Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

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Reiches  in  seinen  überseeischen  Aufgaben.  Dasselbe  hat  in  der
staunenswerten  Entwickelung  seiner  Handelsinteressen  einen  solchen  Umfang
gewonnen,  daß  es  Meine  Pflicht  ist,  der  neuen  deutschen  Hansa  zu  folgen
und  ihr  den  Schutz  angedeihen  zu  lassen,  den  sie  vom  Reich  und  vom
Kaiser  verlangen  kann.“

Trotzdem  war  diese  Entsendung  keine  kriegerische.  Es  gelang  dem
Baron  Heyking,  die  unsererseits  erfolgte  Besitzergreifung  von  Kiautschou
auf  dem  Wege  des  Pachtvertrages,  wie  schon  erzählt,  befriedigend  zu
lösen.  Prinz  Heinrich  wurde  überall  in  China,  auch  vom  Kaiser  in
Peking,  wie  ein  Friedensbote  empfangen.  Die  Waffen  schwiegen.  Und
man  hatte  sich  mit  der  Hoffnung  eingewiegt,  daß  nunmehr  eine  Friedensperiode
  gekommen  wäre.

Die  Greuel  in  Peking.

Da  liefen  am  Montag,  den  2.  Juli  1900,  im  Auswärtigen  Amt
zu  Berlin  vom  deutschen  Konsul  in  Tschifu  folgende  Nachrichten  ein:

„Unser  Gesandter  in  Peking  am  18.  Juni  ermordet.  Die  Fremdenkolonie
  wird  in  den  Gesandtschaften  belagert.  Die  Situation  ist  verzweifelt.
  Eilt  Euch!“

Und  ein  Telegramm  des  Chefs  des  deutschen  Geschwaders  vor
Taku,  Kontre-Admiral  Bendemann,  vom  30.  Juni  meldete,  daß  am
25.  Juni  nur  noch  das  deutsche,  französische  und  englische  Gesandtschaftsgebäude
  unzerstört  geblieben  wären.  Der  Kommandeur  der  Schutztruppe
und  die  Ausländer  wären  in  der  englischen  Gesandtschaft  verbarrikadiert
von  Boxern  und  etwa  30  000  chinesischen  Soldaten  belagert.  Auch  auf
Tientsin,  wo  sich  eine  deutsche  Kolonie  befindet,  rückten  diese  vor.  Die
Kaiserin-Witwe  Tsu-Si  wäre  entflohen.

Am  5.  Juli  endlich  kam  aus  Schanghai  die  fürchterliche  Nachricht:
Alle  Fremden,  1000  an  der  Zahl,  einschließlich  400  Soldaten  und  100
Zollbeamten,  Frauen  und  Kinder,  hätten  in  der  britischen  Gesandtschaft
ausgehalten,  solange  Munition  und  Lebensmittel  reichten.  Sie  und  Tausende
  von  chinesischen  Christen  wären  dann  von  den  Boxern  niedergemetzelt
  worden.  Auch  die  Kaiserin  wäre  ermordet.  6

Entsetzen  und  Hoffnungslosigkeit  erfüllten  die  gesamte  zivilisierte  Welt.

Schon  seit  Jahresfrist  hatten  Kenner  Chinas  einen  solchen  Ausbruch
der  Volkswut  prophezeit.  Drohend  war  ein  solcher  zu  jeder  Zeit