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Die Staats-Impfanstalt zu Hannover wurde im Sommer 1890 durch die
Schlachterinnung auf dem Central-Schlacht= und Viehhof nach einem Regierungsentwurf
gebaut und im Oktober vollendet. Der Kostenaufwand betrug 8700 M. Nach
Austrocknung des Gebäudes und Unterbringung der für 1924 M beschafften inneren
Ausstattung konnte am 13. Januar 1891 das erste Kalb geimpft werden. In dem an
der nördlichen Umfassungsmauer des Viehhofes gelegenen Impfhause befinden sich
4 heizbare, mit Gasleitung versehene Räume (Kälberstall, Impf-, Präparir= und Versandtzimmer)
und 1 Bodenraum. Der Kälberstall mit 3 verstellbaren Fenstern, 6,14 m
lang, 4,24 m breit und 2,90 m hoch, enthält an den beiden Längsseiten neben einem
Mittelgang je 6 durch Eisengitter abgetrennte, mit entfernbaren Lattenrosten versehene
Buchten von 1,62 zu 1,02 m Größe, in deren einer ein eiserner Ofen steht, während
eine andere zu Zeiten die Kohlenkiste aufnehmen muß. Das Impfzimmer, 55 und
4% m groß, 3,00 m hoch, durch 2 nach Lage der Verhältnisse ungenügende Fenster
erleuchtet, hat 2 Impftische ausgenommen. Diese beiden Räume haben Wasserleitung
und geneigten Cementfußboden, so daß Schmutz= und Spülwasser in die städtische
Kanalisation abfließen kann. Das Präparirzimmer entspricht in Form und Größe dem
Impfzimmer, das Versandtzimmer dem Kälberstall, nur ist das Versandtzimmer 10 cm
höher als dieser. Beide haben je 2 Fenster, letzteres und der Stall noch je eine in
derselben Wand gelegene Außenthür. Unter sich sind die Räume durch 3 Thüren verbunden.
Der Streuboden ist durch eine Leiter zugänglich. Für die der Schlachterinnung
zu zahlende Miethe steht der Anstalt die freie Benutzung der Wasserleitung und
einer verschließbaren Zelle im Kühlhause — zur Aufbewahrung der Lymphe — zu.
In Folge eingetretener Unzuträglichkeiten, die sich hauptsächlich auf den sofortigen
Empfang der eingehenden, namentlich der dringenden Bestellungen und Anfragen bezogen,
richtete der Vorstand in seiner Wohnung ein Versandtzimmer ein, in welchem
der nach Bedarf aus dem Kühlhause zu ergänzende Impfstoff im Eisschranke lagert.
Von der Anstalt in Kassel ist aus Zweckmäßigkeitsrücksichten eine Telephonleitung
nach dem in der entfernt gelegenen Wohnung des Vorstandes eingerichteten
Anstaltsbüreau hergestellt worden, welche jährlich 150 M Kosten verursacht. Im
Uebrigen traten Aenderungen nicht ein.
Aus München wird in Vervollständigung früherer Angaben mitgetheilt, daß der
zur gleichzeitigen Aufstellung von 14 Stück Jungvieh Raum bietende Stall tadellos
angelegt und beschaffen ist. Der Laltenrost, auf welchem die Thiere stehen, gestattet
den sofortigen Abfluß des Harns in den Ablaufkanal des Stalles und weiterhin in
das städtische Kanalnetz.
Aus Frankenberg ist berichtet, daß sich die Impfungen auf 30 verschiedene
Gehöfte vertheilten, welche in 6 Dörfern und 1 Rittergut dicht bei Frankenberg liegen.
Im Uebrigen wurden ähnliche Räume benutzt wie früher.
Der von der Anstalt in Bautzen benutzte, neben dem Stall eines Gutsbesitzers
in Strehla belegene Impfraum ist ein Schuppen mit tennenartigem Fußboden. Dieser
nur durch Oeffnen des Thores zu erleuchtende Raum diente auch zur Aufbewahrung
von Grünfutter, weshalb der Fußboden während der Frühjahrsmonate so seucht war,
daß oft Bretter vor den Impftisch gelegt werden mußten. Nordostwinde verstärkten
diesen Uebelstand.
Das in Stuttgart in der Cannstatter Straße neuerrichtete Anstaltsgebäude
konnte im März 1891 bezogen werden. Es liegt auf dem Areal der Thierarzneischule
und verursachte mit Einrichtung dem Staate 40 000 M Kosten. Die Anstalt besteht
aus einem massiven Hauptgebäude und einem Nebenstall. Letzterer hat Badeeinrichtung,
Gas, Wasser und 4 Stände für erwachsene Rinder und dient zur vorläufigen