Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

13

Reich,  vollends  im  Frieden  selbst,  einige  seiner  besten  Provinzen
  und  schoͤne  Huͤlfsquellen  von  Einnahme  verloren.
Weun  man  auch  das  Deficit  der  Finanzen  deckte,  und
zu  Boezahlung  des  rückständigen  Truppen  =  Soldes  Rath.
schaffte,  so  hatte  man  noch  nicht,  was  man  haben  mußte.
Sollte  Dänmark  noch  fernerhin  sicher  als  ein  eigenes  Reich
bestchen,  so  mußte  die  Defensiv-Verfassung  des  Landes,
deren  kläglichen  Zustand  jetzt  leider  Feinde  und  Freunde
gleich  gut  wußten,  ganz  neu  geschaffen  werden.  Coppenhagen
  war  jetzt  Gränzstadt  gegen  Schweden  geworden.
Der  Koͤnig  verlangte  also  einen  Reichstag.  Die  Reichsräthe
  aber  schienen  ihn  nicht  für  eben  so  dringend  zu  halten,
  und.  wenn  er  je  seyn  sollte,  so  meinten  sie  zu  Odensec.
  Dies  waren  Ahnungen,  wie  sie  aus  dem  Bewußtseyn
der  Gesinnungen  der  Coppenhagenschen  Bürgerschaft  entspringen
  maßten,  die  zwar  seit  der  großen  Privilegien-Urkunde,
  die  sic  vor  kurzem  erst  erhalten  hatte  2),  gemeinschaftliche
  Sache  mit  dem  Adel  zu  haben  schien,  jetzt  aber
vollends  erst  noch  durch  die  Art,  wie  der  Adel  diese  neuerhaltenen
  Vorrechte  behandeln  wollte,  erbittert  worden  war.
Natürlich  aber  bestund  Kdnig  Fricdrich  I.  eben  so
auf  Kopenhagen,  denn  wenn  er  schon  keinc  Revolutions-Plaue
  im  Sinne  hatte,  so  schien  er  doch  alles  so  leiten  zu
wollen,  daß  sich  frei  und  ungehindert  entwickeln  koͤnne,
was  sich  entwickeln  wolle.  Daher  erklärte  er  auch  voraus
daß  er  wegen  Norwegen  auf  dem  künftigen  Reichstage  nichts
handeln  lassen  würde.  Dieß  sey  sein  Erbreich,  für  dessen
Wohl  er  allein  sorgen  wolle;  sie  mochten  nur  für  Daͤumark
  rathen;  für  Dänmärk  sey  genug  zu  thun.

*)  1658.  Mon.  Aug.