Philipp II. von Spanien. Abfall der Niederlande. 77
und dadurch bewies sie, daß auch die Todesnähe ihre wahrhaft großbritannischen
Gedanken nicht verdunkelt hatte.
Eilftes Kapitel.
Pbilipp II. von Spanien (1555—1598).
Absall der Uiederlande.
Der mächtige Gegner Elisabeths und der Protestanten war dieser
Sohn Karls V. und zwar eben so sehr durch seinen Eifer für den
katholischen Glauben als durch sein politisches Interesse. Sonderbarer
Weise mußte er aber seinen ersten Krieg gegen den Papst Paul IV.
führen, der ihn förmlich dazu zwang; denn Paul IV. dachte an die
Vertreibung der Spanier aus Italien, das sie größtentheils inne hatten
(Neapel, Sardinien und Mailand) oder mittelbar beherrschten (Genua
und Florenz); allein Philipps Feldherr, der Herzog von Alba, rieb die
Schweizertruppen des Papstes auf und nöthigte ihn zur Ruhe. Paul
hatte aber auch den französischen König Heinrich II. zum Bruch des
Waffenstillstandes von Vaurcelles gereizt und ihn zum Angriffe auf die
Niederlande bewogen. Die Franzosen hatten jedoch eben so wenig Glück;
den 10. August 1557 verloren sie die Schlacht bei St. Quentin und
den 13. Juli 1558 die bei Gravelingen, worauf sie am 3. April
1559 den Frieden von Chateau Kambresis schloßen.
Nun ging Philipp nach Spanien zurück, nachdem er die Regierung
der Niederlande geordnet hatte. Als Statthalterin setzte er Margaretha
von Parmoa ein, eine natürliche Tochter Karls V., und gab ihr einen
Staatsrath bei aus den angesehensten Adeligen des Landes, an dessen
Spitze er den Bischof, später Kardinal, Granvella (den Sohn von
Karls V. Kanzler), den Viglio von Aytta und den Grafen Barlaimont
stellte. Schon dies erbitterte die Niederländer, die auf jeden
Anschein fremder Herrschaft von jeher eifersüchtig waren, und bekanntlich
ist der Spanier unter allen Nationen am wenigsten geeignet sich den
Sitten und Gewohnheiten des Ausländers anzubequemen. Zudem hatte
Philipp eine Besatzung von 3000 Spaniern zurückgelassen, abermals
ein Aergerniß für die Niederländer; die Regentin wollte es dadurch mildern,
daß sie einem der angesehensten Adeligen das Kommando antrug.
Zuerst dem Wilhelm von Oranien, dem deutschen Hause Nassau-Dillenburg
angehörig und in den Niederlanden begütert; protestantisch
erzogen, spielte er bei Karl V. den Katholiken und wurde von diesem begünstigt,
von Philipp II. zum Statthalter von Holland, Seeland und Utrecht