Sagen. 801
dem höchsten Richter. Einst, als er eben zu Augsburg aus der Stadt hinausreiten
wollte, schwollen ihm Hals und Zunge so auf, daß er alsbald
ersticken mußte.
Gräfin Hilaria zu Lederstadt bei Donauwörth hatte grimmigen
Haß auf ihre Tochter geworfen, und als sie einst mit derselben eine Reise
an den Rhein machte, ließ sie die Verhaßte in den Rhein werfen. Später
sah sie das Ruchlose ihrer That ein und bereute dieselbe. Zur Sühnung
dafür vermachte sie ihren Forst am Schellenberg theils an das Kloster in
Donauwörth, theils nach Wertingen, theils nach Harburg, daß man für ihr
und ihrer Tochter Seelenheil Messen lesen sollte.
Am Hofe des Bischofs Peter von Augsburg, der auch Cardinal war,
lebte im 15. Jahrhunderte ein griechischer Zauberer, der lange Zeit
das Vertrauen seines Bischofes mißbrauchte. Wo er hörte, daß Jemand
am Sterben sei, begab er sich hin, fing die Seele des Sterbenden auf und
verschloß sie in ein Glas. Mittelst dieser eingeschlossenen Seelen wollte er
sich verjsüngen. Allein es ist ihm dieß nicht gelungen. Gerade bei Vornahme
dieses Zauberstückes drehte es ihm den Hals um. Man fand ihn
in seinem Laboratorium mit umgedrehtem Kopfe und mit verspritztem Gehirne.
Lange darauf mußte er noch in diesem Zimmer geisten, allein endlich
wurde er daraus verbannt.
Zwischen denen von Hindelang und denen von Wertach war wegen
einer Alpe ein Streit entstanden, weil beide Theile sich dieselbe aneigneten.
Nun wurde der Dekan von Wertach als Schiedrichter gewählt.
Dieser ging in die Alpe, that sich auf Wertachergrunde einige Handvoll Erde
in die Schuhe und steckte einen Löffel (Schöpfer) in seinen Hut. Nachdem
er Alles besichtiget, that er den falschen Schwur: So wahr der Schöpfer
über mir, steh ich auf Wertacher Boden hier. Für diesen Frevel ward er
mit einem gähen und unversehenen Tode bestraft.
Bei Baisweil war ehedem ein Schloß gestanden, das Erbe dreier
Töchter, von denen eine blind war. Bei der Theilung des Geldes und der
Schätze übervortheilten die Sehenden ihre blinde Schwester so sehr, daß
diese ganz leer ausging. Dadurch riefen sie den Fluch herab über sich und
über das Schloß. Das Schloß versank, die zwei falschen Schwestern gingen
elend zu Grunde, die Blinde wurde wunderbar gerettet.
Wo Erisried steht, oberhalb Mindelheim, war in uralter Zeit eine
gar große Stadt, die aus unbekannten Gründen versunken ist. Auch wo jetzt
der Alpsee ist, bei Immenstadt, stand vor vielen Jahrhunderten eine große
Stadt. Die kleinen rothen Steinchen, welche das Wasser am östlichen Ufer
des Sees auswirft, sind Stücke von den Mauern der Stadt, die von Ziegeln
gebaut waren.
In der Kirche zu Dinkelsbühl ist da, wo sich das Schiff mit dem
Chor verbindet, linker Hand, hoch oben am Gewölbe eine Art Nische mit
Bavaria U. 51