Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1892. (26)

Gewinnung  von  Baumaterialien,  Erden  und  Thonen.  645

Zum  Versieden  der  25  löthigen  Soole  dient  eine  116  qm  haltende  Siedpfanne
nebst  einer  Dampfpfanne  von  102  qm  Fläche.  Das  Trocknen  des  Salzes  geschieht
mit  dem  abziehenden  Rauch  und  Dampf.

Die  Produktion  dieser  Saline  betrug  im  Jahr  1879/80  21779  Zentner  Kochsalz,
  womit  12  Arbeiter  beschäftigt  waren.  Denaturirtes  Vieh=  und  Gewerbesalz  wurden
9  335  Zentner  dargestellt.

Mit  dem  Salinenbetrieb  in  Sulz  ist  die  Gewinnung  der  als  Düngemittel  sehr
beliebten  Hallerde  verbunden,  eines  bittererdehaltigen  Thongipses  aus  der  Anhydritgruppe,
  welcher  einen  natürlichen  Salzgehalt  hat  und  nach  dem  Pochen  noch  mit  Soole
benetzt  wird.  Schon  vom  Jahre  1670  sind  über  diesen  Bergbau  Notizen  vorhanden
und  im  vorigen  Jahrhundert  bestanden  mehrere  Hallerdschächte.  Der  im  Jahre
1827  angelegte  sogenannte  neue  Hallerdebau  brach  1849  zusammen  und  seitdem  steht
durch  den  144  m  langen  sogenannten  Pfisterstollen  ein  regelmäßiger  Pfeilerbau  im
Betrieb.  Zum  Pochen  der  Hallerde  dienen  3  Pochwerke  am  Neckarkanal.

Im  Jahr  1879/80  betrug  die  Produktion  an  Hallerde  890  chm  oder  35  600  Meß;
das  hiemit  beschäftigte  Personal  zählt  17  Mann.  —

Außer  den  bis  jetzt  genannten  Mineralprodukten,  deren  Gewinnung
durch  regelmäßigen  Bergbau  nach  den  Vorschriften  des  Berggesetzes  vom

7.  Oktober  1874  geschieht,  sind  ferner  von  großer  Bedeutung

4.  Die  Baumakerialien,  Erden  und  Thone,
welche  in  den  verschiedenen  Gebirgsformationen  Württembergs  vorkommen
  und  von  der  Privatindustrie  meist  auf  einfachem  Wege,  durch
Tagbau  und  Steinbruchsarbeit,  ausgebeutet  werden.  In  erster  Linie
stehen  die  Bausteine,  mit  denen  Württemberg  so  außerordentlich
gesegnet  ist,  daß  man  es  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes  ein  steinreiches
  Land  nennen  kann.  Vom  harten  Granit  des  Schwarzwaldes
bis  zu  den  jüngsten  Kalktusffen  der  Albthäler,  welche  mit  Säge  und
Beil  sich  bearbeiten  lassen,  ist  eine  ganze  Reihe  der  vortrefflichsten  Bausteine
  vorhanden,  deren  Bildsamkeit  und  Dauerhaftigkeit  sich  in  den
Steinbauten  des  Landes  aus  alter  und  neuer  Zeit,  insbesondere  auch
in  den  schönen  Kunstbauten  der  württembergischen  Eisenbahnen,  kund
gibt.  Nur  Oberschwaben  mit  seinen  tertiären  Gebilden  leidet  Mangel
an  brauchbaren  Bausteinen  und  muß  solche  zum  Theil  aus  weiter  Ferne
beziehen,  während  von  anderen  Gegenden  des  Landes  beträchtliche  Mengen

einheimischer  Steine  in  das  Ausland  verführt  werden.

Der  im  geologischen  Alter  voranstehende  Granit  von  Alpirsbach  und  Wildbad
wird  hauptsächlich  nur  zu  monumentalen  Arbeiten  verwendet  (Jubiläumssäule  und
Schillerdenkmal  in  Stuttgart),  wozu  sich  auch  der  feinkörnige  bunte  Sandstein  gut
eignet.  Aus  diesem  sind  u.  A.  die  Klöster  von  Alpirsbach  und  Hirsau  erbaut;  die
großen  Piedestale  zu  den  Pferdegruppen  in  Stuttgart  stammen  aus  einem  Sandsteinbruch
  bei  Schafhausen  a.  d.  Würm  und  zu  Hausen  a.  d.  W.  werden  schöne  Grabsteine
  daraus  gefertigt.  Mächtige  Quader  von  buntem  Sandstein  werden  in  Schramberg,
  Alpirsbach,  Freudenstadt,  Nagold,  Wildberg,  Calw  2c.  gebrochen  und  besonders
gesucht,  aber  immer  seltener  sind  die  im  Schwarzwald  unter  den  Trümmergesteinen
liegenden,  im  Wetter  erprobten  Sandsteinfindlinge,  aus  denen  z.  B.  das  Badgebäude