Bismarck und der Reichstag. 35
liberale Partei und einige kleinere Gruppen, durch, wenn es auch
hierbei ohne erhebliche Reibungen nicht abging.
Mit schwerer Sorge sah er, wie die anderen Parteien, nament—
lich das Zentrum, die Demokratie und die Sozialdemokratie, seiner
Politik der Festigung des Reiches, nicht nur seiner Wehrkraft—
politik“), widerstrebten. Sie unterstützten auch die Polen, Dänen,
Welfen und die nach Frankreich hinneigenden Elsaß-Lothringer auf
Kosten des Reichs.
Bismarck meinte, es seien im Zentrum's) Strömungen vorhanden,
denen ein Deutsches Reich mit evangelischem Kaisertum
unbequem sei.
Über die Demokratie und die Sozialdemokratie urteilte Bismarck,
wie folgt:
„Alles, was Deutschland groß, reich und einig gemacht hat, ist
immer von der Fortschrittspartei bekämpft worden."
„„Deutschfreisinnige — das kann ich wirklich nicht über meine
Lippen bringen, ich schäme mich der Unwahrheit, die ich jedesmal
ausspreche, wenn ich das niederschreibe oder sage. Ich halte die
Partei weder für deutsch noch für freisinnig; ich halte sie für eine
Gefahr für das Deutsche Reich und für unduldsam, für den Gegensatz
von freisinnig.“
„Täuschen wir uns doch darüber nicht, daß wir mit der Sozialdemokratie
nicht mit einer landsmannschaftlichen Partei in ruhiger
Diskussion sind; sie lebt mit uns im Kriege, und sie wird losschlagen,
gerade so gut wie die Franzosen, sobald sie sich stark genug dazu
fühlen.“
Über die Polen, Dänen und Elsaß-Lothringer äußerte sich Bismarck
dahin:
*) Die Beratungen der Wehrvorlage 1887/88, die zur Auflösung des
Reichstages führten, sind nicht nur von geschichtlichem Wert, sondern haben ihre
Bedeutung auch noch für die heutige Zeit.
**) Ich halte ausdrücklich fest, daß das Zentrum sich als eine grundsätzlich
politische, nicht konfessionelle Partei bezeichnet, siehe die Erklärung des Reichsausschusses
der Zentrumspartei vom 8. Februar 1914. Zentrum und katholisch
sind demnach in keiner Weise gleichbedeutend. Katholiken und Protestanten sind
in ihrer Hingabe an das Vaterland gleich gut oder — gleich schlecht.
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