Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1895. (29)

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In  größeren  Städten  können  räudekranke  Pferde  von  der  Polizeibehörde
sogleich  nach  der  Feststellung  der  Räudekrankheit  bis  zur  Beendigung  des  Heilverfahrens
  unter  Stallsperre  gestellt  werden.

Auf  den  Antrag  des  Besitzers  einer  räudekranken  Schafherde  oder  des  Vertreters
  des  Besitzers  kann  für  die  Ausführung  des  Heilverfahrens  eine  längere
Frist  gewährt  werden,  wenn  nach  der  motivirten  schriftlichen  Erklärung  des  beamteten
  Thierarztes  mit  Rücksicht  auf  den  Zustand  der  Schafe  oder  auf  andere
äußere  Verhältnisse  die  sofortige  Ausführung  der  Kur  nicht  zweckmäßig  ist.

§.  123.

Hat  die  Räude  bei  Schafen  in  einem  Bezirke  eine  allgemeinere  Verbreitung
gefunden,  so  ist  von  der  zuständigen  höheren  Polizeibehörde  darauf  zu  halten,  daß
das  Heilverfahren  thunlichst  gleichzeitig  bei  allen  kranken  Herden  ausgeführt  wird.

§.  124.

Häute  geschlachteter  oder  getödteter  räudekranker  Pferde  oder  Schafe  dürfen
aus  dem  Seuchengehöfte  nur  in  vollkommen  getrocknetem  Zustande  ausgeführt
werden,  sofern  nicht  die  direkte  Ablieferung  derselben  an  eine  Gerberei  erfolgt.

§.  125.

Die  räudekranken  Pferde  und  die  zu  einer  räudekranken  Herde  gehörigen
Schafe  dürfen  während  des  Heilverfahrens  und  bis  zur  Aufhebung  der  Schutzmaßregeln
  nicht  in  fremde  Ställe  gestellt  oder  auf  eine  Weide  gebracht  werden,
welche  mit  gesunden  Pferden,  beziehungsweise  mit  gesunden  Schafen  beweidet  wird.

Erforderlichenfalls  hat  die  Polizeibehörde  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  auf
gemeinschaftlichen  Weideflächen  für  das  gesunde  und  für  das  kranke  Vieh  die
Hütungsgrenzen  regulirt  werden.

Vor  Beendigung  des  Heilverfahrens  dürfen  räudekranke  Pferde  nur  innerhalb
  der  Feldmark  zur  Arbeit  verwendet,  aber  nicht  mit  gesunden  Pferden  zusammengespannt
  oder  in  unmittelbare  Berührung  gebracht  werden.

Geschirre,  Decken  und  Putzzeuge,  welche  bei  kranken  Pferden  benutzt  wurden,
dürfen  vor  erfolgter  Desinfektion  zum  Gebrauche  gesunder  Pferde  nicht  verwendet
werden.

Ein  Wechsel  des  Standortes  (Gehöftes)  der  räudekranken  Pferde  oder  der
zu  einer  räudekranken  Herde  gehörigen  Schafe  darf  ohne  Erlaubniß  der  Polizeibehörde
  nicht  stattfinden.  Diese  Erlaubniß  ist  nur  dann  zu  ertheilen,  wenn  mit  dem
Wechsel  des  Standortes  die  Gefahr  einer  Seuchenverschleppung  nicht  verbunden  ist.

§.  126

Die  Polizeibehörde  kann  die  Ausführung  der  zu  einer  räudekranken  Herde
gehörigen  Schafe  zum  Znweck  sofortiger  Abschlachtung  gestatten:
1.  nach  benachbarten  Ortschaften;
2.  nach  in  der  Nähe  liegenden  Eisenbahnstationen  behufs  der  Weiterbeförderung
  nach  solchen  Schlachtviehhöfen  oder  öffentlichen  Schlacht-65