„Ja, Kaiserliche Hoheit, ich hatte mir das Oberkommando
einer Armee wie einen summenden Bienenkorb vorgestellt und
finde nun in Wirklichkeit nicht einen Schimmer von Unruhe oder
Nervosität, überall mur Ruhe und Sicherheit. Was ich aber am
liebsten sehen möchte, das wäre eine Schlacht, denn ich vermute,
daß ich mir ebenso wie die meisten andern Laien eine ganz falsche
Vorstellung davon mache.“
Der Kronprinz lächelt und antwortet: „Ja, Schlachtenmaler
wie Neuville und Detaille haben in unsern Tagen wenig Gelegenheit,
ihre Kunst anzuwenden. Von den Kämpfenden sicht man
micht viel, da fie sich im Gelünde und in den Schützengräben
verborgen halten, und es ist gefährlich, einem Bajonettangriff zu
nahe zu kommen, wenn man nicht dienstlich dort zu tun hat. Im
großen und ganzen wächst der Abstand zwischen den Kämpfenden
mit der Vervollkommnung der Feuerwaffen. Wer die beste Artillerie
hat, hat die beste Aussicht, zu fiegen. Für uns ist die feldgraue
Uniform ein großer Vorteil, wir verschwinden im Gelände,
während die grellfarbigen Uniformen der Franzosen auf weite
Entfernung hin sichtbar find. Eine Schlacht zu sehen ist fast
unmöglich, nicht einmal der Heerrführer, der sie leitet, siehr viel
davon. Seine Leitung geschieht durch Rapporte, Ordonnanzen und
Telephon. Als Zuschauer auf einer Anhöhe in der Nähe Aufstellung
zu nehmen ist nicht anzuraten. Man kann da ziemlich
ficher sein, daß man für einen Beobachter gehalten wird, der das
Artilleriefeuer leitet und deshalb das Ziel der feindlichen Schrapnells
ist. Sie werden jedoch bei Ihrem Besuch hier Gelegenheit
bekommen, so viel zu sehen, wie überhaupt gesehen werden kann.“
Wie die Stimmung beim Kronprinzen von Deutschland war?
Fröhlich, jugendfrisch und ungezwungen. Man merkte nichts von
böfischer Steifheit, sogar der General, der sonst die strengste
Disziplin aufrechterhielt, war von dem herrschenden kameradschaftlichen
Geiste angesteckt. Eine Folge der gewaltigen Arbeitslast,
die auf ihm ruhte, war jedoch, daß er für gewöhnlich später als
die andern zu Tisch kam. Das Abendessen und das Zusammen-