— 31 —
sind dabei gewesen, die können es euch am besten sagen wie uns
der liebe Gott erschaffen hat.“
„Ja, erzählt, erzählt, ihr guten Ahren, erzählt doch!“ riefen
die Kinder wie aus einem Munde.
Da begannen denn die treuen Ahren und berichteten, wie
auf ihr Bitten hin der liebe Herrgott auch das Saatfeld geschmücht
habe, und daß alles sich in Wahrheit so zugetragen, wie der
Mohn gesagt hatte.
„Dann aber,“ fügten die Ahren hinzu, „dann haben wir noch
etwas gesehen, etwas so Liebes und Gutes, was Bein anderer sah
und sehen Ronnte als nur wir ganz allein.“
Aun baten die Kinder so flehentlich, daß die Ahren ihnen die
Geschichte doch nicht vorenthalten konnten, und so erzählten sie
denn weiter:
„Als der liebe Gott die Kornblume geschaffen hatte, da sah
er zu seinem Schrechen, daß die kleinen vergessenen Fetzen inzwischen
gar blaß und farblos geworden waren; voll Mitleid betrachtete
er darum die arme schmuchlose Blüte in seiner Hand. Dann
langte er hinaus ins Blau des Himmels, dort wo es am vollsten
und klarsten ist, und tauchte seine liebe Blume hinein, so daß sie
nun so tiefblau ist wie droben das himmlische Zelt. Dann pflanzte
er sie aufs Feld hinaus, und wenn die Menschenkinder kommen,
besonders solche, wie ihr seid, dann schaut die Kornblume ihnen
auch so recht tief in die blauen Euchaugen hinein, und dann wird's
den Kleinen so zumute, als ob sie in den blauen Himmel schauten,
und das Herzchen wird so froh und weich. Gelt,“ fragten die
Ahren, „euch geht's doch gewiß auch so?“
Die Kinder aber waren indes müde geworden, der Sandmann
war vorübergegangen und hatte ihnen Schlafsand in die
kleinen Gucher gestreut; so murmelten sie noch einen hurzen Dank
für die schöne Geschichte den Ahren zu und wanderten wieder heim.
35. Vogel. Von Wilhelm Hey.
Kle#be, ich bitt' dich, sosehr ich kann:
v O rühre mein kleines Nest nicht an!
O sieh nicht mit deinen Blicken hin!
Es liegen ja meine Kinder drin;
die werden erschrecken und ängstlich schrein,
wenn du schaust mit den großen Augen hinein.“