242 53. Minister Chamberlain und das deutsche Heer. — Der Dreibund.
Reichskanzler Graf von Bülowig:
Meine Herren, der Herr Vorredner hat in seinen Ansführungen
eine Aeußerung berührt, welche vor einiger Zeit ein englischer Minister
über das Verhalten unseres Heeres im deutsch-französischen Kriege gemacht
hat. Ich glaube, wir werden alle darüber einig sein, und ich meine, es
werden auch alle verständigen Leute in England mit uns darüber einig
sein, daß, wenn ein Minister sich gezwungen sieht, seine Politik zu rechtfertigen
— das kann ja vorkommen
(Heiterkeit)
—, daß er dann wohl daran tut, das Ausland aus dem Spiel zu lassen.
(Sehr richtig!)
Will er aber doch fremdländische Beispiele heranziehen, so empfiehlt es
sich, das mit großer Vorsicht zu tun
(sehr richtig!);
sonst läuft man Gefahr, nicht nur mißverstanden zu werden, sondern auch,
ohne es zu wollen — wie ich im vorliegenden Fall annehmen will, und
wie ich annehmen muß nach dem, was mir von der anderen Seite versichert
wird —, fremde Gefühle zu verletzen. Das ist aber um so bedauerlicher,
wenn es einem Minister gegenüber einem Lande passiert, das
mit dem seinigen, wie Graf Stolberg soeben hervorgehoben hat, stets gute
und freundschaftliche Beziehungen unterhalten hat, deren ungetrübte Fortdauer
gleichmäßig dem Interesse beider Teile entspricht.
(Sehr wahrl!)
Es war durchaus begreiflich, wenn in einem Volke, das mit seinem ruhmreichen
Heere so innig verwachsen ist wie das deutsche Volk — auch das
hat mit mit großem Recht der Herr Vorredner betont —, das allgemeine
Gefühl sich auflehnte gegen den Versuch und gegen den Schein, den
heroischen Charakter und die sittliche Grundlage unfrer nationalen Einheitskämpfe
zu entstellen. Das deutsche Hcer steht aber viel zu hoch und
sein Wappenschild ist zu blank, als daß es durch schiefe Urteile berührt
werden könnte!
(Bravol)
Von so etwas gilt, was Friedrich der Große einmal sagte, als man ihm
davon sprach, daß jemand ihn und die preußische Armce angegriffen hätte:
„Laßt den Mann gewähren," sagte der große König, „und regt euch nicht
anf, er beißt auf Granit.“
(Heiterkeit. Sehr gut!)
1) Sten. Ber. d. R.-T., 10. Leg.-Per., II. Session, 112. Sitzung, S. 3209 f.