Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1886.

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dem  Mac  Mahon  geschlagen  war,  setzte  ganz  Frankreich  seine  Hoffnungen  auf  diesen  jüngsten  der  Marschälle.
Unbezweifelt  war  des  mehrfach  verwundeten  Bazaine  Tapferkeil;  selne  Befähigung  als  großer  Feldherr  sollte  er  erst
nachweisen.  Ebenso  sehr  Politiker  wie  Soldat,  hatte  er  viele  Rücksichten  zu  nehmen,  und  die  Sorge  für  den  Kaiser
erschwerte  erheblich  seine  Thätigkeit.  Napoleon  schärfte  ihm  ein,  nichts  zu  wagen,  und  der  Marschall  selbst  dachte
in  erster  Stelle  daran,  seine  Armee  möglichst  leistungsfähig  zu  erhalten.  Seine  Unterführer  hatten  weder  rechten
Gehorsam  noch  selbständigen  Unternehmungsgeist;  der  klare  Überblick  über  die  militärische  Lage  fehlte  von  Anfang
an  ihnen  wie  dem  Oberfeldherrn.  Bazaine  hatte  fünf  Korps,  das  II.,  III.,  IV.,  VI.  und  die  Garden  bei  sich.
Da  der  Kaiser  seine  Meinung  änderte  und  den  Abzug  auf  Verdun  verlangte,  gab  der  Marschall  entsprechende
Befehle  und  ließ  den  Abmarsch  beginnen.  Es  war  zu  spät;  schon  griffen  die  Preußen  an.

Das  deutsche  Hauptquartier  hatte  andre  Absichten  beim  Feinde  vermutet  und  entschied  vorläufig  von  Fall  zu
Fall.  Da  man  mit  Verwunderung  sah,  daß  er  die  Mosel  oberhalb  von  Met  nicht  gedeckt  hatte,  galt  es,  sie  rasch
in  Besitz  zu  nehmen.  Allmählich  faßte  Moltke  den  Plan,  rechts  schwenkend  die  feindliche  Armee  südlich  über  die
Mosel  hin  in  der  Flanke  oder  im  Rücken  zu  fassen.  Daher  schob  sich  der  linke  Flügel  der  zweiten  Armee,  das
10.  Korps  an  der  Spihe,  in  Eilmärschen  nach  der  Mosel  auf  Pont  à  Mousson  zu.  Steinmetz,  dessen  Armee  den
rechten  Flügel  des  Ganzen  und  somit  den  stehenden  Drehpunkt  bildete,  hatte  vorwiegend  für  die  Deckung  der  Flanke
zu  sorgen.  Als  jedoch  General  v.  d.  Goltz,  der  Führer  der  26.  Infanterie-Brigade  (7.  Korps),  die  sichere  Überzeugung
  gewann,  daß  die  Franzosen  auf  dem  Abzuge  begriffen  waren,  entschloß  er  sich  auf  eigene  Hand,  sie  festzuhalten,
  um  jene  geplante  Umfassung  durch  die  zweite  Armee  möglich  zu  machen.  Erst  am  vorgerückten  Nachmittage
des  14.  August  entbrannte  die  Schlacht  von  Colombey-Nouilly,  auch  von  Courcelles  oder  von  Borny  genannt.

Die  ganze  Gegend  um  Metz  ist  hügelig  mit  breit  gewölbten  Höhenzügen  und  ziemlich  steilen  Zwischenthälern,
nur  bei  der  Festung  selbst  durchfließt  die  Mosel  eine  breite  Niederung.  Daher  machte  der  Angriff  überall  große
Schwierigkeiten.  Die  Franzosen  hatten  zudem  mit  gewohnter  Geschicklichkeit  ihre  Stellungen  befestigt,  und  Weinberge
  an  den  Thalrändern  wie  kleine  Waldbestände  hinderten  die  Bewegung.  Zahlreiche  Dörfer  liegen  hier  nahe
aneinander  verstreut.  Nur  dreiviertel  Meilen  östlich  von  Metz  erhebt  sich  in  reizender  Gegend  über  einem  Bache
das  kleine  Dorf  Colombey,  hinter  dem  sich  das  Plateau  breit  und  frei  nach  der  Festung  dehnt;  etwa  eine  halbe
Meile  nördlich,  doch  jenseits  des  Wassers  steht  das  größere  Nouilly.  Zwischen  Colombey  und  den  südlichen  Forts
liegt  Grigy,  zwischen  Nouilly  und  dem  starken  Fort  St.  Julien  Mey.  Der  größte  Teil  des  III.,  IV.  und  das
Gardekorps  der  Franzosen  verweilten  hier  noch  auf  dem  rechten  Moselufer.

Der  Kampf  begann  und  verlief  ganz  ähnlich  wie  bei  Spicheren,  indem  nur  eine  Brigade  den  weit  überlegenen
Feind  angriff  und  allmählich  zur  rechten  Zeit  freudigst  heraneilende  Verstärkungen  erhielt.  Die  15er,  55er  und
7.  Jäger  nahmen  und  hielten  Colombey.  Der  Feind  bekam  schnell  neue  Mannschaften,  da  seine  bereits  abziehenden
Truppen  bei  dem  Schall  der  Geschütze  sofort  umkehrten,  froh,  nun  endlich  nach  langer  Zerfahrenheit  zum  Handeln  zu
kommen.  Um  nicht  im  Norden  umgangen  zu  werden,  dehnte  sich  die  Brigade  nach  La  Planchette  aus,  ziemlich
halbwegs  auf  Nouilly  zu.  Eine  Stunde  lang  trug  sie  allein  den  verlustreichen  Streit,  bis  auf  Befehl  des  Korpskommandeurs
  v.  Zastrow  die  Schwesterbrigade,  die  25.  (v.  d.  Osten-Sacken,  13.  und  73.  Reg.),  in  ihre  Linie  eintrat.
Zugleich  marschierte  eiligst  von  Norden  die  Avantgarde  des  1.  Armeekorps  heran,  das  seine  ersten  Lorbeeren  zu
holen  hatte;  sein  Führer,  General  v.  Manteuffel,  war  bereits  auf  Kampf  gefaßt.  Die  44er  besetzten  unter  verheerendem
  Feuer  Nouilly  und  drückten  gegen  Mey  vor,  die  1.  Jäger  und  48er  warfen  sich  in  die  Lücken  zwischen
Nouilly  und  La  Planchette  und  nahmen  im  heißen  Streit  Lauvallier.  Auch  das  4.  Regiment  stellte  sich  ein.
Weiter  kam  man  vorläufig  nicht,  denn  die  Franzosen  standen  vortrefflich  gedeckt  in  übereinander  liegenden  Reihen
von  Schützengräben.  Sie  führten  fortwährend  neue,  starke  Massen  vor  und  versuchten,  die  preußische  Linie  zu
durchbrechen;  lange  wogte  der  Kampf  unentschieden.  Endlich  machte  die  hinter  der  Front  neben  Neisseville  aufgefahrene
  starke  Artillerie  einige  Luft,  und  um  6¾  Uhr  nahmen  Teile  der  1.  und  13.  Division  endgültig  die  Höhen
über  Colombey  und  La  Planchette.  Doch  war  man  noch  nicht  am  Ende.  Ein  gewaltiger  Angriff  der  Franzosen