stand er genügend außerhalb oder oberhalb des Parteigetriebes, als daß man
bätte hoffen dürfen, es würde ihm gelingen, das Vertrauen der Reichstagemehrheit
zu erwerben. Liest man die Seiten seinee Buches, in denen er im Anschluß
an dle Kritik der Frledeneresolution die Gedanken entrolckelt, In denen
er darzulegen sucht, was hätte geschehen müssen, so steigt der Gedanke auf:
der hätte es olellelcht machen können.
Aber wenn man sich dann fragt, welche Anstalten Tirpitz getroffen
hat, um bei dem vor aller Augen liegenden Versagen der Relchsleltung zur
Rettung der Lage das selnige zu tun, dann stößt man auf — die Gründung
der deutschen Vaterlandspartel, dle Tirplauz mit dem Generallandschaftsdirektor
Kapp lns Leben gerufen hat, um „im deutschen Volk eine nationale
Gegenbewegung zu entfachen, die im Auslande den Eindruck hervorrief,
daß die deutsche Widerstandskraft doch noch lebendig war, die ferner
der Regierung für eine kräftige und lluge Polltik einen Rückhalt bot, und dle
endlich nach Möglichkelt ein welteres Herabglelten auf der schiefen Ebene der
öffentlichen Friedensangebote verhinderte“. Ein Politlker, der die schauerllche
Zerrissenhelt des deutschen Volkee nlcht anders zu bekämpfen wußte, als durch
Gründung einer neuen Partei, hat dadurch sich selber den Nachweie auegestellt,
daß er nicht der Mann war, der, auf den obersten Führerposten gestellt, die
deutsche Einhelt neu hätte schmleden können!
Mag es lmmerhin persönliche Abneigung gewesen seln, was den Kaiser
veranlaßt hat, von Bülow wie von Tirpitz abzusehen — daß er dadurch den
politischen Retter verkaonnt und mattgesetzt hätte, das anzunehmen llegt nicht
der mindeste Anhaltepunkt vor.
Es hat nun einmal nicht sein sollen: das Fünfundsechzigmill it, das
ein Geschlecht von Kriegführern und sahs wie dle Sieger der bundert
Schlachten des Weltkrieges hervorgebracht hatte — den großen politischen
Charakter hat es ulcht erzeugt. Derwell hatten die Engländer ihren Llopd George,
die Franzosen ihren Clemenceau, den Russen erstanden Lenin und Trotzki, die
Rumänen hatten wenigstens ihre Bratlanu und Jonescu, die Grlechen sogar
noch einen Venszelos — allee Gewaltmenschen, erfüllt von sacio egolsmo
eines nicht rechts noch linke schauenden, entschlossenen nationalen Willeno
Dieser Typus, der sich bel allen Bölkern des Weltirleges findet — warum
fehlte er In Deutschland?!
Es gibt nur eine Erklärung: es war etwas faul im ganzen Aufbau unserer
politlschen Erziehung. Ohne das Problem hier auch nur entfernt ausschöpfen
zu können, sei meine Auffassung wenigstens angedeutet: wir rühmten uns, das
Volk der Organlsation zu seln — wir waren längst das Volk der Überorganisation
geworden.
Wir waren stolz auf unsere Erzlehung — sie war längst Übererzlehung.
Eigenwüchsige, eigenwillige, kampffreudlge und elnsamkeitsstolze Männer zu
entwickeln war keineswegs das Sdeal all der olelen Erzlehungeschulen, durch
die der deutsche Jüngling bindurchgepreßt wurde. Nicht auffallen, nicht anstoßen,
korrekt und normal sein, nicht aus dem Rahmen fallen, das war das
gehelme Gesetz der deutschen Erzlehung geworden... Männer, sagt man,
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