Gewinnung von Baumaterialien, Erden und Thonen. 645
Zum Versieden der 25 löthigen Soole dient eine 116 qm haltende Siedpfanne
nebst einer Dampfpfanne von 102 qm Fläche. Das Trocknen des Salzes geschieht
mit dem abziehenden Rauch und Dampf.
Die Produktion dieser Saline betrug im Jahr 1879/80 21779 Zentner Kochsalz,
womit 12 Arbeiter beschäftigt waren. Denaturirtes Vieh= und Gewerbesalz wurden
9 335 Zentner dargestellt.
Mit dem Salinenbetrieb in Sulz ist die Gewinnung der als Düngemittel sehr
beliebten Hallerde verbunden, eines bittererdehaltigen Thongipses aus der Anhydritgruppe,
welcher einen natürlichen Salzgehalt hat und nach dem Pochen noch mit Soole
benetzt wird. Schon vom Jahre 1670 sind über diesen Bergbau Notizen vorhanden
und im vorigen Jahrhundert bestanden mehrere Hallerdschächte. Der im Jahre
1827 angelegte sogenannte neue Hallerdebau brach 1849 zusammen und seitdem steht
durch den 144 m langen sogenannten Pfisterstollen ein regelmäßiger Pfeilerbau im
Betrieb. Zum Pochen der Hallerde dienen 3 Pochwerke am Neckarkanal.
Im Jahr 1879/80 betrug die Produktion an Hallerde 890 chm oder 35 600 Meß;
das hiemit beschäftigte Personal zählt 17 Mann. —
Außer den bis jetzt genannten Mineralprodukten, deren Gewinnung
durch regelmäßigen Bergbau nach den Vorschriften des Berggesetzes vom
7. Oktober 1874 geschieht, sind ferner von großer Bedeutung
4. Die Baumakerialien, Erden und Thone,
welche in den verschiedenen Gebirgsformationen Württembergs vorkommen
und von der Privatindustrie meist auf einfachem Wege, durch
Tagbau und Steinbruchsarbeit, ausgebeutet werden. In erster Linie
stehen die Bausteine, mit denen Württemberg so außerordentlich
gesegnet ist, daß man es im eigentlichen Sinne des Wortes ein steinreiches
Land nennen kann. Vom harten Granit des Schwarzwaldes
bis zu den jüngsten Kalktusffen der Albthäler, welche mit Säge und
Beil sich bearbeiten lassen, ist eine ganze Reihe der vortrefflichsten Bausteine
vorhanden, deren Bildsamkeit und Dauerhaftigkeit sich in den
Steinbauten des Landes aus alter und neuer Zeit, insbesondere auch
in den schönen Kunstbauten der württembergischen Eisenbahnen, kund
gibt. Nur Oberschwaben mit seinen tertiären Gebilden leidet Mangel
an brauchbaren Bausteinen und muß solche zum Theil aus weiter Ferne
beziehen, während von anderen Gegenden des Landes beträchtliche Mengen
einheimischer Steine in das Ausland verführt werden.
Der im geologischen Alter voranstehende Granit von Alpirsbach und Wildbad
wird hauptsächlich nur zu monumentalen Arbeiten verwendet (Jubiläumssäule und
Schillerdenkmal in Stuttgart), wozu sich auch der feinkörnige bunte Sandstein gut
eignet. Aus diesem sind u. A. die Klöster von Alpirsbach und Hirsau erbaut; die
großen Piedestale zu den Pferdegruppen in Stuttgart stammen aus einem Sandsteinbruch
bei Schafhausen a. d. Würm und zu Hausen a. d. W. werden schöne Grabsteine
daraus gefertigt. Mächtige Quader von buntem Sandstein werden in Schramberg,
Alpirsbach, Freudenstadt, Nagold, Wildberg, Calw 2c. gebrochen und besonders
gesucht, aber immer seltener sind die im Schwarzwald unter den Trümmergesteinen
liegenden, im Wetter erprobten Sandsteinfindlinge, aus denen z. B. das Badgebäude