204
sollte, verbürgte dem Schweden als erste und nächste Beute das
Herzogthum Pommern auf Kosten des Hauses Brandenburg.
Der wesentliche Zug indessen, der durch Friedrichs II. Auffassung
und Darstellung hindurchgeht, ist die Anklage des Kaisers
Ferdinand II. auf Despotismus. Diese Anklage hält er aufrecht
um jeden Preis. Er erörtert das Verhältnis zwischen Ferdinand
und Friedrich von der Pfalz. Er behauptet, daß der Kaiser einen
Kurfürsten nur mit Zustimmung des ganzen Reichstages in die Acht
habe erklären können. Also stehe es in der goldenen Bulle.1) Voltaire,
der die Arbeiten des Königs zur Durchsicht erhielt, machte
dabei die bescheidene Anmerkung. „Es scheint mir, daß das in
der goldenen Bulle nicht stehe, und daß dies sehr wichtig ist.“
Mithin war es ein Irrthum. Allein wenn man den Irrthum aufgab:
so verlor man die Gelegenheit dem Kaiser diesen Vorwurf
zu machen. Der Historiker Friedrich II. strich den Irrthum nicht
hinweg.
Das Gewicht der vollen Ungunst des königlichen Geschichtschreibers
fiel auf den Grafen Schwarzenberg, den Minister Georg
Wilhelms. Er meint, 2) man dürfe Georg Wilhelm nicht zu hart
anklagen. Allerdings beging er ungeheure Fehler; aber diese bestanden
wesentlich darin, daß er sein ganzes Vertrauen in den
Grafen Schwarzenberg setzte, der ihn verrieth und sich selber zum
Kurfürsten machen wollte. Schwarzenberg war katholisch. Er hielt
immer die Partei des Kaisers. Er hatte die Festungen des Kurfürsten
dem Kaiser überliefert.
Es ist kaum irgend ein Verhältnis der königlichen Geschichtsanschauung
so wichtig, wie dieses, um die Tendenz derselben darzulegen.
Friedrich hat für seine Anklagen des Verrathes gegen
Schwarzenberg einen Beweis irgend welcher Art nicht gebracht.
Als Gustav Adolf kam, forderte er Einlaß in die Festungen
1) a. a. O. p. 31. — 2) a. a. O. p. 48. "