Metadata : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

964  Schwaben  u.  Neuburg.

steueranstalt  verbundenen  höhern  Töchter-Erziehungs-Instituts
sich  für  immer  ein  gesegnetes  Andenken  erhalten  hat.  Auch  erschien  noch
1803  eine  neue  evangelische  Schulordnung,  welche  jedoch  nur  vorübergehende
Bedeutung  hatte.

Was  katholische  Lehranstalten  betrifft,  so  ist  vor  Allem  noch  der  Thitigkeit
  der  Benedictiner  von  St.  Ulrich  in  Augsburg  zu  erwähnen.  Zu
Anfang  des  17.  Jahrhunderts  verfaßte  der  Prior  Gregor  Gastel  besondere
Schulgesetze.  Freilich  verlor  nach  Berufung  der  Jesuiten  die  Schule  allmählich
  ihre  Bedeutung.  Dagegen  betheiligte  sich  das  Stift  in  Verbindung
mit  andern  Benedictinerklöstern  an  wissenschaftlichen  Bestrebungen.  Gegen
Ende  des  18.  Jahrhunderts  wurde  die  Bibliothek  (mit  über  700  Bänden
Handschriften)  neu  geordnet,  ein  mathematisches  Museum  mit  trefflichen  Instrumenten
  ausgestattet  und  ein  reichhaltiges  Naturaliencabinet  so  wie  eine
Münzsammlung  angelegt.  Die  Dominicaner  in  Augsburg  leiteten  in  der
2.  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  ein  zahlreich  auch  von  andern  Religiosen
besuchtes  „Generalstudium“,  in  das  1759  40  Lpceisten  übertraten,  die  mit
den  Jesuiten  in  Mißyelligkeiten  gerathen  waren.  Für  die  seelsorgerische  Bildung
  des  Secularklerus  insbesondere  sorgten  die  Bischöfe  Alexander  Sigmund
  (7  1737)  und  Joseph  (1  1738)  durch  Gründung  des  Seminars
in  Pfaffenhausen  bei  Mindelheim,  dessen  Freiplätze  durch  eine  reiche
Stiftung  des  Kaufmanns  J.  A.  v.  Obwexer  beträchtlich  vermehrt  wurden.
Bischof  Clemens  legte  1783  in  seinem  Hochstift  Normalschulen  an  und
empfahl  in  einem  Hirtenbriefe  den  Pfarrern,  alles  beizutragen,  damit  da,
wo  noch  keine  Schulen  sind,  solche  errichtet  würden.

Ueberblickt  man  den  Bestand  der  höhern  Lehranstalten  zu  Anfang  dieses
Jahrhunderts  im  dermaligen  Regierungsbezirke  Schwaben  und  Neuburg,  so
wird  man  gewiß  nicht  über  einen  Mangel  derselben  bezüglich  der  Zahl  klagen
  können,  da  im  Gegentheil  die  große  Zerstückelung  der  Territorien  fast
ein  Ueberwuchern  solcher  Anstalten  meist  auf  Kosten  ihrer  innern  Beveutung
zur  Folge  hatte.  In  Dilingen  gab  es  eine  katholische  Universität  mit
drei  Facultäten  und  zwei  Klericalseminarien  (dem  des  hl.  Hieronymus  und
dem  1665  errichteten  der  Bartholomäer  zum  hl.  Franz  von  Sales).  In
Pfaffenhausen  bestand  ein  Priesterhaus  zur  Vorbildung  für  die  Seelsorge.
  Lyceen  gab  es  in  Augsburg  bei  St.  Salvator  (mit  theologischer
und  philosophischer  Section)  und  in  Neuburg  a.  d.  D.  (mit  philosophischem
Curs).  Gymnasien  und  Lateinschulen  bestanden,  und  zwar  katholische:
  in  Augsburg  bei  St.  Salvator  nebst  vorbereitender  Demcapitel'scher
Schule,  in  Dilingen,  Neuburg,  Kempten,  Ottenbeuren,  Donauwörth,
  Füßen,  Kaufbeuren,  Mindelheim,  Günzburg,  Wallerstein,
  Immenstadt  und  Babenhausen,  wozu  noch  die  Studien  der
Klöster  für  ihre  eigenen  Novizen  kommen;  protestantische:  in  Augsburg
  bei  St.  Auna  mit  städtischer  Vorbereitungsschule  bei  St.  Martin,  in