl,  es  würde  abflachend
  wirken  und  die  hochragenden  Köpfe  in  den  Massen  begraben.
Es  ist  auch  nicht  zu  leugnen,  daß  es  eine  ganze  Reihe  moderner  Erscheinungen
  gibt,  die  so  wirken:  die  allgemeiner  werdende  BZildung,  die
steigende  demokratische  Gesinnung  usw.,  aber  man  soll  nicht  übersehen,
daß  jedes  Seitalter  der  Erfindungen  und  Entdeckungen  zunächst  die  stärkt,