Full text : Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer Herrscher. II. Band, 1. Abteilung. Das Albertinische Sachsen von 1500 bis 1815. (3)

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und  Erziehung  wieder  auf  die  Höhe  zu  bringen.  Dazu  ist  aber  erforderlich,  daß  auch
in  der  Heimat  alles  getan  wird,  um  die  Stellung  und  das  Ansehen  des  Offiziers  wieder
zu  heben  und  jeder  verhetzenden  Propaganda  scharf  entgegenzutreten.

Beim  Feinde  sind  die  Verhältnisse  fraglos  günstiger.  Durch  die  große  Zahl
der  Reserven  ist  er  in  der  Lage,  seinen  Divisionen  längere  Ruhezeit  zu  gewähren.  Seine
nach  übereinstimmenden  Meldungen  der  Truppe  schweren  Verluste  konnte  er  bisher  noch
verhältnismäßig  schnell  durch  Einstellung  von  Ersatz  ausgleichen.  Immerhin  mehren
sich  die  Anzeichen,  daß  auch  die  Stimmung,  vor  allem  bei  den  Franzosen,  schlechter  wird,
und  daß  die  feindlichen  Infanterieangriffe  nicht  mehr  mit  alter  Kraft  geführt  werden.
Trotzdem  hält  unsere  ermüdete  Infanterie  der  schwächlich  angreifenden  feindlichen  Infanterie
  nicht  immer  Stand,  wenn  sie  durch  eine  überwältigende  Artillerie  und  zahlreiche
  Panzerwagen  unterstützt  wird.

Jusammenfassend  ist  zu  sagen)  daß  diemilitärische  Lage
sich  weiterverschärft  hat.  Wenn  das  Heer  noch  ungeschlagen  ist,  so  ist  dies
dem  in  der  Masse  des  Heeres  noch  vorherrschenden  pflichttreuen  und  tapferen  Geiste  zuzuschreiben,
  Mehr  und  mehr  tritt  im  Kampfe  hervor  die  Macht  der  einzelnen  Persönlichkeit)
ob  Offizier  oder  Mann.  Dort,  wo  in  den  Herzen  der  Feldgrauen  noch  das  heilige  Feuer
vaterländischer  Begeisterung  glüht,  wird  auch  die  leuchtende  Tat  geboren,  und  der  Ansturm
  des  Feindes  zerschellt  an  dem  freudigen  Entschluß  unserer  braven  Leute,  das  Leben
für  die  Heimat  hinzugeben.  Wie  soll  etwa  dieses  heilige  Feuer  erhalten  bleiben,  wenn
aus  der  Heimat  durch  die  Polemik  der  Presse,  durch  die  zurückkehrenden  Urlauber,  durch
die  aus  russischer  Gefangenschaft  Heimgekehrten  und  Wiedereingestellten  eiskalte  und  die
Truppen  entnervende  Güsse  über  das  Heer  ausgeschüttet  werden.  Was  wir  von  der
Heimat  fordern,  ist  nicht  Kritik  und  Polemik,  sondern  Stärkung  und  Stählung  von
Herz  und  Seele.  Wenn  nicht  schleuniger  Wandel  geschieht,  richtet  die  Heimat  das  Heer
zugrunde.  Das  habe  ich  pflichtmäßig  hier  zu  erklären.  Ebenso  hat  mich  der  Generalfeldmarschall
  beauftragt,  in  der  Frage  der  Abdankung  des  Kaisers
wörtlich  zu  erklären,  daß  er  sich  für  einen  Schuft  hielte,  wenn  er  den  Kaiser  verlassen
würde,  und  so,  meine  Herren,  denke  ich  und  alle  ehrliebenden  Soldaten.  Wie  sollen  die
Tausende  und  aber  Tausende  von  tapferen  Offizieren  und  Soldaten  den  Entschluß  zum
Opfertode  finden,  wenn  in  ihre  Herzen  und  Gewissen  der  Zwiespalt  hineingetrieben  wird.
Wovon  man  in  der  Heimat  keine  Ahnung  zu  haben  scheint,  das  ist  die  Psychologie  des
Heeres,  das  sind  die  Imponderabilien,  auf  denen  der  Gehorsam  beruht.  Hört  die  Hetze
gegen  den  Kaiser  nicht  auf,  so  ist  das  Schicksal  des  Heeres  besiegelt,  es  läuft  auseinander.
In  der  nach  der  Heimat  zurückströmenden  Soldateska  bricht  die  menschliche  Bestie  hervor.

Des  Generalfeldmarschalls  und  meine  Gesamtauffassung  ist:  Der  schlimmste
Feind,  dessen  das  Heer  sich  zu  erwehren  hat,  ist  die  Entnervung  durch  die  Einflüsse  der
Heimat,  ist  der  drohende  Bolschewismus.

Nur  nochvon  kurzer  Dauer  kann  der  Widerstand  sein,
den  das  Hcer  dem  Ansturm  der  äußeren  Feinde  bei  deren  gewaltigen  Uberzahl  und  angesichts
der  Bedrohung  von  Österreich-Ungarn  her  zu  leisten  vermag.  Eine  genaue  zeitliche  Befristung
  des  Widerstandes  läßt  sich  nicht  geben,  da  diese  einerseits  von  dem  Verhalten  der
Heimat,  andererseits  von  den  Maßnahmen  und  dem  moralischen  und  materiellen  Justand
des  Heeres  abhängt.  Die  Beurteilung  dieses  Faktors  ist  zu  leicht  Selbsttäuschungen
ausgesetzt,  weshalb  ich  mich  einer  Außerung  enthalten  muß.  Die  Rettung  des  deutschen
Reiches  vor  innerer  Hersetzung  und  Lerfall  ist  es,  wenn  das  Gefüge  des  Heeres  fest,  der