Contents : Blätter für Rechtsanwendung. XXIV. Band. (24)

110  Zentralisation  in  der  Stadt  Rom.

die  Frage  aufgeworfen  worden,  warum  wenigstens  hier  nicht  ein
Repräsentatiosystem  organisiert  wurde;  aber  eine  Antwort  ist
darauf  bisher  kaum  gegeben  worden.  Einen  der  wesentlichsten
Gründe  haben  wir  im  Eingang  dieser  Betrachtungen  kennen
gelernt:  daß  nämlich  die  Schöpfung  eines  Volkswillens  auf  dem
Wege  einer  Repräsentation  eine  Illusion  ist.  Das  Fiktive  einer
solchen  Einrichtung  war  den  Alten  von  vornherein  so  klar,  daß
sie  es  gar  nicht  erst  damit  versucht  haben,  um  so  mehr,  da  ihnen
ja  die  technischen  Mittel,  zwischen  Wählern  und  Gewählten
einen  Rapport,  eine  Kontrolle  zu  unterhalten,  besonders
die  Offentlichkeit  vermöge  einer  weitverbreiteten  Presse,  noch
fehlten.  Die  Repräsentation  war  des  weiteren  unmöglich,
weil  keine  genügend  einheitliche  Gesinnung  in  diesem  Gemisch
  verschiedener  Stämme  auf  italienischem  Boden
existierte.  Hätte  man  in  den  einzelnen  Landschaften  wählen
lassen,  so  wäre  sofort  die  Gefahr  entstanden,  daß  sie  wieder
zu  ihrer  Selbständigkeit  zurückzukehren  wünschten.  Nur
durch  die  schärfste  Zentralisation  der  Wahl  in  der  einen
Stadt  wurde  die  Einheit  aufrecht  erhalten.  Wir  wollen
uns  aber  darein  nicht  vertiefen,  sondern  nur  feststellen,  daß
das  Altertum  den  Repräsentativgedanken  nicht  gekannt  hat,
sondern  nur  die  direkte  Bürger- Abstimmung  mit  der  eigentümlichen
  kleinen  Konzession  der  Abstimmung  nach  Tribus
oder  Centurien  statt  nach  Köpfen.  Wir  wissen  ja  jetzt,
daß  auch  unter  den  heutigen  Verhältnissen  die  Repräsentation
ein  sehr  dürftiger  Gedanke  ist,  wo  Ausführung  und  Idee  sehr
weit  auseinander  klaffen.  Im  Altertum  hielt  man  es  mit
Recht  für  unmöglich,  auch  nur  so  weit  zu  gehen.  Auch  in
Athen  war  uns  die  Feststellung  von  Interesse,  daß  die
Boulé  keine  Wahlrepräsentation  ist,  sondern  durch  das  Los
aus  dem  Volke  bestimmt  wird.

An  der  Umöglichkeit,  die  Demokratie  zu  organisieren,