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dem Mac Mahon geschlagen war, setzte ganz Frankreich seine Hoffnungen auf diesen jüngsten der Marschälle.
Unbezweifelt war des mehrfach verwundeten Bazaine Tapferkeil; selne Befähigung als großer Feldherr sollte er erst
nachweisen. Ebenso sehr Politiker wie Soldat, hatte er viele Rücksichten zu nehmen, und die Sorge für den Kaiser
erschwerte erheblich seine Thätigkeit. Napoleon schärfte ihm ein, nichts zu wagen, und der Marschall selbst dachte
in erster Stelle daran, seine Armee möglichst leistungsfähig zu erhalten. Seine Unterführer hatten weder rechten
Gehorsam noch selbständigen Unternehmungsgeist; der klare Überblick über die militärische Lage fehlte von Anfang
an ihnen wie dem Oberfeldherrn. Bazaine hatte fünf Korps, das II., III., IV., VI. und die Garden bei sich.
Da der Kaiser seine Meinung änderte und den Abzug auf Verdun verlangte, gab der Marschall entsprechende
Befehle und ließ den Abmarsch beginnen. Es war zu spät; schon griffen die Preußen an.
Das deutsche Hauptquartier hatte andre Absichten beim Feinde vermutet und entschied vorläufig von Fall zu
Fall. Da man mit Verwunderung sah, daß er die Mosel oberhalb von Met nicht gedeckt hatte, galt es, sie rasch
in Besitz zu nehmen. Allmählich faßte Moltke den Plan, rechts schwenkend die feindliche Armee südlich über die
Mosel hin in der Flanke oder im Rücken zu fassen. Daher schob sich der linke Flügel der zweiten Armee, das
10. Korps an der Spihe, in Eilmärschen nach der Mosel auf Pont à Mousson zu. Steinmetz, dessen Armee den
rechten Flügel des Ganzen und somit den stehenden Drehpunkt bildete, hatte vorwiegend für die Deckung der Flanke
zu sorgen. Als jedoch General v. d. Goltz, der Führer der 26. Infanterie-Brigade (7. Korps), die sichere Überzeugung
gewann, daß die Franzosen auf dem Abzuge begriffen waren, entschloß er sich auf eigene Hand, sie festzuhalten,
um jene geplante Umfassung durch die zweite Armee möglich zu machen. Erst am vorgerückten Nachmittage
des 14. August entbrannte die Schlacht von Colombey-Nouilly, auch von Courcelles oder von Borny genannt.
Die ganze Gegend um Metz ist hügelig mit breit gewölbten Höhenzügen und ziemlich steilen Zwischenthälern,
nur bei der Festung selbst durchfließt die Mosel eine breite Niederung. Daher machte der Angriff überall große
Schwierigkeiten. Die Franzosen hatten zudem mit gewohnter Geschicklichkeit ihre Stellungen befestigt, und Weinberge
an den Thalrändern wie kleine Waldbestände hinderten die Bewegung. Zahlreiche Dörfer liegen hier nahe
aneinander verstreut. Nur dreiviertel Meilen östlich von Metz erhebt sich in reizender Gegend über einem Bache
das kleine Dorf Colombey, hinter dem sich das Plateau breit und frei nach der Festung dehnt; etwa eine halbe
Meile nördlich, doch jenseits des Wassers steht das größere Nouilly. Zwischen Colombey und den südlichen Forts
liegt Grigy, zwischen Nouilly und dem starken Fort St. Julien Mey. Der größte Teil des III., IV. und das
Gardekorps der Franzosen verweilten hier noch auf dem rechten Moselufer.
Der Kampf begann und verlief ganz ähnlich wie bei Spicheren, indem nur eine Brigade den weit überlegenen
Feind angriff und allmählich zur rechten Zeit freudigst heraneilende Verstärkungen erhielt. Die 15er, 55er und
7. Jäger nahmen und hielten Colombey. Der Feind bekam schnell neue Mannschaften, da seine bereits abziehenden
Truppen bei dem Schall der Geschütze sofort umkehrten, froh, nun endlich nach langer Zerfahrenheit zum Handeln zu
kommen. Um nicht im Norden umgangen zu werden, dehnte sich die Brigade nach La Planchette aus, ziemlich
halbwegs auf Nouilly zu. Eine Stunde lang trug sie allein den verlustreichen Streit, bis auf Befehl des Korpskommandeurs
v. Zastrow die Schwesterbrigade, die 25. (v. d. Osten-Sacken, 13. und 73. Reg.), in ihre Linie eintrat.
Zugleich marschierte eiligst von Norden die Avantgarde des 1. Armeekorps heran, das seine ersten Lorbeeren zu
holen hatte; sein Führer, General v. Manteuffel, war bereits auf Kampf gefaßt. Die 44er besetzten unter verheerendem
Feuer Nouilly und drückten gegen Mey vor, die 1. Jäger und 48er warfen sich in die Lücken zwischen
Nouilly und La Planchette und nahmen im heißen Streit Lauvallier. Auch das 4. Regiment stellte sich ein.
Weiter kam man vorläufig nicht, denn die Franzosen standen vortrefflich gedeckt in übereinander liegenden Reihen
von Schützengräben. Sie führten fortwährend neue, starke Massen vor und versuchten, die preußische Linie zu
durchbrechen; lange wogte der Kampf unentschieden. Endlich machte die hinter der Front neben Neisseville aufgefahrene
starke Artillerie einige Luft, und um 6¾ Uhr nahmen Teile der 1. und 13. Division endgültig die Höhen
über Colombey und La Planchette. Doch war man noch nicht am Ende. Ein gewaltiger Angriff der Franzosen