Full text : Bismarck, Die gesammelten Werke, Band 6a.

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verlängerte  der  Kronprinz  seinen  Aufenthalt.  Aber  am  5.  Mai
Morgens  ging  er,  begleitet  von  dem  König  und  der  Königin,
im  Piräus  an  Bord  des  „Othon.“  Bei  Kalamali  stieg  man
an's  Land  und  reiste  zu  Pferde  bis  Patras,  wo  eine  unermeßliche
  Begeisterung  sich  Luft  machte.  Von  da  fuhr  der  Kronprinz
in  Begleitung  der  Majestäten  nach  Missolunghi  und  betrat  das
Todtenfeld,  wo  die  Gebeine  jener  Heldenschaar,  die  sich  selbst
im  Jahre  1826  dem  Tode  geweiht,  in  der  blutgetränkten,  aber
von  den  Türken  befreiten  Erde  ruhen.  In  aller  Eile  ward
hier  noch  ein  Ball  veranstaltet.  Kräftig  und  blühend  im
Aeußern  kam  der  Kronprinz  am  15.  Mai  Morgens  in
Neapel  an.

Am  21.  Mai  —  es  war  ein  Freitag  —  wurde  daselbst
in  der  Kirche  Santa  Maria  de!  Carmine  das  Standbild
Conradins  von  Schwaben  in  Gegenwart  des  Kronprinzen,
des  Errichters,  enthüllt.  Bei  seinem  Eintritt  in  die  Kirche  ward
er  von  der  Geistlichkeit  empfangen.  Zu  der  Feier  hatte  er  ein
Todtenamt  angeordnet,  welcher  eine  Kanzelrede  und  die  Einweihung
  des  Denkmals  folgte.  Bei  dessen  Enthüllung  gab  die
ganze  zahlreiche  Versammlung  unwillkürlich  ihren  Beifall  kund.
Es  ist  von  Thorwaldsen  in  Rom  modellirt  und  von  dem  bayrischen
  Bildhauer  P.  Schöpf  in  Marmor  ausgeführt.  Conradin
ist  als  gekrönter  König  dargestellt,  jugendlich  schön  und  steht
für  den  Eintretenden  links  neben  einem  Seitenaltar,  während
die  Gebeine  des  Unglücklichen  hinter  dem  Hauptaltare  begraben
sind.  Die  Basreliefs  an  dem  Piedestal,  von  Schöpf  componirt,
stellen  auf  der  einen  Seite  den  Abschied  des  letzten  Hohenstaufen
  von  seiner  Mutter  (zu  Hohenschwangan)  dar,  auf  der  andern
Seite  den  Abschied  von  seinem  Todesgefährten,  dem  Prinzen

Jude  dem  Schicksal  des  „Judas  Ischarioth.“  Aber  der  Schaden  an  gestohlenen
  Werthpapicren,  Geld  und  Proetiosen,  sowie  an  zerschlagenen  Hausgeräthschaften
  betrug  einmalhunderttausend  Drachmen.